Letztes Update am Mi, 13.03.2019 09:51

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Betrugsskandal

Kinder an Elite-Unis geschleust: TV-Stars wegen Bestechung verhaftet

Ob schlechte Testresultate oder fehlendes sportliches Talent: Zahlreiche Prominente und reiche Unternehmer haben offenbar ihr Vermögen dafür eingesetzt, ihren Nachwuchs die Aufnahme an amerikanische Elite-Universitäten zu ermöglichen. Es geht um eine Summe von 25 Millionen Dollar. Die Polizei nimmt deswegen nun zwei Serien-Stars fest.

Lori Loughlin (links) und Felicity Huffman zählen zum Kreis der beschuldigten Personen.

© dpaLori Loughlin (links) und Felicity Huffman zählen zum Kreis der beschuldigten Personen.



Boston – Um ihre Kinder etwa in Yale oder Stanford zu platzieren, sollen Dutzende Prominente und andere wohlhabende Eltern diese und weitere Colleges und Universitäten in den USA bestochen haben. Das teilte die US-Bundesanwaltschaft im Ostküstenstaat Massachusetts mit. Unter den fast 50 mutmaßlichen Tätern sind auch Schauspielerin Felicity Huffman, bekannt aus der TV-Serie „Desperate Housewives“, und Lori Loughlin aus der Sitcom „Full House“.

Huffman, die aus ihrer Ehe mit dem Schauspieler William H. Macy zwei Töchter hat, sei am frühen Dienstagmorgen (Ortszeit) in ihrem Haus in Los Angeles verhaftet worden, berichtete die Los Angeles Times. Nach einem Gerichtstermin hinterlegte sie eine Kaution und kam wieder auf freien Fuß. Ende März muss Huffman vor Gericht in Boston erscheinen. Loughlin sollte am Mittwoch in Los Angeles vor den Richter treten.

500.000 Dollar für falsche Ruderinnen

Huffman soll laut Anklage 15.000 Dollar (13.000 Euro) Schmiergeld gezahlt haben, um zu erreichen, dass Antworten ihrer ältesten Tochter beim landesweiten Einstufungstest SAT nachträglich aufgebessert werden. Loughlin und ihr Mann, Modedesigner Mossimo Giannulli, sollen sogar 500.000 Dollar locker gemacht haben, um ihre beiden Töchter fälschlicherweise als Ruderinnen auszugeben und sie über das Sportteam an der USC in Kalifornien unterzubringen. Viele US-Hochschulen locken junge, herausragende Sportler mit wertvollen Stipendien.

Gelder flossen über Pseudo-Wohltätigkeitsorganisation

Zu den beschuldigten Eltern gehören auch Unternehmensmanager, Firmenchefs, Investoren, ein Winzer und ein Modedesigner. Nach Angaben der Ermittler zahlten die Eltern an eine von einem Hochschulberater gegründete Pseudo-Wohltätigkeitsorganisation. Der Mann fädelte dann mit den Geldern die Uni-Aufnahmen ein.

Über das Korruptionsnetzwerk sollen insgesamt etwa 25 Millionen Dollar geflossen sein. Die Gelder seien verwendet worden, um Zulassungsprüfungen zu fälschen und Hochschulbeschäftigte zu bestechen. Auch Sportlehrer hätten Bestechungssummen kassiert, um Sprösslinge reicher Familien zu rekrutieren und damit die Uni-Zulassung zu beschaffen – ohne dass diese die Qualifikationen für die Sportteams gehabt hätten. Der 58-jährige Mittelsmann bekannte sich schuldig.

Fälle reichen bis ins Jahr 2011 zurück

Unter den Verdächtigten sind 33 Eltern, etwa ein Dutzend Hochschulbeschäftigte und vier Personen, welche die Bestechungen und Manipulationen eingefädelt haben sollen.

Die Fälle reichen bis ins Jahr 2011 zurück. Durch „Bestechung und andere Formen des Betrugs“ hätten die Betroffenen versucht, die Annahme ihre Kinder zu erwirken, heißt es in der Anklage. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Hochschulleiter aber nichts von den Trickgeschäften wussten. In vielen Fällen seien auch die betroffenen Schüler und Studenten ahnungslos gewesen, dass ihre Eltern bei den Aufnahmeprüfungen ihre Finger im Spiel hatten, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Betroffen seien unter anderem die Universitäten Georgetown in Washington, Yale in Connecticut, die University of Texas sowie Stanford, die University of Southern California und die UCLA in Kalifornien. (AFP, TT.com, dpa)




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