Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 09.05.2019


Zeitzeugen-Reihe

30 Paar Würstln und die Streif: Hansi Hinterseer beim Zeitzeugengespräch

Rekord beim ersten Zeitzeugengespräch im Haus der Musik: Über 440 Besucher hingen an den Lippen von Hansi Hinterseer. Der sang zwar nicht, unterhielt aber mit vielen Anekdoten.

Gäste beim Zeitzeugen-Gespräch der neuen Staffel, v. l.: Moderator Bernhard Aichner, ORF-Landesdirektor Robert Unterweger, LH Günther Platter, Moser-Holding-CEO Hermann Petz und Stargast Hansi Hinterseer.

© Foto TT/Rudy De MoorGäste beim Zeitzeugen-Gespräch der neuen Staffel, v. l.: Moderator Bernhard Aichner, ORF-Landesdirektor Robert Unterweger, LH Günther Platter, Moser-Holding-CEO Hermann Petz und Stargast Hansi Hinterseer.



Von Marco Witting

Innsbruck – „Griaß euch, Leidln!“ Mehr musste Hansi Hinterseer am Dienstagabend beim Zeitzeugen-Gespräch im Haus der Musik gar nicht sagen. Das Publikum (440 Gäste bedeuteten Rekordbesuch in der Zeitzeugen-Reihe) lag ihm schon zu Füßen. Und die Fans hingen in den knapp eineinhalb Stunden darauf an den Lippen des Kitzbühelers – auch wenn der Schlager singende Skifahrer gar keinen Hit intonierte, sondern Anekdoten aus seinem Leben erzählte.

Etwa jene, dass er als Kind insgesamt nur zweieinhalb Stunden im Kindergarten verbrachte. Und dann ausbüchste, weil er Angst vor den Ordensfrauen hatte und lieber zurück in den Stall seines Großvaters wollte. Hinterseer schilderte, wie er als Kind auf Ski in die Schule raste und trotzdem die meisten Fehlstunden hatte. Und er schilderte, wie er als Neunjähriger von der Großmutter ins Tal geschickt wurde, um 30 Paar Würstln für die Seidlalm zu holen. Es war ein Trainingstag für das Hahnenkammrennen und noch bevor Skilegende Jean-Claude Killy auf die Piste durfte, raste der kleine Hansi ins Tal. Stürzte. Und verlor die 30 Paar Frankfurter im Steilhang. „Und dann hat mir Killy geholfen, die Würstln einzusammeln. 29 Paar haben wir gefunden.“ Schallendes Gelächter im Saal.

Unzählige dieser Geschichten gab Hinterseer zum Besten. Sprach von Erfolgen und Niederlagen, vom Druck vor den Olympischen Spielen in Innsbruck und den negativen Erfahrungen, die er damals machte. „Ich möchte diese Zeit nicht missen“, sagte er zu Moderator Bernhard Aichner etwa über seine Erfahrungen in den USA. Und er erklärte natürlich auch, wie er überhaupt zum Singen gekommen war. „Ich hab’ dem Jack White auf der Zugin um halb 5 Uhr Früh unterm Balkon ein Ständchen gespielt. Drei Tage später ist er zu mir gekommen und hat mir ein Lied vorgespielt, das ich singen sollte.“ Daraus wurde eine unvergleichbar erfolgreiche Karriere als Sänger, Moderator und Schauspieler.

LH Günther Platter lobte Hinterseer als „Botschafter Tirols“ und „Gesamtkunstwerk“. Hermann Petz, Vorstandsvorsitzender der Moser Holding, kündigte auch für diese Zeitzeugen-Reihe (es ist die bereits 7. Auflage) ein Buch an. „Die Redakteure der TT werden aus zusätzlichen Gesprächen noch ganz neue Blickwinkel auf diese herausragenden Persönlichkeiten ziehen. Das Buch können sich die Fans schon als Weihnachtsgeschenk vormerken.“

Das Gespräch im Haus der Musik wird am Muttertag , 12. Mai, auch in ORF Radio Tirol ab 20 Uhr in der Sendung „Trommelfell“ zu hören sein. Landesdirektor Robert Unterweger erzählte beim Gespräch, dass er einst für seine Mutter ein Autogramm von Hinterseer besorgen musste und dieser bereitwillig eines aus dem Auto holte. „Hansi hatte den Kofferraum voll mit Karten. Die hat er auch alle gebraucht.“

Das nächste Zeitzeugen-Gespräch findet übrigens bereits am 27. Mai statt. Zu Gast bei Bernhard Aichner wird dann der Südtiroler Unternehmer Richard Piock sein.