Letztes Update am Di, 26.03.2019 10:45

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Atomunfall

Acht Jahre nach Fukushima: Japan hebt Evakuierungsanordnung auf

Bewohner können ab 10. April wieder in Teile der Stadt Okuma zurückkehren. Erst ist die erste Aufhebung einer Evakuierungsanordnung seit der Atomkatastrophe von Fukushima vor acht Jahren.

Das Atomkraftwerk in Fukushima.

© REUTERSDas Atomkraftwerk in Fukushima.



Tokio – Japan wird nach Regierungsangaben erstmals eine Evakuierungsanordnung für einen der beiden Orte aufheben, in denen das Atomkraftwerk Fukushima liegt. Die Anordnung solle am 10. April für Teile der Stadt Okuma aufgehoben werden, sagte Regierungsvertreter Yohei Ogino am Dienstag. Die Bewohner könnten dann zurückkehren, es gebe keine Beschränkungen etwa für Kinder oder ältere Menschen.

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Nach einem Erdbeben rollte im März 2011 ein Tsunami über die japanisch Küstenregion und riss mehr als 18.000 Menschen in den Tod.
Nach einem Erdbeben rollte im März 2011 ein Tsunami über die japanisch Küstenregion und riss mehr als 18.000 Menschen in den Tod.
- REUTERS

Okumas Bürgermeister Toshitsuna Watanabe sprach nach Angaben eines städtischen Beamten von einem „sehr begrüßenswerten Schritt“. Acht Jahre nach der Atom-Katastrophe könne nun der Wiederaufbau in Angriff genommen werden.

In Fukushima hatte sich nach dem schweren Erdbeben und einem Tsunami mit mehr als 18.000 Toten im März 2011 das schlimmste Atomunglück seit der Tschernobyl-Katastrophe von 1986 ereignet. Weil das Kühlsystem ausfiel, kam es in drei der sechs Reaktoren zur Kernschmelze. Das Gebiet in einem weiten Umkreis wurde radioaktiv verseucht und unbewohnbar. Okuma und der angrenzende Ort Futaba sind seitdem Geisterstädte.

Strenges Programm zur Dekontaminierung

Japan verfolgt ein strenges Programm zur Dekontaminierung. Für viele Gegenden wurden die Sperren aber inzwischen wieder aufgehoben. Einer Umfrage japanischer Medien vom Februar zufolge sind 60 Prozent der Bewohner in der Fukushima-Region allerdings weiterhin besorgt wegen der Verstrahlung. Im Februar gab es noch 52.000 Vertriebene – unter ihnen auch viele, die sich weigern zurückzukehren.

Bisher gibt es zwar keine offiziell registrierten Todesfälle durch die Verstrahlung, allerdings gab die Regierung im vergangenen Jahr erstmals den Krebstod eines Mannes bekannt, der an den Dekontaminierungsarbeiten nach dem Atomunglück beteiligt war. Offiziellen Angaben zufolge starben in der Folge der Katastrophe mehr als 3700 Menschen – die meisten aus Fukushima – an Krankheiten oder weil sie sich das Leben nahmen. (APA/AFP)