Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 04.09.2018


Osttirol

„Autofahrer unterwegs“ fand Heimat in Tristach

Osttirol ist seit 60 Jahren die zweite Heimat des legendären Wiener Journalisten Walter Prskawetz. Seine Stimme ist älteren Radiohörern aus der Sendung „Autofahrer unterwegs“ noch sehr vertraut.

© Archiv Walter PrskawetzVor zwei Jahren feierten Walter und Elfriede Prskawetz nach 65 Ehejahren die eiserne Hochzeit in Amlach.



Von Peter Unterweger

Tristach, Wien – Wenn im Radio das „Tüdldüü tüdldüü“ nach den Nachrichten ertönt oder eine Programmunterbrechung ankündigt, wissen die Hörer, dass eine wichtig­e Verkehrsnachricht gesendet wird. Der Erfinder dieser Aktion ist Walter Prskawetz. Und die Stimme des gebürtigen Wieners ist vor allem der älteren Generation noch im Gedächtnis: aus der Radiosendung „Autofahrer unterwegs“. Das beliebte Format wurde täglich zur Mittagszeit ausgestrahlt, von 1957 bis 1999, insgesamt 15.153-mal. Die Nachrichten über die Verkehrslage und die Suche nach gestohlenen Autos kamen aus der Informationszentrale des ÖAMTC, gesprochen wurden sie von Walter Prskawetz.

Im Jahre 1980 übernahm der Journalist auch die Chefredaktion der ÖAMTC-Zeitung Autotouring, damals mit 900.000 Lesern. Bei seiner Übergabe waren es bereits 1,6 Millionen. Noch in seiner Pension lieferte er der Zeitschrift Berichte.

Heute lebt der 90-Jährige mit Ehefrau Elfriede in Tristach. Wie es dazu gekommen ist? Im Sommer 1958 hatte das Ehepaar alle Kärntner Seen abgeklappert, die letzte Destination der Reise war der Tristacher See. „Es war Liebe auf den ersten Blick! Es war der See, der in den folgenden 60 Jahren unser Leben bestimmen sollte“, erinnert sich das Wiener Ehepaar.

„Abreise derzeit nicht möglich“, so lautete Walter Prskawetz’ Verkehrsinformation am Lienzer Hauptplatz, damals noch auf Papierbögen.
- Archiv Walter Prskawetz

Seit damals pendelten die beiden zwischen Osttirol und der Bundeshauptstadt. Jeden Sommer und Winter verbrachten Walter und Elfriede Prskawetz in Osttirol: zuerst 14 Jahre in Amlach, dann weitere 45 Jahre in Tristach. Seit der Pension gönnen sie sich dauerhaft Zeit im Lienzer Talboden. Sie lieben das Wandern und Spazieren in den Bergen – und natürlich das Schwimmen im See.

Der Impuls, die Leute möglichst schnell über eine Ausnahmesituation per Radio zu informieren, wurde bei Walter Prskawetz 1965 durch die erste Hochwasserkatastrophe in Osttirol ausgelöst. Das Defereggental war von der Außenwelt abgeschnitten. Die Lage der Bewohner und Gäste in dem Gebiet weckte bei dem Journalisten den Gedanken: „Irgendetwas muss da geschehen.“

Meist arbeitete er jedoch in der Verkehrsleitzentrale des ÖAMTC.
- Archiv Walter Prskawetz

Seine Erfindung der direkten Aussendung von Verkehrsnachrichten und Straßenzustandsberichten in der Sendung „Autofahrer unterwegs“ wurde am 5. Dezember 1965 das erste Mal praktiziert: Sprecher Walter Niesner schaltete in die ÖAMTC-Informationszentrale, Prskawetz sprach die aktuellen Verkehrsinfos direkt zu. Das „Tüdldüü tüdldüü“ war geboren. Bis zu seiner Pensionierun­g machte Prskawetz diesen Job.

Viele Episoden weiß der frühere Verkehrsfunkchef heute zu erzählen. So war er 1966 beim zweiten Hochwasser in Lienz. Gäste stürmten die Behörden, um Auskünfte über die Möglichkeiten zu bekommen, wie sie den von der Außenwelt abgeschnittenen Bezirk verlassen könnten.

Da es zu dieser Zeit noch keinen Touringclub-Stützpunkt in Lienz gab, dachte Prskawetz: „Ich bin jetzt der ÖAMTC.“ Im Schreibwarengeschäft „Papier Geiger“ besorgte er sich große Bögen und Stifte, am Hauptplatz zwischen Liebburg und dem damaligen Gendarmerieposten brachte er sein Plakat mit der aktuellen Verkehrslage an. „Bei jedem neuen Plakat notierte ich auch die Zeit“, schildert er – um zu informieren, wie aktuell die Situationsbeschreibung ist.

Bei den schweren Schneefällen in den 1980er-Jahren berichtete Prskawetz live über Telefon aus seinem Domizil in Osttirol. Ein Meter Neuschnee war in der Nacht gefallen. Er holte sich Informationen in der Bezirkshauptmannschaft in Lienz, dann musste er sich durch die Schneemassen zu seiner Wohnung in Tristach durchkämpfen. Die Zeit wurde knapp. Prskawetz hastete durch die Tür, Sekunden später war er live auf Sendung. Während er über das Schneechaos im Radio berichtete, zog ihm seine Gattin die patschnassen Stiefel aus.

Dem Ehepaar sind Amlach und Tristach schon lange zur zweiten Heimat geworden. Auch mit Lienz fühlen sie sich sehr verbunden. „Leben mit Menschen, die für uns große Bedeutung haben. Dazugehören!“, beschreibt Walter Prskawetz sein Verhältnis zu den Einheimischen. Als er einst den Adlerorden in Gold des Landes Tirol überreicht bekam, meinte der damalige Landeshauptmann Alois Partl: „Das kommt einer Einbürgerung gleich.“

In Osttirol feierte das Ehepaar Familienfeste, so die diamantene Hochzeit. Vor zwei Jahren war es nach 65 gemeinsamen Ehejahren sogar die eiserne Hochzeit. Pater Raimund, der die heilige Messe zelebrierte, meinte anschließend: „Das habe ich noch nie erlebt.“ „Wir auch nicht!“, wäre es dem humorvollen Jubilar bald herausgerutscht. „Aus Gründen der Höflichkeit habe ich aber geschwiegen.“