Letztes Update am Di, 25.06.2019 10:18

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Mosambik

Drei Monate nach Zyklon „Idai“ ist Mosambik weiter Katastrophengebiet

Nach dem verheerenden Zyklon „Idai“ vor drei Monaten geht der Wiederaufbau in Mosambik nur schleppend voran. Die Strom- und Wasserversorgung in der betroffenen Provinz funktioniert nach wie vor nicht so wie vor dem Sturm und zahlreiche Krankenhäuser und Gesundheitsstationen sind zerstört.

Zyklon "Idai" traf Ende März in der 500.000-Einwohner-Stadt Beira auf Land und zerstörte zahlreiche Häuser.

© AFPZyklon "Idai" traf Ende März in der 500.000-Einwohner-Stadt Beira auf Land und zerstörte zahlreiche Häuser.



Maputo, Beira – Drei Monate nach dem Durchzug des Zyklons „Idai“ ist Mosambik nach wie vor ein Katastrophengebiet. Der Wiederaufbau geht nur sehr schleppend voran. Darauf machte die Fachorganisation für Menschen mit Behinderungen, Licht für die Welt, am Dienstag aufmerksam. So ist die Stromversorgung in der Provinz Sofala mit der wichtigen Hafenstadt Beira noch immer nicht ganz wiederhergestellt.

Klaus Minihuber, Programmmanager von Licht für die Welt, hat in den vergangenen Tagen eine Reise durch die besonders betroffenen Regionen unternommen und keine guten Nachrichten gebracht. Noch immer funktionieren die Strom- und Wasserversorgung in Beira nicht so wie vor dem Sturm. „Strommasten liegen am Boden, die Internet-Kabel sind beschädigt. Viele Straßen sind blockiert“, schilderte Minihuber.

Die Zahl der Bettler sei erheblich gestiegen. „Viele Menschen haben alles verloren und es wird noch lange dauern, bis die Infrastruktur wieder funktioniert. Besonders die Armenviertel sind noch schwer beschädigt und viele Häuser sind eingestürzt. Ganze Familien stehen im Freien, wenn es regnet, und haben kein Dach mehr über dem Kopf“, sagte der NGO-Vertreter.

Viele Krankenhäuser zerstört

Besonders schwer getroffen habe es auch die Universität und das allgemeine Zentralkrankenhaus in Beira. Fast 100 Gesundheitsstationen in der Provinz Sofala wurden zerstört, so Licht für die Welt. Gleich neben dem Zentralkrankenhaus hat die Fachorganisation die größte und modernste Augenklinik von Mosambik gebaut. Sie nahm erst im Jänner 2019 ihren Betrieb auf und wurde im ersten Stock schwerbeschädigt. Das Dach wurde teilweise zerstört und stürzte auf die Bettenstationen. Der Operationssaal, der eigentlich für Augenoperationen vorgesehen ist, wurde in der Not zweigeteilt.

So werden hier auch andere Operationen durchgeführt, weil der Operationstrakt des Zentralkrankenhauses völlig zerstört wurde. „Die Augenambulanz im Erdgeschoß ist wieder voll in Betrieb. Jeden Tag kommen an die hundert Patienten“, berichtete Minihuber. Es können derzeit aber nur wenige Patienten stationär in einer provisorischen Bettenstation aufgenommen werden, weil das Dach und die Decke erst repariert werden müssen. Auch Operationen am Grauen Star seinen bis auf Weiteres nur ambulant möglich.

„Durch Grauen Star erblindete Menschen aus weiter entfernten Regionen müssen warten, bis die Station wieder einsatzbereit ist“, erläuterte Minihuber. Bald sollen dort wieder 13.000 Augenuntersuchungen und mehr als 1.600 Augenoperationen jährlich durchgeführt werden können. Die Augenklinik wurde vor allem mit Spenden der österreichischen INVICTA Privatstiftung finanziert.

Die meisten Menschen nicht gewarnt

Auch sonst ist die Lage mit Hunderttausenden nach wie vor Obdachlosen verheerend. Licht für die Welt kümmert sich in erster Linie um Menschen mit Behinderungen, die besonders unter der Katastrophe zu leiden haben. In den vergangenen drei Monaten erreichte Licht für die Welt nach eigenen Angaben mehr als 1500 Menschen mit Behinderungen und damit auch ihre Familien, insgesamt 6000 Menschen. 116 Reha-HelferInnen konnten ihre Arbeit wieder aufnehmen und sich auch um Kinder in entlegenen Regionen kümmern. Insgesamt hat die seit mehr als 15 Jahren in Mosambik tätige Fachorganisation 1,6 Millionen Euro an Spenden für Sturmopfer in Mosambik gesammelt und mit den lokalen Partnern ein umfangreiches Hilfsprogramm aufgebaut.

Die Hilfe konzentriert sich Minihuber zufolge vor allem auf die Verteilung von Nahrungsmitteln, Zement und Wellblech, damit die Menschen wieder ein Dach über dem Kopf haben. „Viele produzieren mit einfachsten Mitteln Ziegel aus dem Zement direkt vor ihren zerstörten Häusern. Ältere Menschen haben die Kraft nicht mehr, das Haus wieder aufzubauen und brauchen zusätzliche Unterstützung“, schilderte der Vertreter der Hilfsorganisation.

Die meisten Menschen hätten nicht gewusst, wie stark der Zyklon war, der auf sie zukam. „Sie wurden nicht gewarnt. Viele öffneten sogar die Fenster und Türen, damit der Wind durchziehen kann. Nach dem Zyklon hat sich eine große Solidarität unter den Sturmopfern entwickelt und die Nachbarn helfen sich wo sie können“, sagte Minihuber. „Licht für die Welt“ kümmert sich auch um den Wiederaufbau zerstörter Schulen. (APA)