Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 03.08.2015


Leute

Til Schweiger plant Asylheim

Til Schweiger möchte eine Kaserne in ein Vorzeige-Flüchtlingsheim umbauen.

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© APA/EPA/JENS KALAENE



Osterode – Auf Til Schweigers Facebook-Seite geht es seit Tagen rund. Der deutsche Schauspieler und Regisseur ist auch nicht gerad­e schreibfaul und postet, was das Zeug hält. Das bestimmende Them­a: der Umgang der Deutschen mit Flüchtlingen. Schweigers Herzensthema, wie es scheint.

Der Leinwandstar hat nämlich nicht nur Wortspenden übrig, sondern will sich auch tatkräftig engagieren. Der Bild am Sonntag sagte er: „Ich werde mit Freunden zusammen ein Flüchtlingsheim aufbauen.“ Die Freunde haben demnach Anfang 2014 die ehemalige Rommel-Kaserne in Osterode (Niedersachsen) gekauft, die sie in ein „Vorzeige-Flüchtlingsheim“ umwandeln wollen. Doch damit nicht genug der Wohltätigkeit. „Und ich werde eine Stiftung für traumatisierte Kinder gründen“, verkündete Schweiger über die Zeitung. In dem Heim solle es Freizeitangebote für Kinder, eine Sportanlage, Werkstätten und eine Näherei geben, damit die Neuankömmlinge dort arbeiten könnten. Die Verträge seien seit Donnerstag unterschrieben.

Dem widersprach jedoch der Innenministeriums-Sprecher von Niedersachen, Philipp Wedelich: „Das ist noch nicht eingetütet. Wir freuen uns, dass sich auch Herr Schweiger dort engagieren möcht­e.“ Die Verträge mit dem privaten Betreiber „Princess of Finken­werder“ seien aber noch nicht unter Dach und Fach. In Osterode hat sich unterdessen eine Bürgerinitiative zusammengefunden, die „Princess of Finkenwerder“ extrem skeptisch gegenübersteht und sich Sorgen wegen der Unterbringungsqualität macht.

Schweiger hat offenbar keine Zweifel, daran dass er das Richtig­e tut: „Ich habe früher immer mit meiner Rolle als Schauspieler gehadert: Ich mache ja nur Faxen vor der Kamera und kriege dafür auch noch Geld. Jeder Polizist, jeder Soldat, jed­e Krankenschwester leistet mehr für die Gesellschaft“, sagte er.

Als Regisseur habe er das Gefühl gewonnen, etwas Relevantes geschaffen zu haben. „Jetzt schaffe ich etwas viel Relevanteres“, ist er überzeugt. Flüchtlinge hätten das Schlimmste erlebt, sagte er vor Kurzem dem Magazin Stern. Von den Deutschen wünsche er sich mehr Mitgefühl. (dpa)