Letztes Update am Di, 30.07.2019 15:45

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kurioses

Englische Diözese will Jahrmarktrutsche in Kathedrale stellen

Die spiralförmig-bunte „Helter Skelter“ soll Besuchern Chance bieten, den Kirchenraum auf völlig neue Art zu erleben.

In der anglikanischen Kathedrale von Norwich soll im August eine 15 Meter hohe Jahrmarktrutsche aufgestellt werden.

© WikiMedia/Magnus ManskeIn der anglikanischen Kathedrale von Norwich soll im August eine 15 Meter hohe Jahrmarktrutsche aufgestellt werden.



London — In der anglikanischen Kathedrale von Norwich wird im August eine 15 Meter hohe Jahrmarktrutsche aufgestellt. Das spiralförmig-bunte „Helter Skelter" solle den Besuchern die Chance bieten, den Kirchenraum auf völlig neue Art zu erleben und Gespräche über den Glauben anregen, schreibt die anglikanische Gemeinde laut Bericht der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) auf ihrer Website.

Die Verantwortlichen erhofften sich davon auch eine Trendwende bei den sinkenden Besucherzahlen. Die Jahrmarktattraktion soll ab 8. August im Langhaus der zwischen 1096 und 1145 erbauten Kathedrale der ostenglischen Universitätsstadt geöffnet sein. Eine Rutschpartie kostet zwei Pfund (2,20 Euro). Die Aktion ist Teil der Initiative „Seeing it differently" der Gemeinde, die Besucher auch dazu anregt, sich auf Yoga-Matten zu legen und zum Deckengewölbe der romanischen Kirche zu blicken. Außer dem Nervenkitzel erwarte die Nutzer der Rutsche eine „Entdeckungsreise" und einzigartige Aussicht in den Kirchenraum.

Aus „neuer Perspektive" betrachten

Mit Blick auf aktuelle Entwicklungen in Politik und Kirche könne das „Sommerabenteuer von Norwich Cathedral" nicht passender sein, sagte Pfarrer Andy Bryant, wie auch Kathpress berichtete. „Wir alle müssen die Dinge aus einer neuen Perspektive betrachten, wenn wir uns gegenseitig erreichen und die Spaltungen heilen wollen, die unser Land und leider auch unsere Kirche bedrohen."

Bryant zeigte Verständnis, dass manche „leicht schockiert" von der Vorstellung einer riesigen Rutsche im Kirchenschiff seien. „Die Mauern dieses großartigen Gebäudes haben in den vergangenen 900 Jahren viele Dinge gesehen, und ich vermute, dass sie auch dies verkraften werden."

"Goldfische im Taufbecken"

Kritiker der Aktion verweisen dagegen auf die sinkende Zahl der Gemeinden im ganzen Land. Wenn nun eine Kathedrale eine Rutsche aufstellen wolle, um die Besucherzahlen anzukurbeln, könne das als Ironie verstanden werden, hieß es. Bürger in Norwich zeigten sich lautder Daily Mail irritiert. Eine Frau sprach von einem "verfrühten Aprilscherz". Ein anderer Anwohner sah eine "Verdunkelung des Glaubens" durch die Aktion. "Was kommt als Nächstes? Goldfische im Taufbecken, damit Kinder sie füttern können?"(APA)