Letztes Update am Sa, 10.11.2018 15:39

DPA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Katastrophen

Tödliche Feuerhölle in Kalifornien: Trump gibt Behörden Schuld

Autos sind zu Schrotthaufen eingeschmolzen, von Häuser ist nur noch Asche übrig. Mindestens neun Menschen sterben in einem Feuer-Inferno in Nordkalifornien. Auch viele Anwesen von Promis sind bedroht. Präsident Donald Trump gibt den Behörden die Schuld.

© AFPAuch viele Prominente mussten aus ihren Häusern fliehen.



Paradise/Malibu – Eine Feuerwalze hat ihr Paradies zerstört: Den Einwohnern der kleinen Ortschaft Paradise im ländlichen Norden Kaliforniens ist nichts geblieben, als eine aschgraue Mondlandschaft, Trauer um die Toten und Sorge um die Vermissten. Fast die gesamte Ortschaft ist abgebrannt.

Feuerwehrmänner kämpfen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die Flammen.
- AFP

Die erste Bilanz des Schreckenszenarios: neun verkohlte Leichen, mehr als 6000 abgebrannte Häuser. Von Geschäften, Kirchen und Restaurants in dem einst idyllischen Ort in den Hügeln am Rande des Sierra-Nevada-Gebirges sind nur noch schwelende Ruinen übrig. Auch das Surfer-Paradies Malibu in Südkalifornien und umliegende Promi-Orte sind zu Feuerhölle geworden. Die berüchtigten Santa-Ana-Winde treiben heftige Buschfeuer an und damit Zehntausende Menschen in die Flucht. Auch vor teuren Villen hinter hohen Mauern machen die Flammen nicht halt.

Hollywood-Stars auf der Flucht

Malibu wurde geräumt; die Stadt bei Los Angeles ist als Wohnort von Prominenten wie Thomas Gottschalk und Barbra Streisand bekannt. Stars wie Lady Gaga, Guillermo del Toro und Orlando Bloom brachten sich vor der Feuerwalze in Schutz. „Dies ist meine Straße vor zwei Stunden“, schrieb der „Fluch der Karibik“-Star Bloom (41) am Freitag auf Instagram zu einem Foto mit einer orangeglühenden Flammenwand gleich hinter Häusern. Er bete dafür, dass alle aus Malibu in Sicherheit seien. Er sei letzte Nacht geflüchtet, schrieb Oscar-Preisträger Guillermo del Toro (54) auf Twitter. Sein Haus und seine Sachen mögen in Gefahr sein, aber „das Geschenk des Lebens“ sei ihm geblieben. Der Regisseur appellierte an die Bewohner, ihre Häuser zu verlassen. „Wir sind alle in Sicherheit, und das ist das Wichtigste“, schrieb Reality-TV-Star Kim Kardashian (38) auf Twitter. Die Flammen hätten sich bis an den Rand ihres Anwesens in Hidden Hills gefressen, aber nun sei die Gefahr wohl gebannt. „Doctor Strange“-Regisseur Scott Derrickson (52) hatte weniger Glück. „Wir haben unser Haus verloren“, schrieb er am Freitag auf Twitter, aber er sei mit seiner Familie dem „Inferno“ entkommen.

Die Feuer haben alles regelrecht "aufgefressen".
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Neun Menschen in Paradise ums Leben gekommen

Das Flammenchaos trieb rund 90.000 Menschen in Südkalifornien in die Flucht. Der sonst malerische Pacific Highway war in dichten Rauch gehüllt, auf der Küstenstraße staute sich kilometerlang der Verkehr. Nach ersten Schätzungen der Behörden sind im Raum Malibu und im Bezirk Ventura County Dutzende Häuser abgebrannt, doch zunächst gab es keine Berichte über Tote oder Verletzte. Umso dramatischer das Katastrophenszenario im Norden des „Goldenen Staates“, wo orkanartige Winde die tödliche Feuerwalze am Donnerstag in Gang setzten. Bei der Flucht aus dem Ort Paradise spielten sich Tragödien ab. An den Straßenrändern stehen ausgebrannte, schwelende Autowracks mit geschmolzenen Reifen. Mindestens neun Menschen sind hier ums Leben gekommen, vier davon bis zur Unkenntlichkeit in ihren Fahrzeugen verbrannt, drei Leichen wurden vor verkohlten Häusern gefunden, teilte die Feuerwehr in der Nacht zum Samstag mit.

Einer der schlimmsten Brände der Geschichte

Paradise, ein Ort mit 27.000 Einwohnern, ist zerstört, sagte Bürgermeisterin Jody Jones am Freitag. Etwa 80 Prozent der Gebäude seien abgebrannt. Die Häusermaklerin Debbie Teter hat kaum Hoffnung, dass ihr Haus noch steht. „Ich werden auch keinen Job mehr haben. Mein Büro ist sicher auch abgebrannt, und wer will hier noch Häuser kaufen“, sagte die 53-Jährige dem San Francisco Chronicle. Mit mehr als 6000 zerstörten Häusern zählt das so genannte „Camp Fire“ in Paradise zu den schlimmsten Flächenbränden in der Geschichte Kaliforniens. Vor einem Jahr im Oktober wüteten mehrere Feuer nördlich von San Francisco in den beliebten Weinbauregionen um Napa und Sonoma. Die Bilanz: über 40 Tote, mehr als 5700 Gebäude vernichtet, eine Fläche größer als New York City verkohlt.

An den Straßenrändern stehen ausgebrannte, schwelende Autowracks mit geschmolzenen Reifen.
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Die schwersten Brände toben typischerweise in den Herbstmonaten im Anschluss an einen trockenen Sommer. Doch in dem dürregeplagten Westküstenstaat gibt es kaum noch Entwarnung. „Tagtäglich ist nun Feuersaison irgendwo in Kalifornien“, klagt Ken Pimlott, Leiter der Brandschutzbehörde Cal Fire.

Auch für die Einwohner von Malibu ist die Feuersbrunst ein Déjà-vu-Erlebnis. Die ständige Bedrohung, besonders wenn die Santa-Ana-Winde wehen, ist die Kehrseite des Luxuslebens in dem Nobelort. Bei einem der schlimmsten Brände im Umland von Malibu kamen 1993 drei Menschen ums Leben. Damals brannten knapp 300 Häuser ab, darunter die Villen der Schauspieler Sean Penn und Ali McGraw.

Tausende Menschen sind vor den Flammen geflohen.
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„Ich mache mir Sorgen um mein Haus, aber ich kann nichts tun“, schrieb die US-Sängerin Cher auf Twitter. „Mein ganzes Leben lang habe ich Zerstörung durch Feuer gesehen“, erklärte der 72-jährige Star. Seit 1972 habe sie ein Haus in Malibu. „Ich kann den Gedanken nicht ertragen, dass es Malibu nicht mehr gäbe.“

Trump beschuldigt Behörden

US-Präsident Donald Trump hat Missmanagement der zuständigen Behörden in Kalifornien für die Todesopfer durch die Waldbrände verantwortlich gemacht. „Es gibt keinen Grund für diese massiven, tödlichen und teuren Feuer in Kalifornien außer dem schlechten Forstmanagement“, schrieb Trump Samstagfrüh auf Twitter.

Die Flammen werden durch heftige Winde immer wieder angefacht.
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Milliarden US-Dollar würden jährlich ausgegeben, trotzdem gebe es Todesopfer. Trump drohte dem US-Bundesstaat mit dem Entzug von Bundesmitteln. Kalifornien ist ein von den Demokraten regierter US-Bundesstaat, die auf Bundesebene die Opposition stellen. (dpa/APA)

Die Satellitenaufnahme zeigt das Ausmaß der Zerstörung.
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