Letztes Update am Mo, 26.08.2019 11:27

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Keyless-Systeme

Autodiebe mit Rekordzeit: Tesla in 30 Sekunden geknackt

In London wurde ein Tesla S mittwochnachts von zwei Dieben durch die Manipulation des Schlüsselsignals geknackt. Das Keyless-System kann bei vielen Autos einfach überlistet werden.

Die zwei Diebe brauchten mit ihrem selbstgebauten Gerät nur rund 30 Sekunden für den Diebstahl.

© Screenshot/YouTube/NewsflareDie zwei Diebe brauchten mit ihrem selbstgebauten Gerät nur rund 30 Sekunden für den Diebstahl.



London – Mittwochnachts wurde in Großbritannien ein Tesla S in 30 Sekunden durch das Keyless-System geknackt, berichtete die Plattform futurezone. Autobesitzer müssen sich damit nur in der Nähe ihres Wagens befinden, um die Türen zu entriegeln. Einer der Diebe näherte sich der Eingangstür und hielt dabei ein Gerät in die Höhe mit dem er das Signal des Schlüssels, der im Haus lag, abfing und erweiterte. Das Auto „dachte“ somit, dass der Schlüssel in der Nähe war und öffnete die Tür. Der Komplize musste dann nur noch einsteigen und das Auto starten.

Das Problem der Sicherheitslücke bei den Keyless-System sei nicht neu, wie das britische Automagazin What-Car? Anfang August berichtete. Zahlreiche Autos mit Keyless-Systems ließen sich problemlos knacken.

Die Firma Tesla hat auf die Vorfälle bereits reagiert indem sie die sogenannte „PIN-to Drive-Funktion“ eingeführt hat. Nun muss nach dem Einsteigen in das Auto noch zusätzlich ein Zahlencode auf dem Touchscreen eingegeben werden, damit man losfahren kann. Der gestohlene Tesla hatte diese Funktion anscheinend nicht aktiviert.

Ultra-Wideband-Funk als Lösung

Indessen soll eine neue Funktechnologie das Diebstahl-Problem bei kontaktlosen Schlüsselsystemen lösen. Der Chipkonzern NXP und Volkswagen haben dafür ein Konzeptfahrzeug vorgestellt, bei dem zum Entsperren der sogenannte Ultra-Wideband-Funk zu Einsatz kommt. Heutige Angriffsszenarien wie das Verstärken des Signals vom Funkschlüssel sollen damit schlichtweg nicht funktionieren. Die Ultra-Wideband-Technologie soll mit der Zeit auch zusätzliche Funktionen rund ums Auto ermöglichen, die auf präziser Positionserkennung basieren: Der Kofferraum könnte sich automatisch öffnen, wenn man davor steht – oder das Auto könnte eine Babyschale auf dem Beifahrersitz erkennen und dort den Airbag abschalten.

Bei der Technik wird die Entfernung zwischen dem Sender in einem Schlüssel oder Smartphone und einer Antenne über die Zeit errechnet, in der das Signal die Entfernung zwischen ihnen zurücklegt. Mit Hilfe mehrerer Antennen könne man bis auf wenige Zentimeter genau die Position des Senders bestimmen, sagte NXP-Technikchef Lars Reger. Auch Manipulationen von außen sollen damit unmöglich gemacht werden.

Die Pläne für die Technologie gehen weit über das Auto hinaus, unter anderem in Richtung vernetztes Zuhause: Zu einem Konsortium rund um Ultra-Wideband gehören auch Bosch, der Elektronik-Riese Samsung und der Schloss-Spezialist Assa Abloy. Er rechne damit, dass es in den kommenden eineinhalb Jahren einen Schub beim Einsatz des Ultra-Wideband-Funks geben werde, sagte Reger.

„Für uns steht zunächst der Diebstahlschutz im Fokus“, sagte VW-Manager Maik Rohde. Volkswagen will in diesem Jahr zwei Modelle mit Ultra-Wideband-Funk an Bord vorstellen. Zusätzliche Funktionen sollen später umgesetzt werden. (APA/TT.com)