Letztes Update am So, 10.03.2019 23:24

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Flugzeugkatastrophe

Flugzeugabsturz in Äthiopien: Drei junge Ärzte aus Oberösterreich tot

Eigentlich gilt die äthiopische Airline als sicher. Sie fliegt viele internationale Ziele an, darunter auch Frankfurt und München. Nun stürzte eine Maschine nur wenige Minuten nach dem Start ab – mit Menschen aus 33 Ländern an Bord, darunter drei junge Ärzte aus Oberösterreich.

Beim Absturz einer Boeing 737 der Fluggesellschaft Ethiopian Airlines gibt es keine Überlebenden.

© APA/AFP/MICHAEL TEWELDEBeim Absturz einer Boeing 737 der Fluggesellschaft Ethiopian Airlines gibt es keine Überlebenden.



Addis Abeba – Beim Absturz einer Passagiermaschine in Äthiopien sind nach Angaben der betroffenen Fluggesellschaft Ethiopian Airlines alle 157 Insassen – 149 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder – ums Leben gekommen. An Bord hatten sich auch drei an Linzer Kliniken tätige Ärzte aus Oberösterreich befunden.

Bei ihnen handelte es sich um Mediziner in ihren Dreißigern. Das gab das Außenministerium am Sonntagabend bekannt. Die drei Männer wiesen demnach Geburtsdaten zwischen 1987 und 1988 auf. Einer von ihnen war beim Ordensklinikum der Barmherzigen Schwestern in Linz beschäftigt. Das bestätigte die Pressestelle des Hauses am späten Sonntagnachmittag der APA. Nähere Angaben zur Person wollte man aus Rücksicht auf die Hinterbliebenen nicht machen.

Warum sich der Mediziner in Äthiopien aufhielt, konnte das Linzer Ordensklinikum nicht sagen. Jedenfalls sei er nicht für das hauseigene Hilfsprojekt in Afrika im Einsatz gewesen. Möglicherweise hatte der Arzt die Absicht, gemeinsam mit seinen Kollegen auf der Tansania vorgelagerten Insel Sansibar eine Zeit lang für ein Spital zu arbeiten, das von einer gebürtigen Österreicherin betrieben wird. Fest steht, dass die Getöteten von Addis Abeba mit einer Zwischenlandung in Nairobi nach Sansibar wollten, „um dort medizinisch zu arbeiten“, wie Peter Guschelbauer, der Sprecher des Außenministeriums, erklärte.

Angehörige werden psychologisch betreut

Die Angehörigen der drei Ärzte wurden mittlerweile auch offiziell vom Unglück verständigt. Laut Guschelbauer werden sie von Spezialisten des Innenministeriums psychologisch betreut. Beileidsbekundungen sprachen Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) den Betroffenen aus. „Ich möchte in diesen schweren Stunden allen Angehörigen der Opfer des tragischen Flugzeugunglücks der #EthiopianAirlines mein aufrichtiges Beileid aussprechen“, verbreitete Kurz über den Kurznachrichtendienst Twitter. Kneissl kondolierte ebenfalls über Twitter allen Familienmitgliedern und Freunden der Opfer. Bundespräsident Alexander Van der Bellen drückte den Angehörigen ebenfalls sein Mitgefühl aus.

Die Boeing 737 befand sich auf einem Linienflug zwischen Addis Abeba und der kenianischen Hauptstadt Nairobi.
Die Boeing 737 befand sich auf einem Linienflug zwischen Addis Abeba und der kenianischen Hauptstadt Nairobi.
- APA/AFP/SIMON MAINA

Nach Angaben von UNO-Generalsekretär Antonio Guterres kamen auch Mitarbeiter der Vereinten Nationen ums Leben. Genaue Zahlen oder Details nannte Guterres in einer Mitteilung am Sonntag allerdings nicht. Die Vereinten Nationen stünden in Kontakt mit den äthiopischen Behörden, um Details herauszubekommen.

null
-

Absturzursache noch unklar

Die Unglücksursache steht noch nicht fest. Wie allerdings im Verlauf des Sonntag bekannt wurde, hatte der erfahrene Pilot kurz nach dem Start von Flug ET302 , der von der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba nach Nairobi gehen sollte, „Probleme“ gemeldet und um Erlaubnis zur Rückkehr nach Addis Abeba gebeten hatte. Dafür bekam er grünes Licht. Dann riss der Kontakt ab. Der Start war bei gutem Wetter erfolgt. Der Airline zufolge brach der Kontakt mit der Maschine sechs Minuten nach dem Abheben gegen 8.30 Uhr am Sonntagmorgen (Ortszeit) ab. Zu diesem Zeitpunkt habe sich die Maschine nahe der Stadt Bishoftu befunden, hieß es.

Wie Peter Guschelbauer, der Sprecher des Außenministeriums, gegenüber der APA präzisierte, handelt es sich bei den österreichischen Opfern um Ärzte im Alter zwischen 30 und 40. Man stehe in laufendem Kontakt mit den Angehörigen, den äthiopischen Behörden und Vertretern der Fluglinie, sagte Guschelbauer.

Die Fluggesellschaft hatte die neue Maschine nach eigenen Angaben erst im November erworben. Zuletzt war sie am 4. Februar gewartet worden. Seit dem Kauf des Flugzeuges Ende letzten Jahres soll die Boeing rund 1200 Stunden im Einsatz gewesen sein.

An der Unglücksstelle nahmen Polizisten, Soldaten und ein Ermittlungsteam der Behörde für zivile Luftfahrt ihre Arbeit auf. Ein AFP-Reporter berichtete von einem tiefen Krater. Flugzeugteile und persönliche Gegenstände der Passagiere lagen weit verstreut. Rettungskräfte bargen menschliche Überreste aus dem Flugzeugwrack.

Ethiopian Airlines gehört mit einer Flotte von 108 Flugzeugen zu den größten Airlines Afrikas und zum Verbund der von der Lufthansa mitgegründeten Star Alliance. Zuletzt war ein Passagierflugzeug der Ethiopian Airlines im Jahr 2010 in einen schweren Unfall verwickelt. Damals explodierte eine Boeing 737-800 nach dem Start im Libanon - 83 Passagiere und sieben Crewmitglieder kamen ums Leben. Grundsätzlich gilt Ethiopian Airlines als zuverlässige Fluggesellschaft. Sie bietet weltweite Verbindungen an, auch nach Frankfurt am Main, München, London, New York und Bangkok. Eine Boeing 737-800MAX der indonesischen Gesellschaft Lion Air war jedoch erst im vergangenen Oktober nach dem Start in Jakarta abgestürzt.

Das nunmehrige Unglück ereignete sich am Vortag einer großen Jahresversammlung des UN-Umweltprogramms in Nairobi. Möglicherweise waren Teilnehmer des Treffens an Bord. Nach Angaben der Ethiopian Airlines hatten sich zahlreiche Europäer an Bord befunden. Demnach hatten acht Italiener, je sieben Franzosen und Briten, fünf Niederländer und vier Slowaken die Reise angetreten. Jüngsten Meldungen zufolge sollen auch fünf Deutsche den Flug angetreten haben. Insgesamt sollen Passagiere aus mindestens 32 verschiedenen Nationen den Flug gebucht gehabt haben. (APA)

Zwei Abstürze in sechs Monaten: Boeing 737 MAX 8 in der Kritik

Zwei Flugzeugkatastrophen innerhalb eines halben Jahres werfen Fragen zur Sicherheit der Passagiermaschine Boeing 737 MAX 8 auf. Erst im Oktober war ein Flugzeug dieses Typs in Indonesien verunglückt - ebenfalls kurz nach dem Start. Damals waren alle 189 Menschen an Bord der Lion-Air-Maschine ums Leben gekommen.

Die Boeing 737 ist das meistverkaufte Verkehrsflugzeug weltweit, die 737 MAX ist das neueste Modell. Nach dem Erstflug im Jänner 2016 hatte der US-Flugzeugbauer vor zwei Jahren die ersten Maschinen der Version MAX 8 mit besonders spritsparenden Motoren ausgeliefert. Bis Ende Jänner wurden 5011 Maschinen bei Boeing bestellt, 350 davon sind bereits ausgeliefert.

Nach dem Lion-Air-Absturz hatte eine vorläufiger Untersuchungsbericht der indonesischen Behörden ergeben, dass das Flugzeug wegen gravierender technischer Mängel nicht hätte starten dürfen. Die Maschine hatte demnach Probleme mit den Geschwindigkeitsmessern und den AOA-Sensoren, die Daten zum Auftrieb eines Flugzeugs liefern. Auf eine Absturzursache legten sich die indonesischen Ermittler aber nicht fest. Der endgültige Untersuchungsbericht steht noch aus.

Luftfahrtexperten kritisierten zudem, dass Boeing die Fluggesellschaften und Piloten nicht ausreichend über ein neues System gegen Strömungsabrisse informiert habe. Kritisiert wurde auch das Piloten-Training für das neue Modell. Boeing hatte nach dem Unglück die Kritik an seinem brandneuen Flugzeug zurückgewiesen.