Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 31.10.2018


Unwetter

Millionenschaden nach Sturm-Chaos in Osttirol: Aufräumen beginnt

An mehreren Stellen im Osttiroler Pustertal erreichte das Hochwasser die hundertjährige Marke. In den Tälern kam es zu großen Sturmschäden, Stromleitungen und ganze Waldstriche fielen wie Zahnstocher.

Kurt Fritzer vor seinem Haus: Die Mure reicht bis zum Balkon.

© Blassnig ChristophKurt Fritzer vor seinem Haus: Die Mure reicht bis zum Balkon.



Von Christoph Blassnig

Lienz – Am Dienstag war in Osttirol Aufräumen angesagt. „Wir stellen heute die Stromversorgung sowie das Straßen- und Wegenetz möglichst schnell wieder her“, sagte Bezirkshauptfrau Olga Reisner auf einer Pressekonferenz mit Landeshauptmann Günther Platter Dienstagmittag. Beide hatten sich bei Erkundungsflügen ein Bild der bezirksweiten Zerstörungen gemacht.

Aufgrund von Dutzenden Straßensperren war der Bezirk ­Lienz ab Montagabend weder per Bahn noch auf der Straße zu erreichen. Die Techniker der Tinetz mussten am Dienstag per Hubschrauber an ihre Einsatzorte in den Tälern geflogen werden, um die in vielen Osttiroler Gemeinden unterbrochene Stromversorgung wieder zu gewährleisten. Sturmböen hatten unzählige Bäume und ganze Waldstriche zu Fall gebracht. „Wie Zündhölzer“ seien die Bäume umgefallen, berichtete die Bezirkshauptfrau, und hätten die Stromleitungen gekappt. In allen Tälern sei es zu Sturmschäden gekommen, besonders betroffen seien jedoch das Osttiroler Lesachtal und das Kalsertal, wo große Mengen Schadholz zu beseitigen sein werden. Auf bis zu 200.000 Festmeter lauten die ersten groben Schätzungen der Behörde. Auf der Compedalhütte in Assling auf 1900 Metern Seehöhe wurden Windspitzen von 150 km/h gemessen.

Bezirkshauptfrau Olga Reisner, LH Günther Platter und der Amlacher Bürgermeister Franz Idl (v. l.) beim Lokalaugenschein am Dienstag.
Bezirkshauptfrau Olga Reisner, LH Günther Platter und der Amlacher Bürgermeister Franz Idl (v. l.) beim Lokalaugenschein am Dienstag.
- Blassnig Christoph

Die Schäden der heftigen Unwetternacht von Montag auf Dienstag schätzt das Land als so verheerend ein, dass sie laut einer Aussendung „wohl in die Millionen gehen werden“. Vor allem die Straßeninfrastruktur, Verbauungsmaßnahmen vieler Bäche und Flüsse sowie die Jausenstation Galitzenklamm in Amlach waren besonders schwer betroffen. Der im Sommerhalbjahr äußert beliebte Drauradweg, auf dem in einer Saison bis zu 150.000 Radfahrer von Innichen nach Lienz radeln, sei ebenfalls über weite Strecken schwer in Mitleidenschaft gezogen oder völlig zerstört worden, erklärte der Landeshauptmann. „Die Wiederherstellung dieser so wichtigen Verbindung wird eine große Herausforderung.“

Der Radweg führt direkt am beliebten Ausflugsziel Galitzenklamm vorbei. Eine Mure ist dort in das Erdgeschoß eines Wohnhauses und in die vorgelagerten Bauten und Gastgärten eingedrungen. Besitzer Kurt Fritzer zeigte sich beim Lokalaugenschein mit der Bezirkshauptfrau und dem Landeshauptmann am Dienstagmittag gefasst – ihm wurde Hilfe beim Wiederaufbau zugesagt.

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Das Unwetter richtete in Osttirol verheerende Schäden an.
Das Unwetter richtete in Osttirol verheerende Schäden an.
- Brunner Images

Zahlreiche Durchreisende sind in Osttirol gestrandet. In den Gemeinden Sillian, Matrei und Lienz wurden Notschlafstellen eingerichtet. Dutzende haben so die Nacht verbracht und sind vom Roten Kreuz versorgt worden. Kerstin Purgstaller war auf dem Heimweg nach Innsbruck, als ihr Bus nach Kitzbühel bei Huben direkt von einer Mure gestoppt wurde. Doris Gasser wollte am Montag eigentlich noch nach Bruneck. „Wir haben in Lienz sensationelle Hilfsbereitschaft erfahren“, erklärten die beiden am Dienstag, nachdem sie Schlafstellen in Anspruch genommen hatten.

„Es war richtig unheimlich daheim“, berichtete der Bahnbedienstete Bruno Gasser aus Anras, der auch bei der Feuerwehr ist. „Aus dem Tal hat man von der Drau nur noch ein schweres Grollen gehört – als ob ein ganzer Berg dahingerafft würde.“

34 Feuerwehren waren mit 650 Einsatzkräften auch in den Nachtstunden im gesamten Bezirk mit Sicherungsarbeiten beschäftigt. Das Bundesheer, alle Blaulichtorganisationen, die Berg- und die Wasserrettung gehörten ebenso zum Krisenstab wie das Baubezirksamt und die Lawinen- und Wildbachverbauung. Die Koordination und Information an die Bevölkerung habe unter Bezirkshauptfrau Olga Reisner vorbildlich funktioniert, zollte Platter den Osttiroler Einsatzkräften Respekt.

Auch Bahnstrecken sind von dem Unwetter-Ereignis in Mitleidenschaft gezogen worden.
Auch Bahnstrecken sind von dem Unwetter-Ereignis in Mitleidenschaft gezogen worden.
- zeitungsfoto.at