Letztes Update am Di, 11.09.2018 08:47

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Vermisster Sänger

Suche aufgegeben: Familie von Küblböck hofft auf ,,großes Wunder“

Kanadas Küstenwache ist skeptisch, aber Familie und Freunde von Daniel Küblböck sind weiter zuversichtlich, dass der Sänger im Meer vor der Küste Neufundlands lebendig geborgen wird. Die Zeit dafür läuft allerdings ab. Indes weist die von ihm besuchte Schauspielschule Mobbing-Vorwürfe zurück.

© dpaDaniel Küblböck auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2015.



Halifax — Nach dem Sprung des Sängers Daniel Küblböck von einem Kreuzfahrtschiff vor der kanadischen Küste hoffen die Angehörigen nach eigenen Angaben auf ein Wunder. "Wir denken mit all unserer Kraft und Liebe an Daniel und hoffen auf ein großes Wunder", heißt es in einer Mitteilung von der Familie, Angehörigen und Freunden auf der Internetseite des 33-Jährigen.

"Uns hat die Nachricht erreicht, das Daniel von Bord ins Wasser gestürzt ist", heißt es in der Erklärung. Man bitte darum, auf Spekulationen rund um das Verschwinden Küblböcks zu verzichten und die Familie in Ruhe zu lassen. Man habe "derzeit keine Kraft, die Vorfälle zu kommentieren". Die kanadische Polizei ermittele seit Montag auf dem Kreuzfahrtschiff "Aidaluna" in Halifax, um sich ein genaues Bild von den Ereignissen zu machen.

Küstenwache: geringe Überlebenschance

Der frühere Kandidat von "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) war nach Angaben der Reederei der "Aidaluna", Aida Cruises, am frühen Sonntagmorgen bei einer Kreuzfahrt von Hamburg nach New York in der Labrador See, etwa 185 Kilometer nördlich von St. John's/Neufundland, über Bord gegangen. Die kanadische Küstenwache leitete eine großangelegte Suchaktion ein, an der neben der "Aidaluna" zunächst noch ein weiteres Kreuzfahrtschiff beteiligt war. Auch ein Aufklärungsflugzeug und ein Hubschrauber waren im Einsatz und suchten eine Fläche von 1.227 Quadrat-Seemeilen ab. "Leider wurde kein Anzeichen von Herrn Küblböck gefunden", sagte der Sprecher der Küstenwache, Mark Cough.

Am Montag erklärte Cough, die Suche sei "angesichts der geringen Überlebensdauer bei den dort in dieser Jahreszeit herrschenden Wassertemperaturen" eingestellt worden. Die Wassertemperatur beträgt dort nur etwa 10,5 Grad. Ohne Hilfe liegt die Überlebenschance bei nur wenigen Stunden. Wie die Angehörigen auf Küblböcks Internetseite mitteilten, wurden Schiffe in dem Gebiet aber informiert, weiterhin Ausschau zu halten.

Der Kreuzfahrt-Veranstalter äußerte schon am Sonntag die begründete Annahme, dass der privat an Bord befindliche Kaiser-Küblböck gesprungen sei. Am Montag teilte Aida mit: "In dieser schwierigen Zeit sind wir mit unseren Gedanken bei der Familie des Vermissten. Das AIDA Care Team ist in engem Austausch mit den Angehörigen, um ihnen in allen Fragen zur Seite zu stehen."

Küblböck schrieb: "Bin zutiefst in meiner Seele erschüttert"

Noch unter dem Namen Daniel Küblböck war er als Teenager mit der ersten Staffel der RTL-Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" (DSDS) vor bald 16 Jahren berühmt geworden. Zuletzt absolvierte er eine Ausbildung zum Schauspieler auf einer Berliner Schauspielschule, wo er nach eigenen Angaben mit Mobbing zu kämpfen hatte.

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Die Schule wies am Montag diese Vorwürfe zurück. "Die Behauptung über Mobbing an unserer Schule weisen wir strikt zurück", hieß es in einer Erklärung der ETI Schauspielschule Berlin des Vereins Europäisches Theaterinstitut. "Wir sind zutiefst bestürzt und geschockt über das Verschwinden unseres Schülers Daniel Kaiser-Küblböck." In Gedanken sei man bei der Familie, den Freunden und Fans. In der Kommentarspalte hagelt es massenweise Kritik gegen die Reaktion Schauspielschule.

Im Internet kursiert ein angeblich von Küblböck verfasster Netz-Eintrag, in dem von monatelangem Mobbing an der Schule die Rede ist und einer Dozentin vorgeworfen wird, nichts dagegen getan zu haben. Er müsse den "psychischen und physischen Schmerz der letzten Monate erst verkraften" und sei "zutiefst in seiner Seele erschüttert", schrieb Küblböck am 3. August. Der Fanclub hat das Posting mittlerweile von der Seite genommen.

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Bohlen sorgte mit Pullover für Aufregung

Einige Kritik erntete am Montag ein Statement von Musikproduzent Dieter Bohlen, der sich in einem bei Instagram geposteten Video "total geschockt" zeigte. Der DSDS-Chefjuror trug darin einen Kapuzen-Pullover, der ausgerechnet die Aufschrift "Be one with the Ocean" (Sei eins mit dem Ozean) hat. Später entschuldigte sich Bohlen dafür: "Das ist völlig falsch rübergekommen." Wenn es falsch verstanden worden sei, "dann tut's mir wirklich, wirklich leid".

Über Kaiser-Küblböck sagte der 64-jährige Bohlen: "Er war auf der einen Seite ein unheimlich lustiges Kerlchen, was man so im Fernsehen gesehen hat, aber wenn er bei mir zu Hause war, gab es eben auch das totale krasse Gegenteil: Er konnte unheimlich traurig und unheimlich depressiv sein. Und ich habe mich dann damals gewundert, wie unheimlich schnell das so hin- und herging bei ihm." (dpa, TT.com)

Hier finden Sie Hilfe

Wenn Sie oder eine Ihnen nahestehende Person von Suizidgedanken betroffen sind, finden Sie hier Hilfe:

Die Telefonseelsorge ist unter 142 kostenfrei rund um die Uhr jeden Tag erreichbar. Die Beratung ist vertraulich. Mail- und Chatberatung: www.onlineberatung-telefonseelsorge.at

Rat auf Draht, kostenloser Notruf für Kinder und Jugendliche, Tel. 147 (ohne Vorwahl) rund um die Uhr, www.rataufdraht.at

Pro mente, www.gpg-tirol.at