Letztes Update am Mo, 07.10.2019 14:18

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


LGBTIQ

Russe verklagt Apple: „iPhone hat mich schwul gemacht“

Ein Mann aus Russland behauptet, dass eine Nachricht in einer iPhone-App ihn in die Homosexualität gedrängt habe. Er verklagt Apple auf rund 14.000 Euro.

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© Reuters/Stephen LamSymbolbild.



Innsbruck — Klingt kurios, ist aber ernst gemeint: Ein Russe behauptet, dass sein iPhone bzw. eine App darauf ihn schwul „gemacht" hat. Der Mann ist so erbost darüber, dass er nun in einer Beziehung mit einem anderen Mann „gefangen" ist, dass er Apple verklagt. Die erste Anhörung ist laut Moscow Times schon am 17. Oktober.

Wie kam es dazu? Besagter Russe erhielt in der (nicht näher benannten) App auf seinem iPhone „69 GayCoins" als Kryptowährung und dazu die Botschaft „Urteile nicht, bevor du es ausprobiert hast." Das nahm der Mann dann angeblich für bare Münze — er probierte eine gleichgeschlechtliche Beziehung aus. Zwei Monate sind seither vergangen.

„Jetzt bin ich in der Intimität mit einem Menschen meines Geschlechts gefangen und komme nicht mehr raus", so der Kläger laut Moscow Times. „Ich habe jetzt einen festen Freund und weiß nicht, wie ich das meinen Eltern erklären soll. Nach der Nachricht [auf dem iPhone] hat sich mein Leben für immer zum Schlechteren gewandt und wird nie wieder normal sein", so der Russe.

Psyche geschädigt, moralisches Leiden

Der Mann will nun 15.300 Dollar (gut 14.000 Euro) Schadenersatz von Apple, weil der iPhone-Hersteller ihn manipuliert und in die Homosexualität gedrängt haben soll - immerhin kontrolliere Apple, welche Apps heruntergeladen werden können. Dadurch wurde angeblich seine Psyche geschädigt, außerdem leide er moralisch. Am 17. Oktober soll die erste Anhörung stattfinden. Was Apple zu dem Fall sagt, ist bisher unbekannt.

Dass man sich Homosexualität nicht aussucht oder sich dafür entscheidet, dürfte an dem Mann vorübergegangen sein. Bei der Gesetzeslage in Russland ist das aber nicht verwunderlich. In Russland stehen positive Äußerungen über Homosexuelle in Anwesenheit von Kindern sogar unter Strafe. Gegen dieses von Präsident Wladimir Putin unterzeichnete Gesetz gegen „Homo-Propaganda" gibt es seit langem internationalen Protest. Viele Schwule und Lesben haben aus Angst um ihr Leben Zuflucht im Westen gesucht. (TT.com/reh)