Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 26.03.2016


Leute

Träume eines Tausendsassas

Schauspieler Brad Pitt und die Queen tragen seine Sonnenbrillen, doch geschmeichelt fühlt sich Gerhard Fuchs deshalb nicht. Der Erfinder aus Kauns hat größere Ziele.

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© Thomas Boehm / TT



Von Miriam Hotter

Kauns – Der Weg ins Wohnzimmer von Gerhard Fuchs führt an einem Bücherregal vorbei: „Erfolgsfaktor Kopf“ und „Lebe deine wirkliche Berufung“ ist da zu lesen. Titel, welche die Einstellung des 49-Jährigen zum Leben beschreiben. Schon als Fünfjähriger sagte er zu seiner Mutter: „Ich will Erfinder werden.“ Der Griff nach den Sternen ist ihm geglückt.

1981 fing der gebürtige Paschinger (OÖ) eine Werkzeugmacherlehre beim Linzer Brillenhersteller Silhouette International an. „Eines Tages habe ich eine Brille auf Schmirgelpapier gezeichnet. Der Techniker hat sich das Design angeschaut und dem Eigentümer von Silhouette gezeigt“, erinnert sich Fuchs.

Und so kam es, wie es kommen musste: Sein Arbeitgeber war begeistert und bezahlte Fuchs weitere Ausbildungen. Eine Investition, die sich gelohnt hat. Brad Pitt und die Queen höchstpersönlich haben sich nämlich eine Sonnen- bzw. eine optische Brille des Wahl-Tirolers zugelegt. Eine große Ehre. Oder etwa doch nicht? „Ich freue mich über alle Menschen, denen meine Brillen gefallen. Egal ob berühmt oder nicht.“

Geld zu machen sei ohnehin nicht das primäre Ziel, das Fuchs verfolgt. Erfinden, das habe mit Erfüllung zu tun. „Ich kann einfach nicht anders“, erklärt Fuchs. Sein Erfindergeist „quält“ ihn auch bei Nacht. „Manchmal stehe ich um halb vier Uhr Früh auf, weil ich eine Idee zu Papier bringen möchte“, erzählt er. Ideen hat der Familienvater genug, wie man in seinem Büro sehen kann. Unzählige Skizzen liegen auf seinem Schreibtisch, um was es sich genau handelt, kann man nur schwer erkennen. „Das hier“, sagt Fuchs und nimmt ein Blatt Papier, „soll ein Luftschiff sein, das wie ein Kraftwerk funktioniert. Mit Hilfe von Wind und Wasser kann Energie erzeugt werden“, erklärt Fuchs mit leuchtenden Augen, als könne er spüren, dass er mit dieser Idee kurz vor dem Durchbruch steht.

Doch noch ist die Umsetzung Zukunftsmusik. „So wie ich mir das vorstelle, kann man das noch nicht bauen. Die Betonung liegt auf noch nicht“, sagt Fuchs und legt das Blatt Papier wieder zurück auf den Schreibtisch.

Inspiration holt sich der Tüftler überall auf der Welt. Egal, ob er im Wald spazieren geht oder sich die Architektur einer Stadt anschaut – die Muse liegt quasi auf der Straße. „Auch die Form einer Schneeflocke kann mich inspirieren.“

Um Schnee in seiner flüssigen Form geht es bei Fuchs’ neuester Erfindung. „Ich trinke sehr gerne Wasser mit Geschmack. Aber in fast allem, was auf dem Markt erhältlich ist, steckt viel Zucker drin.“ Deshalb hat sich der Tausendsassa überlegt, wie er Wasser auf gesunde Art und Weise mehr Pep verleihen kann. Und weil der Kaunser ein echter „Fuchs“ ist, hatte er bald eine Idee.

Nuapua heißt sein jüngster Clou. Was nach einer hawaii- anischen Insel klingt, ist eine Trinkflasche mit Geschmackskapseln, die wie bunte Tintenpatronen aussehen. „Die Kapseln schraubt man in den Verschluss. Beim Trinken werden sie dann aktiviert. Die Kapseln enthalten 100 Prozent natürliche Aromen und Extrakte“, verspricht Fuchs und steckt eine Lemongrass-Gurken-Kapsel in den Deckel der Trinkflasche. Eine Kostprobe verrät: intensiv, erfrischend. Doch ob Gurkenwasser wirklich jedermanns Sache ist? „Wahrscheinlich nicht. Deshalb gibt es sechs Geschmacksrichtungen.“

Acht Jahre hat es gedauert, bis Fuchs und sein Team mit der g’schmackigen Idee Oberwasser gewonnen haben. „Wir sind alle Spinner, sonst macht man so etwas nicht“, lacht er. Das sind wohl alle erfolgreichen Erfinder irgendwie. Denn auch Daniel Düsentrieb, Disneys Tüftler aus Entenhausen, hat einmal gesagt: „Zwischen Wahnsinn und Verstand ist oft nur eine dünne Wand.“