Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 25.05.2019


Osttirol

5,9 Millionen Euro Schaden durch Hochwasser der Drau

Der passive Hochwasserschutz mittels Rückhalteflächen hat eine Katastrophe verhindert. Die Arbeiten dauern noch bis zum Jahr 2022.

Unterhalb der Rieder Brücke entsteht eine Retentionsfläche.

© BBA LienzUnterhalb der Rieder Brücke entsteht eine Retentionsfläche.



Von Christoph Blassnig

Mittewald – Bei aller Dramatik der Unwettertage vom 27. bis zum 30. Oktober 2018 spricht Walter Hopfgartner, Leiter der Abteilung Wasserbau im Baubezirksamt (BBA) Lienz, von Glück. „Wir haben in Sillian ein hundertjähriges Ereignis gemessen. Eine Regenpause von sechs Stunden hat den Pegel der Drau vor seinem Höchststand wieder zurückgehen lassen, sonst wäre auch die Stadt Lienz massiv betroffen gewesen.“

Die Wasserbauverwaltung hat in der Folge am Verlauf der Drau bis Lienz 46 Einzelschäden festgestellt. Eine Schadenssumme von 5,9 Millionen Euro wurde schließlich ermittelt. „Das Schadensbild ähnelte den Hochwasserereignissen der Jahre 1965 und 1966“, erklärt Hopfgartner. Unmittelbar nach dem Ereignis mussten zwei unterspülte 110-kV-Strommasten in Anras und Abfaltersbach gesichert werden. In Strassen und Abfaltersbach waren Straßenstücke zerstört, in Anras musste eine Brücke gesichert werden.

Der Radweg führt nun links der Drau nach Thal.
Der Radweg führt nun links der Drau nach Thal.
- BBA Lienz

Im Stadtgebiet von Lienz wurden in den letzten Monaten auf einer Länge von eineinhalb Kilometern 30.000 Kubikmeter Geschiebe aus dem Flussbett der Drau gebaggert. „Dazu waren enorme Mengen angelandetes Wildholz zu entfernen“, berichtet der Wasserbauverantwortliche. Zahlreiche Uferanrisse seien wieder befestigt worden. „Bestens bewährt haben sich die Flussaufweitungen zwischen Anras und Lienz. Durch deren Rückhaltewirkung von Holz und Geschiebe wurde eine Katastrophe in Lienz verhindert“, sagt Hofgartner. Dem passiven Hochwasserschutz durch eben solche Retentionsflächen komme im Ernstfall größte Bedeutung zu.

Die Schäden durch Hochwasser in den Jahren 1965 und 1966 ähnelten jenen im Oktober des Vorjahres (im Bild Mittewald).
Die Schäden durch Hochwasser in den Jahren 1965 und 1966 ähnelten jenen im Oktober des Vorjahres (im Bild Mittewald).
- BBA Lienz

Eine solche Fläche wird nun auch unterhalb der Rieder Brücke bei Anras neu angelegt. Auf einer Länge von 4,3 Kilometern zwischen Anras und Thal hat die Republik Österreich 14,2 Hektar Grund erworben. Der auf der rechten Uferseite der Drau zerstörte Radweg verläuft nun links und bildet die Grenze zu den Nachbargrundstücken.

Hopfgartner hebt die Unterstützung der Grundeigentümer hervor. Ohne diese sei die Wiederherstellung in so kurzer Zeit nicht möglich gewesen. Die Agrargemeinschaft Ried hat dafür sieben Hektar Grund abgetreten. Deren Obmann Josef Gietl habe bereits in den Weihnachtstagen mit den Plänen des Wasserbauamtes alle 39 Mitglieder aufgesucht und informiert, berichtet der Wasserbauverantwortliche. „Es war Gefahr im Verzug, auch unsere Brücke war ja stark betroffen“, rechtfertigt Gietl seinen Einsatz für den Verkauf der Flächen. Weitere fünf Hektar übergab der Bischof für die Diözese, zwei die Gemeinde Assling und je 500 Quadratmeter die ÖBB und Private.

Die Arbeiten an der Drau werden noch bis zum Jahr 2022 andauern. „Die Finanzierung ist jedoch gesichert“, erklärt Hopfgartner.