Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 26.09.2019


Bezirk Landeck

Neues Bett für den Dawinbach nach zerstörerischer Mure in Strengen

Die Wildbach will bereits 2020 mit einem Verbauungsprojekt am Dawinbach starten. Die Planungen sind weit fortgeschritten. Bürgermeister Sieß betont die Dringlichkeit.

Die Mure vor drei Wochen beschädigte mehrere Häuser und zerstörte eine Tischlerei.

© zeitungsfoto.atDie Mure vor drei Wochen beschädigte mehrere Häuser und zerstörte eine Tischlerei.



Von Matthias Reichle

Strengen – Vor drei Wochen schwoll der kleine Dawinbach zu einer Flut an, die Steine und Geröll ins Tal schwemmte, mehrere Häuser schwer beschädigte und eine stillgelegte Tischlerei zerstörte. Auch die bestehenden Wildbachverbauungen hielten der Wucht des Wassers nicht stand und wurden davongetragen.

Es war nicht das erste Mal, dass der kleine Bach seine Muskeln spielen ließ. In den letzten Jahren brachte er immer wieder größere Murstöße ins Tal.

Neben den Aufräumarbeiten wurde seit dem Unglück an den Plänen für eine weitere Verbauung gearbeitet, wie Daniel Kurz, Gebietsbauleiter der Wildbach- und Lawinenverbauung Oberes Inntal, bestätigt. „Wir sind schon relativ weit.“ Demnächst werde man sich mit der Straßenabteilung des Landes und dem Wasserbauamt abstimmen. Für eine Absicherung des Ortsteils Klaus soll unter anderem die Landesstraßenbrücke verlegt und neu gebaut werden, wie auch die kleine Gemeindebrücke im Mündungsbereich. Jene oberhalb der B171 wird aufgelassen.

Laut Kurz bekommt der Dawinbach ein neues Bett. „Über den Schwemmkegel wird der Bach gerader“, erklärt er. Knapp vor der Mündung wird der Verlauf nach rechts geschwenkt.“ Das soll das Abflussverhalten wesentlich verbessern. Zudem wird das Gerinne steiler und das Abflussprofil größer. Häuser müssen dafür keine weichen. Allerdings fließt der Bach künftig über den alten Standort der Tischlerei, die von der Mure mitgerissen worden ist. „Man wird dafür Privatgrund brauchen“, erklärt der Gebietsbauleiter. Die Gespräche dazu sollen stattfinden, sobald man weiß, wo und wie viel.

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Die Wildbach will aber nicht nur im Tal, sondern auch am Berg ansetzen. So sollen mit Maßnahmen auf Almflächen die Abflussspitzen im Bach abgefedert werden. Ziel ist, die Sicherheit zu erhöhen; ob es auch Verbesserungen in den Gefahrenzonenplänen geben wird, wagt Kurz derzeit nicht zu sagen. „Große Veränderungen zum Ist-Zustand wird es nicht geben“, betonte er gestern.

Noch heuer soll das Projekt behördlich genehmigt werden, im kommenden Frühjahr startet, so der Plan, die Umsetzung. Erste Arbeiten am Gerinne finden bereits heuer im Rahmen der Sofortmaßnahmen statt.

„In den letzten zehn Jahren hatten wir drei große Muren“, erklärt der Strenger Bürgermeister Harald Sieß die Problematik. Die Vorfälle werden mehr – es sei dringend erforderlich, dass man etwas macht. „Die Mure ist nicht nur eine Belastung fürs Budget, sondern hauptsächlich auch für die Anrainer.“ Freilich sei auch die finanzielle Seite der Zerstörungen frustrierend. „Allein die Schäden der Gemeinde wurden auf 210.000 Euro geschätzt.“ Es sei Geld, das man für andere Dinge dringend bräuchte. Auch was die Verbauungskosten anbelangt, hofft Sieß derzeit auf Unterstützung vom Land. Der Gemeindeanteil – zuletzt sprach man von 20 Prozent – sei so kaum zu stemmen.

Wie viel das Gesamtprojekt kostet, konnte Kurz noch nicht beziffern. Man müsse die Detailplanung abwarten, allein durch den Brückenneubau werde es aber „nicht ganz gratis“.