Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 05.05.2019


TT-Interview

Hermann Maier hat keine Sehnsucht nach Wettkampf

Als beliebtes Werbegesicht war Skilegende Hermann Maier Stargast bei der 125-Jahr-Feier der Raiffeisen-Landesbank Tirol im Congress Innsbruck. Ein Gespräch über Finanzen und die Vergangenheit als Ski-Star.

Hermann Maier im Foyer des Tourismusbüros in Flachau – dort kann eine Hermann-Maier-Galerie besucht werden.

© gepaHermann Maier im Foyer des Tourismusbüros in Flachau – dort kann eine Hermann-Maier-Galerie besucht werden.



Sie sind seit 20 Jahren Markenbotschafter der Raiffeisenbank und gelten als eines der beliebtesten Werbegesichter Österreichs. Worauf führen Sie Ihre ungebrochen hohen Sympathiewerte in der Bevölkerung zurück?

Hermann Maier: Ich kann das selber gar nicht so beurteilen und zerbreche mir darüber auch ehrlich gesagt nicht den Kopf. Was mir allerdings immer schon wichtig war, ist, authentisch zu bleiben.

Ist Ihnen Ihre Karriere als Werbebotschafter passiert oder war das bei Ihrem Rücktritt vom Skizirkus vor zehn Jahren bereits Ihr Plan? Gab es einen Plan für die Skipension?

Maier: Es gab keinen Plan. Das war ja auch ein entscheidender Grund für den Rücktritt: Ich wollte diese exakte Einteilung und Planung, die man als Spitzensportler einfach braucht, nicht mehr und mich Dingen widmen, die Spaß machen. In die Rolle als Markenbotschafter bin ich quasi reingerutscht und das schon während meiner Zeit als Skirennfahrer.

Man hat das Gefühl, vieles in Ihrem Leben, so wie auch Ihre Skikarriere, ist ungeplant passiert, wie erklären Sie sich das? Ist es das Glück des Tüchtigen?

Maier: Bei genauerer Betrachtung stecken sehr viel Arbeit und Aufwand dahinter. Natürlich kann man vieles nicht wirklich planen, aber die Voraussetzungen, ans Ziel zu kommen, muss man schon selber schaffen. Das Um und Auf sind Entschlossenheit und Durchhaltevermögen.

Sie haben viele Werbespots gedreht und sind mehrfach im Zuge der Universum-Dreharbeiten auf Entdeckungsreise durch Österreich gewesen. Wie erleben Sie als Wettkampftyp solche sicher auch oft langwierigen Dreharbeiten?

Maier: Es sind spannende Herausforderungen, die Gott sei Dank nichts mit Wettkampf zu tun haben. Das Schöne ist, dass man sich das jetzt gut einteilen kann und sich die Zeit nehmen kann, die dafür notwendig ist.

Wie sehr hat sich der Mensch Maier seit dem Rücktritt vor zehn Jahren verändert? Wie sehr fehlt Ihnen der Wettkampf?

Maier: Zunächst einmal bin ich zehn Jahre älter. Was seit dem Rücktritt aber noch nie aufgetaucht ist, ist irgendeine Sehnsucht nach Wettkampf. Auch das hat zu der damaligen Entscheidung beigetragen: dass man draufgekommen ist, wie sehr dieser ständige Wettkampf körperlich an einem zehrt.

Sie haben die Anteile an den COOEE alpin Hotels in St. Johann, am Dachstein und im Lungau abgegeben, sind aber noch Markenbotschafter. Wie sind Ihre Erfahrungen mit der Hotelbranche?

Maier: Das ist nach wie vor ein sehr spannendes und in der Zwischenzeit erfolgreiches Konzept. Ziel ist es ja, den Menschen, vor allem Familien und Kindern, dank fairer Preise wieder einen Aufenthalt in der Natur zu ermöglichen und die Lust am Skifahren zu wecken. Das funktioniert nach nur drei Jahren schon ganz gut. Allerdings bringt ein Hotel zu betreiben einen hohen Aufwand mit sich. Daher habe ich mich da aus dem operativen Betrieb wieder zurückgezogen. Dafür war ich von Anfang an auch gar nicht vorgesehen, die Notwendigkeit hat sich erst aus einem Betreiberwechsel heraus ergeben.

Sie haben das Hotelkonzept gemeinsam mit Rainer Schönfelder entwickelt. Wie lernen Skifahrer den Umgang mit Finanzen?

Maier: Ich würde sagen, wie jeder andere. Da unterscheiden sich Skifahrer nicht von anderen.

Jonglieren Sie auch selber mit Zahlen oder überlassen Sie das Beratern?

Maier: Das Jonglieren überlasse ich gerne Könnern im Zirkus. Wenn es um die Finanzen geht — um die kümmere ich mich schon selbst.

Rennläufer gehen naturgemäß mehr Risiko als Durchschnittsbürger ein. Sind Sie auch in der Veranlagung risikofreudiger?

Maier: Als Sportler trainiert man das ganze Jahr eifrig, um Grenzsituationen zu meistern und das Risiko in einem überschaubaren Rahmen zu halten. Natürlich kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren, das hat man nicht alles Griff. Daher baut man heutzutage im Alltag größere Reserven ein, um gar nicht so sehr in die Nähe von kritischen Situationen zu kommen.

Wie sehr verfolgen Sie das Geschehen im österreichischen Skisport noch?

Maier: Aufgrund meiner vielen Einsätze habe ich gar nicht die Zeit, mich näher damit auseinanderzusetzen. Im Winter schaue ich mir schon das eine oder andere Rennen an, vor allem die Überseerennen zur besten Sendezeit am Abend und den einen oder anderen Klassiker.

Sie wurden vor Kurzem von der deutschen Bildzeitung zum besten Skifahrer aller Zeiten gekürt. Freuen Sie solche Auszeichnungen noch?

Maier: Ich habe davon gehört und natürlich finde ich das bemerkenswert. Zum einen, weil das Ende meiner Karriere ja schon eine Zeit zurückliegt, und zum anderen, weil die Menschen in Deutschland ja relativ unvoreingenommen sind und über den Skisport mittlerweile wenig berichtet wird.

Abschließende Frage: Im Oktober jährt sich Ihr Rücktritt zum zehnten Mal. Ihre Pressekonferenz damals war sehr emotional. Hätten Sie damit gerechnet, dass es Ihnen so nahegeht?

Maier: Ich war selber schon sehr überrascht, dass mir, trotz Vorbereitung, die entscheidenden Worte so schwer über die Lippen gekommen sind. Zu erklären ist das damit, dass ich bis zu diesem Zeitpunkt wirklich alles dem Skisport untergeordnet habe, und plötzlich ist mir so richtig bewusst geworden, dass damit ein ganz wichtiger Lebensabschnitt endgültig endet. Noch dazu war ich damals noch im Wettkampfmodus. Es war nicht einfach damals — aber das ist ja auch klar, sonst wäre ich nicht mit ganzem Herzen dabei gewesen.

Das Interview führte Denise Neher