Letztes Update am Mo, 29.12.2014 09:45

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Flug QZ8501

AirAsia-Maschine „wohl auf dem Meeresgrund“: 162 Tote befürchtet

Nach dem vermuteten Flugzeugunglück über der Javasee zwischen den Inseln Sumatra und Borneo gibt es kaum noch Hoffnung auf Überlebende. Im Suchgebiet wurde nun eine Ölspur entdeckt, die von dem Airbus stammen könnte.

Geschockte Angehörige am Flughafen von Surabaya in Indonesien.

© REUTERSGeschockte Angehörige am Flughafen von Surabaya in Indonesien.



Jakarta/Singapur - Bei der Suche nach dem verschwundenen AirAsia-Flugzeug ist im Meer vor Indonesien eine Ölspur gesichtet worden. „Wir prüfen, ob es sich um Flugbenzin handelt“, sagte ein Sprecher der Luftwaffe am Montag. Die Ölspur befindet sich in dem Suchgebiet, wo die Maschine nach bisherigen Annahmen am Sonntag abgestürzt ist, etwa 100 Seemeilen vor der Insel Belitung. Zudem hat ein australisches Flugzeug in der Region ein Signal aufgefangen. An der Stelle wude jedoch nichts gefunden.

Suchmannschaften waren am Montag bei Tagesanbruch erneut mit Flugzeugen, Hubschraubern und Schiffen im Einsatz, um den Airbus A320 zu finden. „Wir gehen davon aus, dass die Maschine auf dem Meeresboden liegt“, sagte der Chef der Such- und Rettungsbehörde, Bambang Sulistyo.

„Wenn das stimmt, wird es schwierig sein, sie zu lokalisieren, weil unsere Ausrüstung dafür nicht ausreicht“, fügte er hinzu. Flugzeuge sind mit Datenschreibern ausgestattet, die mindestens 30 Tage lang automatische Funksignale aussenden, auch aus Meerestiefen von mehr als 4000 Metern. An Bord der Maschine waren 162 Menschen. Sie war Sonntag früh verschwunden, kurz nachdem der Pilot eine Gewitterfront gemeldet und um Erlaubnis für eine Kursänderung gebeten hatte, um das Gebiet zu umfliegen.

Das Suchgebiet in der Javasee um Indonesien umfasst fast 13.000 Quadratkilometer.
Das Suchgebiet in der Javasee um Indonesien umfasst fast 13.000 Quadratkilometer.
- REUTERS

Indonesien verfüge nicht über die notwendigen Geräte, um ein Wrack im Meer zu finden und zu bergen, doch werde die Regierung andere Länder um Unterstützung bitten. Es gebe bereits Angebote Großbritanniens, Frankreichs und der USA, sagte Soelistyo. Der Airbus A320-200 war am Sonntag auf dem Weg von Surabaya im Osten der indonesischen Insel Java nach Singapur von den Radarschirmen verschwunden.

Heftige Gewitterstürme zur Unglückszeit

Es wird befürchtet, dass das Flugzeug der malaysischen Billigfluglinie AirAsia ins Meer gestürzt ist. Als der Funkkontakt abbrach, gab es heftige Gewitterstürme in der Region. Die über Nacht unterbrochene Suchaktion wurde am Montagmorgen unter Beteiligung von Flugzeugen aus Indonesien, Malaysia, Singapur und Australien fortgesetzt.

Die Suche konzentrierte sich auf eine Region zwischen den Inseln Sumatra und Borneo, nahe den Inseln Bangka und Belitung. Singapur und Malaysia unterstützten die Indonesier. Auch Südkorea wollte sich beteiligen. An Bord waren überwiegend Indonesier, aber auch drei Südkoreaner.

Angehörige harren am Flughafen Surabaya aus

„Wir suchen auch an Land“, sagte der Chef der Zivilluftfahrt-Behörde, Djoko Murjatmojo. „Wir können nicht ausschließen, dass die Maschine in Westkalimantan (auf Borneo) oder auf Bangka oder Belitung abgestürzt ist.“ Das Suchgebiet umfasst fast 13.000 Quadratkilometer.

Der Flug von Surabaya nach Singapur hätte nur zwei Stunden und 20 Minuten dauern sollen. Die Strecke führt größtenteils über Wasser.
Der Flug von Surabaya nach Singapur hätte nur zwei Stunden und 20 Minuten dauern sollen. Die Strecke führt größtenteils über Wasser.
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Flug QZ8501 war am Sonntag in Surabaya in Indonesien gestartet und sollte gut knapp drei Stunden später in Singapur landen. Dutzende Angehörige harrten an den beiden Flughäfen am Montag den zweiten Tag aus und warteten auf Nachrichten. AirAsia-Gründer Tony Fernandes war nach Surabaya geflogen, um die Angehörigen dort persönlich zu unterrichten. Die Billigfluggesellschaft hat seit dem kommerziellen Start 2001 keine nennenswerten technischen Probleme gehabt.

Die Strecke von Surabaya nach Singapur führt fast ausschließlich über Meer, die Javasee. Der Funkkontakt brach nach etwa zwei Stunden ab, als die Maschine etwa auf Höhe von Belitung war. Nach bisherigen Angaben setzte der Pilot keinen Notruf ab.

Größte Billig-Fluglinie Asiens

Die Maschine gehört „Indonesia AirAsia“, die zu 49 Prozent der Muttergesellschaft AirAsia aus Malaysia gehört. AirAsia ist eine der größten Billigfluglinien der Welt.

Infolge des Unglücks sackte der Aktienkurs von AirAsia am Montag deutlich ab. Zur Eröffnung der Börse in Kuala Lumpur brach der Börsenwert der malaysischen Billigfluglinie um zwölf Prozent ein, erholte sich später etwas, lag jedoch immer noch gut sieben Prozent im Minus.

Die Fluggesellschaft war 2001 von dem malaysischen Unternehmer Tony Fernandes übernommen und auf einen aggressiven Wachstumskurs geführt worden. Inzwischen ist sie die größte Billigfluglinie in Südostasien. Ihr größter malaysischer Konkurrent, Malaysia Airlines, ist nach zwei Flugzeugunglücken dieses Jahr stark angeschlagen.(APA/dpa/Reuters/AFP)


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