Letztes Update am Do, 04.04.2019 11:22

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Software griff ein

Boeing-Absturz in Äthiopien: Piloten folgten Notfallplan

Den Untersuchungen zufolge handelten die Piloten den Anweisungen nach, konnten die Maschine dennoch nicht unter Kontrolle bringen. Die Nase des Flugzeuges wurde dennoch nach unten gedrückt.

Das Trümmerfeld nach dem Absturz 60 Kilometer von Addis Abeba entfernt.

© AFPDas Trümmerfeld nach dem Absturz 60 Kilometer von Addis Abeba entfernt.



Addis Abeba – Die Besatzung der in Äthiopien abgestürzten Boeing 737 Max hat alle vom Hersteller vorgesehenen Vorgaben befolgt, konnte das Flugzeug aber nicht unter Kontrolle bringen. Dies ergab ein vorläufiger Untersuchungsbericht zu dem Unglück vom 10. März, wie die äthiopische Transportministerin Dagmawit Moges am Donnerstag in Addis Abeba sagte.

Nach dem Absturz der einer Boeing-Maschine in Äthiopien hat das Transportministerium in Addis Abeba eine Überprüfung der umstrittenen Steuerungssoftware empfohlen. Boeing müsse die „Steuerbarkeit“ der Boeing 737 MAX auf den Prüfstand stellen, bevor weitere Maschinen ausgeliefert würden, hieß es am Donnerstag in dem ersten Untersuchungsbericht zu dem Unglück im März mit 157 Toten.

Die Maschine der Fluggesellschaft Ethiopian Airlines war am 10. März kurz nach dem Start in Addis Abeba abgestürzt. Alle 157 Menschen an Bord kamen ums Leben. Experten vermuten, dass die Katastrophe mit der eigens für die Boeing 737 MAX entwickelten Steuerungsautomatik MCAS (Maneuvering Characteristics Augmentation System) zusammenhängen könnte. Das System drückt bei einem drohenden Strömungsabriss die Flugzeugnase nach unten.

Piloten befolgten Anweisungen von Hersteller

Die Ermittler haben Anzeichen dafür gefunden, dass die Nase der Maschine nach unten gedrückt wurde, sagte Dagmawit. Man empfehle dem Hersteller, dass das Flugsteuerungssystem untersucht werde. Auch sollten Luftfahrtbehörden dieses System untersuchen, bevor die Maschine des Typs wieder fliegen könnte.

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Transportministerin Dagmawit Moges sagte, die Piloten hätten alle Anweisungen befolgt. Dies hatte zuvor bereits das Wall Street Journal berichtet. Die Piloten hätten demnach das MCAS abgeschaltet, das Flugzeug aber trotzdem nicht unter Kontrolle bekommen, und das System wieder angeschaltet. Allerdings war zunächst unklar, wie das MCAS wieder aktiviert werden konnte. In Ermittlerkreisen hieß es, das System habe sich womöglich selbst wieder eingeschaltet.

Nach dem Absturz hatte es Hinweise gegeben, dass eine Software zur Kontrolle des Aufstiegswinkel den Piloten Probleme gemacht hat. Auch hinter dem Absturz einer baugleicher Maschine im Oktober in Indonesien wird das umstrittene MCAS-System vermutet.

Boeing will Software aktualisieren

Boeing arbeitet derzeit an einem Softwareupdate für das MCAS. Der US-Flugzeugbauer ist durch die beiden Abstürze massiv unter Druck geraten und versucht, verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. Am Mittwoch teilte Boeing mit, Konzernchef Dennis Muilenburg habe an einem Testflug einer 737 MAX zur Erprobung des Softwareupdates teilgenommen.

Nicht nur Boeing, auch die FAA steht nach den beiden Abstürzen massiv in der Kritik. Die Behörde wird verdächtigt, bei der Zertifizierung der 737 Max ein Auge zugedrückt zu haben, wichtige Teile der Sicherheitsprüfungen wurden dem Konzern selbst überlassen.

Unter den 157 Opfern des Unglücks am 10. März in Äthiopien waren drei Ärzte aus Oberösterreich, die beruflich nach Sansibar unterwegs waren, sowie eine kenianische Doktorandin der BOKU Wien. Zudem kamen zahlreiche Mitarbeiter der Vereinten Nationen ums Leben. (TT.com/APA/Reuters/AFP)