Letztes Update am Sa, 03.05.2014 07:13

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Katastrophen

Inn braucht neue Freiräume

Gewerbe- und Siedlungsgebiet in Zams ist bei „100-jährigem“ Hochwasser gefährdet. Die Gemeinde plant Baumaßnahmen zum Hochwasserschutz, aber auch Retentionsflächen.



Von Helmut Wenzel

Zams – Nicht nur Feuerwehrmänner, auch die Bewohner von Zams haben die Bilder vom Hochwasser am 22. und 23. August 2005 bestens in Erinnerung. Der reißende Inn setzte das Sportplatzgelände sowie einige Wiesen des Klosters unter Wasser, flutete Keller von Wohnhäusern und Gewerbegebäuden. Mit den Schäden kam Zams im Gegensatz zum Paznaun, Pfunds und zum Raum Wörgl noch glimpflich davon.

Vor diesem Hintergrund hatte der Zammer Gemeinderat ein Expertenteam mit einer Studie zu den Abflussberechnungen beauftragt, die in der jüngsten Gemeinderatssitzung vorgestellt worden ist. Drei Szenarien wurden ausgearbeitet – für ein 30-jähriges, 100-jähriges und 300-jähriges Hochwasser.

„Das Hochwasser von 2005 ist als starkes 100-jähriges Ereignis eingestuft worden“, weiß Bürgermeister Siggi Geiger. „Der Gemeinderat wird auf Grund der Studie über ein bauliches Maßnahmenpaket beraten, das in den kommenden zwei bis drei Jahren umgesetzt werden muss.“ Behördlicher Partner ist dabei der Fachbereich Wasserwirtschaft und Schutzwasserwirtschaft des Landes bzw. das Baubezirksamt Imst mit Abteilungsleiter Reinhard Böss, der bei der Präsentation anwesend war.

Schon jetzt sind einige Flächen im Nahbereich des Inn, auch im Bauland bzw. Siedlungsgebiet, als gelbe Gefahrenzonen bei Hochwasser ausgewiesen. „Wir sind gefordert, einige Schutzbauten und Dämme zu errichten“, erklärte Geiger, „Details sind aber noch nicht ausgearbeitet.“ Andererseits müsse die Gemeinde entsprechende Ausgleichsflächen bzw. Retentionsräume ausweisen, damit sich die Wassermassen ausdehnen können und damit die so genannten Unterlieger nicht benachteiligt werden. Mit „Unterliegern“ sind hochwassergefährdete Gemeinden am Inn unterhalb von Zams gemeint. Schutzbauten werden laut Geiger vor allem östlich und westlich der Walter-Fraidl-Brücke nötig sein.

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Im Bereich der „Silberlawine“, die im Winter als rote Zone ausgewiesen ist, soll eine fünf Hektar große Retentionsfläche eingerichtet werden, wo das Wasser versickern kann. Zudem soll sich der Inn im Bedarfsfall auf einer 14 Hektar großen Fläche östlich von Zams – im Patscheid – ausbreiten können.

Wenige Kilometer innabwärts – im Landschaftsschutzgebiet Milser Au – sind im Rahmen des Projekts „Ökologischer Hochwasserschutz Inn“ bereits drei Retentionsflächen ausgewiesen bzw. eingerichtet worden. Diese sollen nicht nur dem Schutz von Siedlungsraum sowie Infrastruktureinrichtungen dienen. „Langfris­tig soll hier auch der Auwald ökologisch aufgewertet werden“, erläuterte Ernst Fleischhacker, Geschäftsführer des Dienstleisters „Wasser Tirol“.