Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 27.08.2019


Bezirk Landeck

Exkursion in Galtür: „Lawinenschutz hat den Härtetest bestanden“

Ministerin Patek erinnerte sich: In Wien habe es 1999 Überlegungen gegeben, Galtür auszusiedeln, anstatt Millionen zu investieren.

Stahlschneebrücken am Grießkogel: Die Schutzbauten bewährten sich auch heuer im schneereichen Winter.

© WenzelStahlschneebrücken am Grießkogel: Die Schutzbauten bewährten sich auch heuer im schneereichen Winter.



Von Helmut Wenzel

Galtür – Am 23. Februar 1999, als die tödliche Lawine in Galtür abging, sei sie in New York gewesen. Daran erinnerte sich Nachhaltigkeitsministerin Maria Patek am Montag bei einer Exkursion zu den Stahlschneebrücken oberhalb des Dorfes. „Ich war tief betroffen, als ich die Schlagzeilen in der New York Times gelesen habe“, schilderte sie im Beisein von BM Toni Mattle, Ministerialrat Florian Rudolf-Miklau, Tirol-Chef der Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) Gebhard Walter sowie WLV-Gebietsbauleiter Daniel Kurz.

Eine Überlegung gab es in den damaligen Chefetagen der WLV, 1999 angesiedelt im Landwirtschaftsministerium, die wohl ungeahnte Turbulenzen ausgelöst hätte, wäre sie realisiert worden: „Nach der Lawine haben viele gemeint, Galtür sollte auf sichere Plätze umgesiedelt werden“, erzählte Patek. Man hätte Sicherheitsinvestitionen in Millionenhöhe einsparen können, hieß es. Patek war viele Jahre bundesweite Leiterin der Wildbach- und Lawinenverbauung.

Doch 1999 sei „ein neues WLV-Zeitalter“ angebrochen, sagte die Ministerin. Es sei dann nicht mehr „ganz so schwierig“ gewesen, mehr Geld vom Finanzminister zur Aufstockung des WLV-Budgets zu bekommen. Damit habe Galtür dreifach gesichert werden können – mit dem Bau von 859 Stahlschneebrücken (ergibt 4711 Meter Anbruchverbauung), Schutzmauern im Dorf (u. a. beim Alpinarium) sowie durch lawinensichere Bauweise bei neuen Gebäuden. „Für die Menschen kann es nicht genug Schutz vor Naturgefahren geben“, resümierte Patek.

Nachhaltigkeitsministerin Maria Patek sowie Gebhard Walter (WLV), Bürgermeister Toni Mattle, Daniel Kurz (WLV) und Ministerialrat Florian Rudolf-Miklau (v. l.) zogen Bilanz zu den Baumaßnahmen in Galtür.
Nachhaltigkeitsministerin Maria Patek sowie Gebhard Walter (WLV), Bürgermeister Toni Mattle, Daniel Kurz (WLV) und Ministerialrat Florian Rudolf-Miklau (v. l.) zogen Bilanz zu den Baumaßnahmen in Galtür.
- Wenzel

Die Bauten in Galtür haben, so WLV-Chef Gebhard Walter, „auch im schneereichen Winter 2018/19“ den Härtetest bestanden. „Wir haben nur vereinzelt kleine Schäden festgestellt.“ In Galtür selbst sei die Verbauung abgeschlossen, sehr wohl gebe es weitere Projekte im Paznaun. In Summe sind 12,6 Mio. Euro in die Galtürer Lawinenverbauung investiert worden. 7,6 Mio. Euro davon sind Bundesmittel, den Rest haben Land und Gemeinde beigesteuert.

Dickes Lob von der Ministerin fasste der Bürgermeister aus – sein Einsatz für die Weiterentwicklung des Dorfes sei enorm gewesen. Mattle hob hervor, dass es nach der Lawine keine Abwanderung gegeben habe. „Bis auf eine Frau, die der Liebe wegen von Galtür weggezogen ist.“