Letztes Update am Mo, 16.09.2013 07:41

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kurioses

Rekordversuch am Ködnitzkees glückte

Nach monatelangen Vorbereitungen wurde das Projekt „Üb-erleben“ zum Erfolg. 193 Einzelpersonen zählte die längste Seilschaft der Welt auf 3100 Metern Seehöhe. Der Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde winkt.



Von Christoph Blassnig

Kals a. Gr. – Nach einer klaren Nacht verspricht ein prächtiger Samstagmorgen beim Lucknerhaus auf 1920 Metern Seehöhe ein unvergessliches Bergerlebnis. Ein Shuttlebus bringt Bergbegeisterte ins Ködnitztal. Im Hintergrund thront tiefblau umrahmt der Großglockner. Über die Lucknerhütte führt der Aufstieg bis zur Stüdlhütte auf 2801 Metern Höhe, dem Treffpunkt aller Weltrekordteilnehmer.

Es handelt sich um das einzigartige Projekt „Üb-erleben“, das erstmalig alle alpinkompetenten Stellen gemeinsam veranstalten, erläutert Peter Ladstätter: „Bergrettung, Bergführer, Alpin-Kompetenz-Zentrum, Alpinpolizei, Alpenraute und die Alpenverein-Ortsstellen Osttirols präsentieren Standards zum sicheren Verhalten im Gelände. Die Kenntnis wichtiger Grundregeln sollte Voraussetzung für jeden sein, der sich im freien Naturraum bewegt. Nicht nur die Sicherheit der eigenen Person und Gruppe, auch jene eventuell benötigter Helfer in Notsituationen steht schnell auf dem Spiel: Risiken erkennen, die eigene Leistungsfähigkeit nicht überbewerten, Rücksicht vor dem Nächsten walten lassen, rettet Leben.“

Noch bevor die Ersten in Kleingruppen die Stüdlhütte erreichen, zerreißen weiße Wolken den Bilderbuchhimmel. Langsam kriecht Nebel über die Hänge. Der schneebedeckte Pfad verschwimmt mit der Umgebung, böiger Wind kommt auf. „Am Meer sollte man schwimmen können, und am Berg geländegängig sein“, verlangt Bergrettungs-Notarzt Peter Kraler, während er die letzten Kehren zur Stüdlhütte nimmt.

Gegen Mittag sind alle Teilnehmer oben angekommen. Die Witterungsverhältnisse verschlechtern sich weiter, es beginnt zu nieseln. Die Verantwortlichen erkunden die Bedingungen am Ködnitzkees, eine Verlegung der Seilschaft in die Nähe der Hütte wird diskutiert. Dann die Entscheidung: Der Weltrekordversuch findet wie geplant statt. „Wir zeigen euch vorher noch an fünf Stationen auf der Terrasse, was die wichtigsten Voraussetzungen für ein erfolgreiches Bergerlebnis sind: Tourenplanung, Ausrüstung, Seil-Sicherungstechnik, persönliche Grundlagen und Notfallmanagement.“

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Während diese Standards vorgestellt werden, kontrollieren Bergführer, ob jeder Teilnehmer Gurt und Karabiner trägt. Die Botschaft lautet: „Nie unangeseilt auf einem Gletscher unterwegs sein!“

Dann setzt sich die Menge in Bewegung. Eine Menschenkette schlängelt sich Richtung Ködnitzkees. Auf halber Strecke hängen Bergführer die einzelnen Personen nacheinander in ein langes Seil, ein Notar zählt die Verbundenen.

Bis in eine Höhe von 3100 Metern steigt die Rekordseilschaft weiter auf. Dort wird sie Teil einer Performance von Aktionskünstler Dieter Remler. Sie formt zwei Ringe, von der Endlosschleife eines Abseilachters inspiriert. Eine Gedenkminute erinnert an alle Bergopfer.

600 Meter lang war die Seilschaft. „Der Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde steht bevor. Die längste Seilschaft der Welt, bestehend aus 193 Personen, auf dem Gletscher des höchsten Berges Österreichs – es gab bisher nichts Vergleichbares!“, freut sich Remler. „Wir sind mehr als nur zufrieden mit diesem Ergebnis. Und es beweist, dass eine Seilschaft von fast zweihundert Leuten, mit Kindern und weniger Erfahrenen, auch unter widrigsten Bedingungen sicher am Berg unterwegs sein kann, wenn Disziplin und gegenseitiges Vertrauen, Ausrüstung und Können die Verbindung sind.“