Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 05.12.2019


Nach Unwetter und Schnee

ÖBB zu massiven Schäden in Osttirol: “So etwas habe ich noch nicht gesehen“

Erst im Jänner können die ÖBB mit der Wiederherstellung der elektrischen Leitungen im Pustertal beginnen. Ein Personenverkehr ist nicht möglich.

Holzfachleute arbeiten derzeit mit schwerem Gerät an der Räumung der umgestürzten Bäume. Der Abtransport erfolgt per Dieselzug.

© Christoph BlassnigHolzfachleute arbeiten derzeit mit schwerem Gerät an der Räumung der umgestürzten Bäume. Der Abtransport erfolgt per Dieselzug.



Von Christoph Blassnig

Assling – Die Unwettertage im November haben in Osttirol nachhaltige Spuren hinterlassen. Auch die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) sind massiv betroffen. „Ich bin verantwortlich für die Strecke und 35 Jahre bei der Bahn. So etwas habe ich noch nicht gesehen“, verdeutlicht Heinz Gatterer vom Anlagen Service Center (ASC) der ÖBB in Spittal das Ausmaß der Schäden. Gatterer saß auch im Hubschrauber, als nach den Unwettern erste Erkundungsflüge in das Pustertal unternommen wurden. Am 13. November wurde gesperrt, noch bis Ende Jänner soll die Bahnstrecke zwischen Lienz und Innichen unterbrochen sein. „Wir arbeiten mit Hochdruck an der Wiederherstellung, aber wir brauchen Zeit für die Aufräumarbeiten“, erklärte Siegfried Moser bei einem Lokalaugenschein mit Medienvertretern gestern im Bereich Margarethenbrücke. Moser ist Regionalleiter der ÖBB-Infrastruktur. „Der Gleiskörper ist zwar nicht betroffen, doch die Schäden an den elektrischen Anlagen sind massiv.“

Auf einer Länge von insgesamt 1,5 Kilometern haben durch den Nassschnee umgestürzte Bäume abschnittsweise die Fahrleitung zerstört. Parallel dazu läuft auf den Masten eine so genannte Spitzenleitung, die eine Stromversorgung unabhängig von der Fahrleitung gewährleistet. „Hier müssen wir insgesamt sechs Kilometer völlig neu errichten“, erläuterte Moser. Mit dem Wiederaufbau kann erst begonnen werden, wenn die Strecke freigeräumt ist. Außerdem waren zu wenig Ausleger vorrätig, die an den Masten befestigt werden und die Fahrleitung tragen. „Die Produktion ist bereits angelaufen“, berichtet der Regionalleiter.

Inzwischen konnte zumindest die Anschlussbahn für den Holzverarbeitungsbetrieb Theurl in Betrieb genommen werden. Zweimal am Tag pendeln dazu Diesellokomotiven zwischen Lienz und Thal, um den Abtransport der Waren zu ermöglichen. Ab 12. Dezember hoffen die ÖBB, auch die Strecke nach Sillian einmal pro Tag mit Diesellokomotiven bedienen zu können. Bevor die Stromleitungen nicht wieder vollständig hergestellt sind, bleibt die Strecke bis auf den Notbetrieb für Gütertransporte gesperrt. „Mit der Spitzenleitung ist unsere Zuleitung bis zur Staatsgrenze unterbrochen“, erklärt Moser, warum auch zwischen Strassen und Innichen kein Bahnbetrieb möglich ist, obwohl es dort keine Schäden gibt.

Die Verantwortlichen der ÖBB hoffen ab 12. Dezember auf einen Notbetrieb für Güter zwischen Lienz und Sillian.
Die Verantwortlichen der ÖBB hoffen ab 12. Dezember auf einen Notbetrieb für Güter zwischen Lienz und Sillian.
- Christoph Blassnig

Erst am 7. Jänner werden 25 Monteure mit der Elektrifizierung beginnen können. Bis dahin laufen die Räumarbeiten. Allein im unmittelbaren Streckenbereich schätzt Herbert Fleißner die Menge an Schadholz, das seine Fachleute derzeit aufarbeiten und abtransportieren müssen, auf 1000 Festmeter – das entspricht der Kapazität von etwa 40 LKW-Zügen.

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