Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 29.03.2019


Bezirk Landeck

Wildbach-Millionen für Bezirk Landeck: Schnannerbach ist Hotspot

Die Wildbach- und Lawinenverbauung investiert heuer mehrere Millionen Euro im Bezirk Landeck. Eine „Erfolgsgeschichte“ sei der Lawinenschutz – das zeigte der Winter.

Der Schnannerbach sorgte 2018 für große Zerstörungen in Pettneu – heuer ist er eine der großen Baustellen der Wildbach- und Lawinenverbauung im Bezirk Landeck.

© ZOOM.TIROLDer Schnannerbach sorgte 2018 für große Zerstörungen in Pettneu – heuer ist er eine der großen Baustellen der Wildbach- und Lawinenverbauung im Bezirk Landeck.



Von Matthias Reichle

Landeck – Eine reißende braune Flut, die knapp unter einem Fenster hinwegrollt und mitnimmt, was ihr in den Weg kommt. Dazu panisches Schreien aus dem Hintergrund. Daniel Kurz, Chef der Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) im Oberland hatte das Video, das auf Facebook die Runde gemacht hatte, gesehen, bevor er im vergangenen Jahr bei der Unwetterkatastrophe im Pettneuer Ortsteil Schnann eintraf. „Da war ich etwas unentspannt“, erinnert er sich an diesen Tag zurück.

Der Schnannerbach, der im August 2018 eine Mure mitbrachte und Schäden von über 10 Mio. Euro hinterließ, ist heuer ein Hotspot für die WLV im Bezirk Landeck. 500.000 Euro fließen in die Aufräumarbeiten und Sanierungen, die immer noch nicht abgeschlossen sind. 30.000 Kubikmeter Geröll müssen noch aus dem Rückhalteraum der großen Sperre geräumt werden. Gleichzeitig beginnt man mit der Planung eines Schutzprojekts für die Bahnstrecke und den Mündungsbereich – dabei wird die alte Rosannabrücke, die die Mure aufgestaut und für eine Überschwemmung im Gewerbegebiet gesorgt hatte, abgerissen, erklärt Kurz.

Es ist eine Baustelle von vielen, die ihn heuer auf Trab halte­n. Insgesamt 9,7 Mio. Euro will seine Gebietsbauleitung 2019 in den Bezirken Imst und Landeck ausgeben. Der Betrag setzt sich aus Bundes- und Landesmitteln sowie Geldern der Interessenten (meist die Gemeinden) zusammen.

Kurz’ Arbeiter sind in zahlreichen Gemeinden aktiv – in Pettneu gleich mehrfach: unter anderem auch bei der Gridlon-Mure, am Zeinsbach und der Schindlerlawine.

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Beim Kappler Diasbach werden neue Konsolidierungssperren errichtet (700.000 Euro), am Seer Schallerbach, der 2015 für große Vermurungen sorgte, wird der Mündungsbereich zur Trisanna saniert und eine neue Brücke zum Recyclinghof gebaut (550.000 Euro). Und auch am Pianner Lattenbach gehen die Arbeiten weiter. Dort wurde ein Haus abgerissen, um den Mündungsbereich zu erweitern, zudem baut man im Mittellauf neue Sperren (500.000 Euro). Weitergeführt werden auch die Maßnahmen am Grinner Mühlbach (650.000 Euro). In Landeck wird zudem das Hengstbachl sicherer gemacht, damit könnte der Bauhof der Stadt aus der roten Zone fallen.

Die Verbauung der Pleissen- und Krachentobel-Lawine in Ischgl musste im vergangenen Jahr aufgrund der vielen Ereignisse zurückgestellt werden – heuer will man das Projekt endlich weiterführen. Neue Lawinenwerke bekommt auch die Flunglawine bei See und Kappl. Abschließen kann man vermutlich die Verbauung der Kehm- und Keneckbachlawine im Kaunertal. Dort wurden seit 2004 insgesamt 7,5 Mio. Euro ausgegeben. In Fiss sind die Arbeiter bei der Verbauung der Schiltilawine im Einsatz, die im vergangenen Jahr beschädigt worden war. Steinschlagverbauungen gibt es für die Kappler Sonnseite (275.000 Euro) und für die Bodenalpe in Ischgl. Dort werden drei Dämme errichtet und 2019 600.000 Euro investiert.

Wie immer steht und fällt das Programm mit den aktuellen Katastrophenereignissen. „Wir wären froh, wenn 2019 wieder ein Normaljahr wäre“, betont Kurz. Seit 2015 wird die WLV von großen Muren und Überschwemmungen auf Trab gehalten. 2018 wurde aufgrund der Unwetter mit 12,5 Mio. Euro ein Investitionsrekord aufgestellt. Aber auch heuer sind bereits einige Sofortmaßnahmen angefallen – etwa in Landeck und in Prutz, wo es zu Hangrutschungen kam.

Auf die Schneesituation im Jänner hat Kurz einen etwas anderen Blick als manche großen Medien, die eine „Katastrophe“ herbeischreiben wollten: „Es war eine einzige Erfolgsgeschichte der Lawinenverbauung. In der öffentlichen Wahrnehmung checkt man nicht, wie groß die Gefahr ohne diese gewesen wäre. Es hat alles gehalten.“ Ohne Schutz wäre möglicherweise auch Siedlungsraum betroffen gewesen.

Ein Vorteil der Wildbach- und Lawinenverbauung sei ihre Flexibilität, erklärt der Gebietsbauleiter. „Wir haben alles in einer Hand – von der Planung über die Projektierung und Finanzierung bis hin zur Umsetzung. Da gibt es keine Reibungsverluste.“