Letztes Update am Mo, 08.04.2019 12:07

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Geburtstag

Talk-Ikone Arabella Kiesbauer wird 50: Notbremse nach 90er-Wahnsinn

Ihre Talkshow war ein Novum und auch eine farbige Moderatorin im deutschen Fernsehen war damals besonders: Am 8. April wird Arabella Kiesbauer 50 Jahre alt. Seit den wilden 90ern hat sich bei ihr viel verändert. Inzwischen ist sie vor allem für die Liebe im Einsatz.

Kiesbauer moderierte 2015 den Eurovision Song Contest in Wien. Hier mit Vorjahressiegerin Conchita Wurst.

© AFPKiesbauer moderierte 2015 den Eurovision Song Contest in Wien. Hier mit Vorjahressiegerin Conchita Wurst.



Wien – Die Talkshows gehörten zu den 90ern wie Boybands und Bauchfrei-Tops. Arabella Kiesbauer gehörte mit der nach ihr benannten Gesprächsrunde bei Pro Sieben zu den Pionieren der nachmittäglichen Talkshow. Von 1994 bis 2004 diskutierte sie mit ihren Gästen in circa 3000 Episoden über Alltagsprobleme und Tabus. Und im Gegensatz zu vielen ihrer Kollegen konnte sie sich als Moderatorin im Fernsehen halten. 2015 präsentierte sie den ESC in Wien, seit 2014 moderiert sie die österreichische Ausgabe von „Bauer sucht Frau“. Am Montag (8. April) wird Kiesbauer nun 50 Jahre alt - und ist froh, dass sie inzwischen ihr Arbeitspensum deutlich gesenkt hat.

TT-Interview

Ein Gespräch mit Arabella Kiesbauer über privates Glück und beruflichen Erfolg: https://www.tt.com/panorama/leute/15510236/arabella-kiesbauer-die-liebe-geht-ihre-eigenen-wege

Kiesbauer ist seit 2004 mit dem Unternehmer Florens Eblinger verheiratet. Das Paar hat eine Tochter und einen Sohn.
Kiesbauer ist seit 2004 mit dem Unternehmer Florens Eblinger verheiratet. Das Paar hat eine Tochter und einen Sohn.
- APA/Hans Punz

„Ich möchte das Leben genießen, für mich besteht das Leben nun wirklich nicht nur aus Arbeit“, sagte Kiesbauer der Deutschen Presse-Agentur. Sie sei eine große Verfechterin des Urlaubs und des Familienlebens - auch wenn das vor allem in den 90ern zur Hochzeit der Talkshows nicht so war. „Ich war zeitweise in einer unglaublichen Arbeitsspirale.“ Einmal habe sie in Österreich moderiert und auf der Bühne erzählt, „wie das hier in Deutschland so ist“. „Ich muss ehrlich sagen, ich war da teilweise schon gar nicht mehr ganz bei mir.“ Sie zog die Notbremse, räumte in ihrem Alltag auf und setzte neue Prioritäten.

Drohbriefe und Briefbombe

Bis dahin war sie viele Jahre lang im deutschen Fernsehen fast omnipräsent, von 1994 bis 2004 werktags eine Größe des Nachmittags-Fernsehens. Vor allem zu Beginn wurde die Tochter einer Theaterschauspielerin aus Deutschland und eines ghanaischen Ingenieurs dabei auch zur Zielscheibe für rassistischen Hass. Zunächst erhielt sie immer wieder Drohbriefe, dann schickte ihr ein österreichischer Terrorist 1995 eine Briefbombe. Eine Sekretärin, die den Brief öffnete, wurde leicht verletzt.

Arabella Kiesbauer 1994 - ein Jahr vor dem Briefbombenanschlag.
Arabella Kiesbauer 1994 - ein Jahr vor dem Briefbombenanschlag.
- dpa

„Ich bekomme immer noch rassistische Briefe - das hat nicht aufgehört und hat mich meine ganze berufliche Laufbahn begleitet“, sagte Kiesbauer mal in einem Interview. Nachdem sie die Briefbombe erhielt, habe sie begonnen, sich für Integration einzusetzen. Im Bundestagswahlkampf 2017 unterstützte sie Sebastian Kurz von der konservativen ÖVP, der inzwischen Bundeskanzler ist. „Ich war immer schon der Meinung: Integration kann nur funktionieren, wenn von beiden Seiten was kommt. Das ist ein Geben und Nehmen“, sagte sie der dpa.

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Von Opernball bis Starmania: Nie auf einen Schwerpunkt festgelegt

Einen Schwerpunkt in ihrer Arbeit im Fernsehen hat das Thema aber nie eingenommen. Nach dem Ende der Talkshow-Ära wurde es in Deutschland ruhig um Kiesbauer. In Österreich präsentierte sie einige Male im ORF den Wiener Opernball, 2015 gehörte sie zum Moderationsteam beim ESC in Wien. Auch in Castingshows wie „Starmania“ und „Kiddy Contest“ war sie zu sehen.

Das Moderatorenteam Arabella Kiesbauer und Alfons Haider im Februar 2007 waehrend des Opernballs in der Wiener Staatsoper.
Das Moderatorenteam Arabella Kiesbauer und Alfons Haider im Februar 2007 waehrend des Opernballs in der Wiener Staatsoper.
- APA/Hans Klaus Techt

Für die meisten Österreicher ist Arabella Kiesbauer inzwischen in erster Linie die Chef-Verkupplerin bei der österreichischen Version von „Bauer sucht Frau“. Noch im April beginnen die Dreharbeiten für die nächste Staffel der Partnersuche auf dem Land, bei der in Österreich den Bauern seit jeher viel Wertschätzung entgegen gebracht wird. „Die Bauern haben bei uns in Österreich einen besonderen Stellenwert, sie haben auch einen Stolz und das ist auch gut so. Dem muss man Rechnung tragen, sonst wäre das Format in Österreich auch nicht so erfolgreich“, sagt Kiesbauer.

An ein Revival der Talkshow glaubt die in Wien lebende Moderatorin derweil nicht. „Das war damals einzigartig und hat wunderbar zur Zeit gepasst“, sagt Kiesbauer. „Wir waren jung, wir waren wild, wir haben damals Tabus gebrochen und uns für Minderheiten eingesetzt.“ Diskutiert wurde nicht zuletzt über stöhnende Männer, Körperbehaarung und den heimlichen Wunsch mancher Leute, die Berliner Mauer wieder aufzubauen. Die Talkshows hätten jungen Leuten ein Sprachrohr gegeben, sagt Kiesbauer. Das sei heute nicht mehr nötig - schließlich könnten sie sich nun auf verschiedenen Social-Media-Kanäle alles von der Seele reden. (dpa/TT.com)