Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 23.10.2019


Osttirol

Unwetter in Osttirol: Keine Ruhe nach dem Sturm

Vor einem Jahr verursachte Sturm „Vaia“ in Osttirol Schäden von 35 Millionen Euro. Das Schadholz in den Wäldern ist zu zwei Dritteln aufgearbeitet, an den Flüssen sind erst die Sofortmaßnahmen abgeschlossen.

Von den Flüssen in Osttirol war die Drau am stärksten vom Unwetter betroffen, im Bild die Galitzenklamm in Amlach.

© Christoph BlassnigVon den Flüssen in Osttirol war die Drau am stärksten vom Unwetter betroffen, im Bild die Galitzenklamm in Amlach.



Von Catharina Oblasser

Lienz – In den Tagen und Nächten vom 28. bis 30. Oktober 2018 öffnete der Himmel über Osttirol seine Schleusen. Das Sturmtief „Vaia“ brachte sintflutartige Regenfälle und schwere Stürme, die die schlimmste Naturkatastrophe seit Mitte der 1960er-Jahre verursachten. Durch die Unwetter entstanden Schäden in der Höhe von etwa 35 Millionen Euro an Wäldern, Feldern, Flüssen, Brücken und anderen Bauwerken.

Heute, knapp ein Jahr später, sind die akuten Gefahren beseitigt. Doch Ruhe herrscht nach dem Sturm „Vaia“ noch lange nicht. „Wir haben das ganze letzte Jahr nur Sofortmaßnahmen gesetzt, um die Sicherheit wiederherzustellen“, sagt Harald Haider, Leiter des Baubezirks­amtes Lienz. Zum Beispiel damit, die beiden Masten der überregionalen 110-kV-Leitung zu sichern oder Schotter und Schadholz aus der Drau zu holen. „Durch das Material, das das Hochwasser angeschwemmt hat, war das Flussbett der Drau um 1,50 Meter höher als zuvor“, schildert der Bauamtsleiter. Weggerissene Uferbegleitwege mussten wiederhergestellt, Brücken gesichert werden.

Vom 28. bis 30. Oktober waren wegen des Sturmtiefs „Vaia“ rund 1400 Hilfskräfte in ganz Osttirol im Einsatz, um das Schlimmste zu verhindern.
Vom 28. bis 30. Oktober waren wegen des Sturmtiefs „Vaia“ rund 1400 Hilfskräfte in ganz Osttirol im Einsatz, um das Schlimmste zu verhindern.
- Bezirksfeuerwehrverband/Brunner

Ab jetzt arbeitet das Baubezirksamt an längerfristigen Projekten. So muss die Böschung bei der Riederbrücke in Mittewald unter Kontrolle gebracht werden. Auch die Wildbäche, die dort in die Drau einmünden, stellen eine Gefahr dar. Die Schadenssumme an den Flüssen beläuft sich auf etwa 7,9 Millionen Euro, davon entfallen 5,9 Millionen auf die Drau.

An der Gail sind ebenfalls Uferbegleitwege sowie Brücken in Ober- und Untertilliach repariert worden. Nun stehen an der Gail Bauarbeiten für die Ufersicherung an, was komplizierter wird, als es klingt. „Der Fluss hat sich ein neues Bett gesucht, und die Grundstücksgrenzen stimmen nicht mehr mit den Plänen überein“, erläutert Harald Haider. „Wir müssen also mit den Grundbesitzern und der Gemeinde zuallererst die Eigentumsverhältnisse klären, bevor wir an der Gail bauen können.“

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Die Osttiroler Wälder – darunter viele Schutzwälder – haben am stärksten unter „Vaia“ gelitten. 2100 Hektar wurden zerstört, insbesondere in Kals, Dölsach, Unter- und Obertilliach sowie in Innervillgraten, sagt Landesforstdirektor Josef Fuchs. „350.000 Kubikmeter Schadholz, das entspricht zwei Dritteln, sind inzwischen aufgearbeitet. Der Rest folgt heuer und 2020.“ Das bedeutet einen großen Aufwand, denn wegen der Unwegsamkeit und der Steilheit des Geländes müssen Seilbahnen zum Einsatz kommen.

Nach dem Aufräumen wird aufgeforstet, und dann heißt es Geduld haben. „Bis der Schutzwald wieder voll funktionsfähig ist, dauert es 25 bis 40 Jahre“, erklärt Josef Fuchs. In der Zwischenzeit arbeitet der Landesforstdienst mit der Wildbach- und Lawinenverbauung an Dämmen und Verbauungen, um diese Zeit zu überbrücken.

„Im ganzen Land wird von der Wildbach- und Lawinenverbauung, den Waldbesitzern und dem Forstdienst an der Instandsetzung und Neuerrichtung von Schutzbauten sowie der Aufarbeitung der Waldschäden und Wiederaufforstung gearbeitet“, berichtet der für Katastrophenschutz zuständige Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler. „Dafür investieren Land, Bund und Interessenten in den nächsten Jahren 42 Millionen Euro.“

In Kals gehen die Aufräumarbeiten in den Wäldern voran. Die Gemeinde verzeichnete schwere Schäden.
In Kals gehen die Aufräumarbeiten in den Wäldern voran. Die Gemeinde verzeichnete schwere Schäden.
- EXPA/ Johann Groder