Letztes Update am Fr, 03.05.2019 12:40

DPA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Katastrophen

Schwerster Wirbelsturm seit 1999 fegt über indische Küste hinweg

Mehr als 10.000 Menschen kamen vor 20 Jahren bei einem Zyklon an Indiens Ostküste ums Leben. Der seit damals stärkste Wirbelsturm wütet nun in dem Gebiet. Viele Millionen Menschen sind betroffen.

Kurz vor dem Eintreffen des Sturms sind die Straßen ungewohnt leer.

© APA/AFP/DIBYANGSHU SARKARKurz vor dem Eintreffen des Sturms sind die Straßen ungewohnt leer.



Bubaneswar – Der stärkste Zyklon seit vielen Jahren ist auf Indiens Ostküste getroffen. Der tropische Wirbelsturm „Fani“ erreichte am Freitagmorgen (Ortszeit) mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 195 Stundenkilometern Land in der Nähe der Stadt Puri. Mehr als eine Million Menschen im Bundesstaat Odisha waren nach Angaben der Regierung binnen 24 Stunden in mehr als 4000 Notunterkünfte gebracht worden.

In Notunterkünften wurden eine Million Menschen untergebracht.
In Notunterkünften wurden eine Million Menschen untergebracht.
- APA/AFP/DIBYANGSHU SARKAR

Nach ersten Berichten der örtlichen Katastrophenschutzbehörde riss der Sturm Bäume aus dem Boden, warf Strommasten um und verursachte Überschwemmungen. Einige strohgedeckte Häuser wurden demnach zerstört. Verletzte oder Todesfälle wurden zunächst nicht gemeldet. Fernsehbilder zeigten stark gebeugte Palmen und heftigen Regen in der Küstenstadt Puri, wo rund 200.000 Menschen leben.

Deutlich verbesserte Sicherheitsmaßnahmen als 1999

„Fani“ – „Foni“ ausgesprochen – gilt als stärkster Zyklon in dem Gebiet am Golf von Bengalen seit 1999, als mehr als 10.000 Menschen in Odisha (damals Orissa) ums Leben kamen. Damals hatte der Wind eine Geschwindigkeit von 260 km/h erreicht. Seitdem gelten die Sicherheitsvorkehrungen in dem Bundesstaat allerdings als deutlich verbessert. „Fani“ bezeichnet in bengalischer Sprache den Nackenschild, den Kobras in ihrer Drohhaltung ausbreiten.

Der Sturm zog in nordöstlicher Richtung über die Küstenregion und schwächte dabei auf eine Windgeschwindigkeit von etwa 130 Stundenkilometern ab. Nach Odisha wurde das Sturmzentrum im benachbarten Bundesstaat Westbengalen und danach im Nachbarland Bangladesch erwartet. Auch Teile des südlich von Odisha gelegenen indischen Bundesstaates Andhra Pradesh waren betroffen.

Flügen am Freitag abgesagt, Schulen geschlossen

In Kolkata (früher Kalkutta), der Hauptstadt von Westbengalen mit rund 15 Millionen Einwohnern, fielen alle Flüge von 15 Uhr am Freitag bis 8 Uhr am Samstag (Ortszeit) aus. In Odishas Hauptstadt Bhubaneswar wurden alle Flüge am Freitag abgesagt. Schulen im ganzen Bundesstaat blieben geschlossen. Auch viele Züge fielen aus.

Die Regierungschefin von Westbengalen, Mamata Banerjee, twitterte, sie habe wegen der „möglicherweise drohenden Katastrophe“ alle Wahlkampfauftritte für 48 Stunden abgesagt. In Indien findet derzeit eine knapp sechswöchige Parlamentswahl statt.

Wirbelstürme sind am Golf von Bengalen keine Seltenheit, vor allem zwischen April und November. Bei dem bislang wohl tödlichsten Zyklon - wie tropische Wirbelstürme im Indischen Ozean wie auch im südlichen Pazifik genannt werden – kamen 1970 in Bangladesch mindestens 300.000 Menschen ums Leben. (dpa)