Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 12.06.2016


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Revolverheld kommt unter die Haube

Vor ihrem großen Tirol-Konzert am 1. Juli zeigt sich Revolverheld Kristoffer Hünecke im TT-Gespräch samtweich. Heuer will er seine Freundin heiraten.

Die Revolverhelden Kristoffer Hünecke, Niels Grötsch, Johannes Strate und Jakob Sinn (v.?l.) freuen sich auf ihr derzeit einziges Österreichkonzert in Kufstein.

© Tim KramerDie Revolverhelden Kristoffer Hünecke, Niels Grötsch, Johannes Strate und Jakob Sinn (v.?l.) freuen sich auf ihr derzeit einziges Österreichkonzert in Kufstein.



Von Angela Dähling

Kufstein – Kristoffer Hünecke ist zwar ein selbst ernannter Revolverheld, aber von Schnellschüssen hält er gar nichts. Der Gitarrist und Backgroundsänger der gleichnamigen Band hat gut überlegt. Aber jetzt steht fest: „Ja, meine Freundin und ich werden bald heiraten“, verrät der sympathische Hamburger schmunzelnd im exklusiven Interview der Tiroler Tageszeitung.

Wann genau er heuer vor den Traualtar schreitet, will er vorerst nicht preisgeben. Fans sind bei Revolverheld willkommen – auf ihren (meist ausverkauften) Konzerten jedenfalls. Die Hochzeit mit der Hamburger Café-Besitzerin Stefanie Margarethe Herbst, die seit mehr als 14 Jahren an seiner Seite ist, möchte der 38-Jährige dann doch lieber ganz privat feiern. Sie sei sein Ruhepol, sagt er. „Es ist schön, wenn man nach einer langen Tour nach Hause kommt und da ist jemand, der einen nicht wegen des Berufs, sondern wegen anderer Dinge liebt und ganz genau kennt“, schwärmt Hünecke von seiner zukünftigen Frau, von der er sich verstanden fühle und mit der er über die Jahre ein schönes privates Leben abseits von Diskussionen über Musikbusiness und Geld aufgebaut hat. Konfliktpotenzial gebe es kaum. „Wir lassen uns gewähren. Wir sind sehr ausgefüllt mit dem, was wir beruflich machen, denn wir haben unser jeweiliges Steckenpferd zum Beruf gemacht“, erklärt der Musiker und gesteht: „Es wäre jetzt für mich viel schwieriger, jemanden kennen zu lernen. Denn da schwingt bei mir immer mit, dass die Frau vielleicht nur den erfolgreiche Musiker in mir sieht.“

Da fährt er lieber mit seiner Langzeitfreundin in den Hafen der Ehe ein und denkt auch ernsthaft über Nachwuchs nach. „Noch ist nichts konkret geplant, aber ich hätte gerne ein Kind. Ich könnte mir mich als Papi ganz gut vorstellen.“ Tipps kann er sich da von seinem Bandkollegen Johannes Strate holen, der bereits einen kleinen Sohn hat – aber noch nicht verheiratet ist. Apropos: Wie wär’s mit einer Gruppenhochzeit? „Nee!! Wir machen als Band schon soo viel zusammen“, wiegelt Nordlicht Hünecke lachend ab. Dass weitere Bandmitglieder demnächst heiraten, sei aber im Bereich des Möglichen, lässt er durchblicken.

Mit seiner Revolverheld-Band ist Hünecke seit 14 Jahren sozusagen verheiratet. Und das glücklich. Wie das geht? „Das Wichtigste ist, uns gegenseitig Freiheiten einzuräumen. Anfangs wollte jeder sein Ego durchsetzen, das steht einem irgendwann im Weg. Wir haben gelernt loszulassen. Das hat uns wahnsinnig vorangebracht und war die größte Veränderung“, erklärt er. In der kreativen Pause der Band auf Solopfaden zu wandeln, wie es Hünecke und Bandleader Johannes Strate taten, sei in der Anfangsphase der Band nicht möglich gewesen. Und so sind die vier noch heute Freunde. „Und das waren wir schon, bevor wir eine Band wurden.“ Treue Freunde statt wilde Revolverhelden sind sie also. „Der Bandname ist unserer Sturm- und Drangphase geschuldet, in der wir mit Worten um uns schossen, indem wir plakativ getextet haben“, erklärt der Sänger und Songschreiber.

Aber auch Hünecke hatte mal rebellische Phasen. „Dennoch habe ich nie blinden Aktionismus ausgelebt, dafür bin ich in einem zu gesunden Umfeld aufgewachsen.“ Seine Jugend bestand aus Leistungssport. Als Teenager war er die Nummer eins im deutschen Tennissport in seiner Klasse und trainierte neben der Schule täglich mindestens zwei Stunden. Ist er deswegen so diszipliniert? „Disziplin – ich hasse das Wort. Aber der Leistungssport hat mich schon in gewisser Weise gelehrt, strukturiert zu sein und effizient zu handeln. Das hat mir in der Musik auch geholfen“, bilanziert Hünecke.

Kein Problem für ihn, den inneren Schweinehund zu überwinden, sich hinzusetzen und dann einfach loszutexten. „Ich bin aber immer noch dabei, mich besser kennen zu lernen und herauszufinden, wann ich am kreativsten bin. Das ist bei Künstlern eine ewige Suche.“ Dass er schon als 15-Jähriger Tennis spielend durch die Welt reiste, habe ihn dafür sensibilisiert, dass es wichtig ist, über den Tellerrand zu schauen.

„Der Zulauf bei den rechtspopulären Parteien lässt auch mich nicht kalt, und da positioniere ich mich auch klar in sozialen Medien und unterschwellig auch in Songs. Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft und Liebe sind einfach viel mehr in den Fokus gerückt“, meint Hünecke. Der erfolgreiche Musiker redet nicht nur, er spendet Flüchtlingen Klamotten und hat beispielsweise in seiner Heimatstadt Hamburg eine Auffangstation für Flüchtlinge besucht. „Wenn man sich eine Meinung bilden und positionieren will, ist das unerlässlich“, bekräftigt er. In der Auffangstation hätten die Menschen unter unmenschlichen Bedingungen gelebt. „Aber die Stimmung war trotzdem positiv und voller Hoffnung. Da kam ich mir fast schon schäbig vor in Anbetracht dessen, über welche Kleinigkeiten man sich selbst mitunter aufregt. Wir tranken dann Bier mit denen, unterhielten uns. Das sind großteils gebildete Leute. Sie suchen nach einer neuen Chance. Und ich finde, wir sind der Verantwortung, weil es uns wirklich verdammt gut geht, sie ihnen zu geben!“

Am 1. Juli spielen Revolverheld auf der Festung in Kufstein im Rahmen ihrer MTV-unplugged-Tour. „Wir haben am Ende über 20 Musiker mit Bläsern, Streichern und einen Chor auf der Bühne. Und wir haben alle unsere Songs komplett neu arrangiert“, verspricht Hünecke einen besonderen Konzertabend, den Lemo („Himmel über Wien“) als Support einläutet. Ein neues Studioalbum der Revolverhelden wird es laut Hünecke nicht vor Herbst 2017 geben.


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