Letztes Update am Di, 23.04.2019 14:49

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


US-Filmemacher

Kult-Regisseur und Trump-Kritiker: Michael Moore wird 65

Mit dem Film „Bowling for Columbine“ gewann Michael Moore einen Oscar. Mittlerweile gilt der Amerikaner als einer der härtesten Kritiker von US-Präsident Donald Trump. Nun feiert der US-Regisseur seinen 65 Geburtstag.

Regisseur Michael Moore gilt als einer der härtesten Kritiker von US-Präsident Donald Trump.

© AFPRegisseur Michael Moore gilt als einer der härtesten Kritiker von US-Präsident Donald Trump.



New York — Für die einen ist der US-Filmemacher Michael Moore ein Held, der die Welt radikal und gnadenlos über die Probleme und Unzulänglichkeiten Amerikas aufklärt. Für die anderen ist das Schwergewicht im Schlabberlook ein linker Populist, der es mit der Wahrheit nicht immer genau nimmt. Am 23., April wird Moore, einer der härtesten Kritiker von US-Präsident Donald Trump, 65 Jahre alt.

Erstes Treffen mit Trump in den 90ern

Zum ersten Mal begegneten sich Trump und Moore 1998, als sie gemeinsam in eine TV-Show eingeladen waren. Der heutige US-Präsident war damals Immobilienmogul, Moore hatte mit „Roger & Me" gerade seinen Durchbruch als linker Dokumentarfilmer gefeiert. Trump sah Moore — und drohte die TV-Show platzen zu lassen. Moore ließ sich von den Produzenten überreden, Trump zu besänftigen, wie er sich jüngst in einem Interview mit dem Hollywood Reporter erinnerte. „Wir haben die Show gemacht. Ich habe nichts gesagt, was ihn hätte aufregen können. Erst viel später, als er dann Präsidentschaftskandidat wurde, habe ich gemerkt, dass er mich ausgetrickst hat. Er hat seinen Willen bekommen. Und ich dachte: ?Wow, er hat die Situation manipuliert. Dieser Typ ist nicht blöd. Lektion gelernt.'"

Knapp 20 Jahre später war Moore dann auch einer der wenigen Menschen, die öffentlich Trumps Wahlsieg vorhersagten. Seitdem kämpft der Dokumentarfilmer seine bisher härteste Schlacht. „Trump ist unser Frankenstein und wir sind Dr. Frankenstein", sagt Moore — und meint damit das amerikanische Volk. „Wir haben geholfen, eine Situation zu schaffen, die es zugelassen hat, dass wir jetzt mit Trump dastehen. Die Verdummung unserer Gesellschaft durch die Medien und die fehlende Bildung durch schlechte Schulen führen zu einem verdummten Wahlvolk und dazu, dass er wirklich 63 Millionen Stimmen bekommen konnte."

Wütendster Mann Amerikas

Moore polarisiert — und das ganz bewusst. „Ich versuche nicht, einer breiten Zuschauerschaft zu gefallen, weil man dann immer alles verwässert", sagt Moore. „Man muss sich nur selbst gefallen und daran glauben, dass andere Menschen da draußen dasselbe fühlen."

Der „wütendste Mann Amerikas" kämpft eigentlich nicht in erster Linie gegen Trump, sondern für strengere Waffengesetze und ein besseres Sozial-, Schul- und Gesundheitssystem in den USA. Alles Themen, bei denen er und Trump fundamental gegensätzliche Positionen vertreten. Moore ist ein Radikaler, ein Getriebener und ein Ruheloser, der damit vielen Menschen auf die Nerven geht, aber auch Aufmerksamkeit auf seine Themen lenken kann wie nur wenige andere in der Branche. Kritiker werfen ihm immer wieder vor, Fakten zu verdrehen und sich in seinen Filmen vor allem selbst darzustellen.

Durchbruch mit „Bowling for Columbine"

Geboren wurde der Regisseur 1954 in der vom Autoriesen General Motors dominierten Stadt Flint im US-Bundesstaat Michigan. Seine Eltern arbeiteten für den Autohersteller. Fast 40 Jahre später sollte Moore seinen ersten Dokumentarfilm über den Niedergang seiner Heimatstadt nach dem Wegzug von General Motors drehen: „Roger & Me". Bis heute lebt Moore in seiner Heimat Michigan und hängt stark an der in weiten Teilen strukturschwachen Region. In der Stadt Traverse City hat er ein Kino renoviert und ein jährliches Filmfestival ins Leben gerufen.

Als junger Mann hatte es Moore aber zunächst einmal nach Kalifornien gezogen. Ein Universitätsstudium brach er ab und arbeitete bei verschiedenen Zeitungen, bevor er sich den Dokumentarfilmen zuwandte. Auf seinen Debüt-Erfolg „Roger & Me" 1989 folgten die Satire „Canadian Bacon" und „Der große Macher", der erneut gegen Massenentlassungen protestierte. Mit „Bowling for Columbine", einer Dokumentation über den Amoklauf an einer Schule im US-Bundesstaat Colorado, bei dem zwei 17- und 18-jährige Schüler zwölf Mitschüler, einen Lehrer und dann sich selbst erschossen, schaffte er den weltweiten Durchbruch und gewann einen Oscar. Die Debatte um Waffengewalt und schärfere Gesetze in den USA war damals noch ganz am Anfang, viele Menschen auf der ganzen Welt erfuhren erst von Moore mehr über das Thema.

Von 9/11 zu 11/9

Bei der Oscar-Verleihung sorgte Moore für einen Skandal, als er den damaligen US-Präsidenten George W. Bush wegen des Irak-Kriegs scharf angriff. „Schande über Sie, Mr. Bush", rief Moore — und wurde rasch vom Gala-Orchester übertönt. Den Krieg gegen den Terror und die Präsidentschaft von Bush kritisierte Moore auch in seinem nächsten erfolgreichen Film. „Fahrenheit 9/11" wurde beim Filmfestival in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. In weiteren Filmen griff Moore später das US-Gesundheitssystem („Sicko") und den Kapitalismus („Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte") an bzw. zeichnete den Weg Trumps zu seinem Wahlsieg nach („Fahrenheit 11/9"). Auch seine Bücher, wie beispielsweise „Stupid White Men", wurden besonders in Europa zu Bestsellern.

In Hinblick auf die nächste Präsidentschaftswahl 2020 ist Moore, der sich 2013 nach mehr als 20 Jahren Ehe von seiner Frau Kathleen Glynn getrennt hatte, pessimistisch. „So wie die Dinge jetzt stehen, sollte jeder davon ausgehen, dass es zwei Trump-Amtsperioden geben wird." Die Demokraten könnten nur mit „beliebten Persönlichkeiten" gewinnen. „Wir brauchen Tom Hanks, Oprah, Michelle Obama. Wer würde nicht für Michelle Obama stimmen?" (APA/dpa)


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