Letztes Update am Sa, 09.03.2019 12:16

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Vermisster Sänger

Halbes Jahr vermisst: Vater will Daniel Küblböck für tot erklären lassen

Exakt sechs Monate sind seit dem Verschwinden von Daniel Küblböck vergangen. Damit greift das deutsche Verschollenheitsgesetz. Küblböcks Vater will seinen Sohn daher nun für tot erklären lassen: „Wir müssen diesen Schritt gehen“, sagt er.

Seit 9. September 2018 gilt Daniel Küblböck als vermisste Person.

© imagoSeit 9. September 2018 gilt Daniel Küblböck als vermisste Person.



Berlin – Es war der 9. September 2018. Nach Angaben der Reederei der „Aidaluna“, Aida Cruises, war der Sänger Daniel Küblböck (33) an jenem Tag auf einer Kreuzfahrt nahe Neufundland über Bord gegangen. Eine großangelegte Suchaktion blieb ohne Erfolg – seither galt Küblböck als vermisst.

Mit Ablauf der Halbjahresmarke steht seine Familie nun vor einer schweren Entscheidung. Ein Mensch kann nach dem deutschen Verschollenheitsgesetz sechs Monate nach dem Verschwinden offiziell für tot erklärt werden. Davon will Küblböcks Vater Günther (54) Gebrauch machen. „Ich werde ihn für tot erklären lassen. Wir müssen irgendwann diesen Schritt gehen, weil es abgeschlossen werden muss“, sagte der 54-Jährige der „Bild“-Zeitung.

Keine Trauerfeier

Noch immer ist nicht klar, was genau an Bord des Kreuzfahrtschiffes geschah. Fest steht nur: Daniel Küblböck stürzte in die Fluten des Atlantiks und wurde seitdem nie mehr gesehen.

Wie „Bild“ weiter berichtet, erklärte der ermittelnde Staatsanwalt Walter Feiler, dass nun nach einer genauen Überprüfung der Umstände Suizid als Todesursache festgehalten werde. Eine Straftat ist gemäß eines Todesermittlungsverfahrens der Staatsanwaltschaft Passau auszuschließen.

Davon sei auch Günther Küblböck überzeugt, denn sein Sohn sei nicht mehr er selbst gewesen und habe unter einer Psychose gelitten. „Es hat auch keinen Sinn, das irgendwie offen zu lassen. Es gibt auch keinerlei Anzeichen, dass es anders ist.“ Eine Trauerfeier sei nicht geplant, sagt Günther Küblböck, dafür wolle die Familie eine Gedenktafel für Daniel aufstellen.

Auch das Erbe seines Sohnes will geklärt sein, auch wenn es sich um keine großen Summen handele. „Von Vermögen kann man nicht sprechen. Daniel hatte ein geregeltes Einkommen, das ausreichend war“, sagte der Vater.

Vater erhob schwere Vorwürfe

Nach dem Verschwinden seines Sohnes hatte Der 54-Jährige wiederholt Kritik geäußert. Den Behörden warf er „unterlassene Hilfeleistung“ vor. Nachdem sich bei Daniel Küblböck Wesensveränderungen abgezeichnet hätten, habe er mit allen möglichen Institutionen telefoniert. „Alle haben mir gesagt, wir könnten Daniel nicht gegen seinen Willen therapieren lassen“, schimpft Günther Küblböck. Alles laufe darauf hinaus, dass erst etwas Schlimmes passieren müsse, ehe eingegriffen werde. Gegen die Schauspielschule, an der Daniel bis zu seinem Verschwinden eine Ausbildung absolvierte, erhob er schwere Mobbing-Vorwürfe.

Es gebe verschiedene Regelungen im sogenannten Verschollenheitsgesetz, sagt Rechtsanwalt Arndt Kempgenes gegenüber dem Sender RTL. Eigentlich sei es erst nach zehn Jahren so weit, dass jemand für tot erklärt werde. Aber: „Wenn ein Fall auf See passiert, geschieht dies nach sechs Monaten“, erklärt der Jurist.

Paragraph 5 besagt: „Wer bei einer Fahrt auf See, insbesondere infolge Untergangs des Schiffes, verschollen ist, kann für tot erklärt werden, wenn seit dem Untergang des Schiffes oder dem sonstigen die Verschollenheit begründenden Ereignis sechs Monate verstrichen sind.“

Als Verschollen gilt nach Paragraph 1, „wessen Aufenthalt während längerer Zeit unbekannt ist, ohne daß Nachrichten darüber vorliegen, ob er in dieser Zeit noch gelebt hat oder gestorben ist, sofern nach den Umständen hierdurch ernstliche Zweifel an seinem Fortleben begründet werden“. (tst)

Hier finden Sie Hilfe

Wenn Sie oder eine Ihnen nahestehende Person von Suizidgedanken betroffen sind, finden Sie hier Hilfe:

Die

Telefonseelsorge

ist unter 142 kostenfrei rund um die Uhr jeden Tag erreichbar. Die Beratung ist vertraulich. Mail- und Chatberatung: www.onlineberatung-telefonseelsorge.at class="WEB_Aufzahlung">

Rat auf Draht:

kostenloser Notruf für Kinder und Jugendliche, Tel. 147 (ohne Vorwahl) rund um die Uhr, www.rataufdraht.at class="WEB_Aufzahlung">

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