Letztes Update am Sa, 10.08.2019 13:16

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kurioses

„Mordversuch“: Erdogan verklagt deutschen Boxer, der Pappfigur umhaute

Der türkische Staatspräsident Erdogan zeigt den deutsch-türkischen Boxer Ünsal Arik an, es wird Anklage wegen Mordversuchs erhoben. Der Grund: Der Sportler haut in einem Video eine Erdogan-Pappfigur um. Dafür sollen ihm bis zu 15 Jahre Haft drohen.

Profboxer Ünsal Arik berührt die Pappfigur nur mit dem Zeigefinger – für Erdogan ein Mordversuch.

© YouTube/ScreenshotProfboxer Ünsal Arik berührt die Pappfigur nur mit dem Zeigefinger – für Erdogan ein Mordversuch.



Berlin – Dem deutsch-türkischen Box-Europameister Ünsal Arik wird in der Türkei ein Mordversuch vorgeworfen – dabei geht es um ein zwei Jahre altes Musikvideo. Wie die Bild-Zeitung unter Berufung auf die Anklageschrift berichtet, ist der Kläger Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan.

Der 38-Jährige ist entschiedener Gegner von Erdogan. In dem Video zum Song „Ben seni yok edecegim“ („Ich werde dich zerstören“) „stößt“ Arik eine Erdogan-Pappfigur um – mit dem Zeigefinger. Dafür soll ihm nun dem Bericht zufolge eine Gefängnisstrafe von 15 Jahren drohen.

Die besagte Szene sehen Sie hier im Video ab Minute 3:05.

Arik sagte der Bild: „Die Vorwürfe sind absurd, aber ich habe mich inzwischen daran gewöhnt. Es ist klar, dass ich nicht in die Türkei reisen kann, weil mir Gefängnis droht.“

„Die Regierung will ihn mundtot machen“

Er ist sich sicher: „Das türkische Regime will mich nur für meine öffentliche Kritik an Erdogan bestrafen. Eigentlich will ich mich den Vorwürfen stellen, doch meine Anwältin rät mir davon ab.“

Ariks Anwältin Nilgün Altindag sieht nur politische Motive für die Anklage: „Allein schon, dass tatsächlich wegen einem Musiklied Anklage erhoben wird, zeigt doch, wie groß die Furcht der türkischen Jusitz vor Ünsal ist“, so Altindag gegenüber Bild. „Er hat viele Fans, auch in der Türkei. Die Regierung will ihn einschüchtern, am liebsten mundtot machen.“

Nicht die erste Klage

Arik hatte in der Vergangenheit immer wieder mit deutlicher Kritik am türkischen Präsidenten für Aufsehen gesorgt. So hatte ihn Erdogan bereits im April wegen eines Instagram-Postings verklagt. Der Grund: Arik hatte unter einem Bild die Worte „Fuck PKK! Fuck Erdogan!“ gepostet. Nach einem Kampf in der türkischen Stadt Tekirdag hatte der Boxer außerdem mit einem T-Shirt posiert, auf dem stand: „Das Land gehört Atatürk, nicht Tayyip.“ In der Türkei hatte Arik damit einen Skandal ausgelöst. (TT.com, tst)