Letztes Update am Mo, 20.05.2019 10:46

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Happy Birthday

Mateschitz wird 75: Vom Langzeitstudenten zum reichsten Österreicher

Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz.

© APA/TechtRed-Bull-Chef Dietrich Mateschitz.



Fuschl, Wien – Im Vorjahr verkaufte Red Bull weltweit 6,79 Milliarden Dosen, so viele wie nie zuvor. Doch Firmengründer Dietrich Mateschitz hat um den Getränkekonzern herum längst ein Sport-, Medien-, Immobilien- und Gastronomie-Imperium aufgebaut – und in der Obersteiermark einem ganzen Tal zu neuen Impulsen verholfen. Am 20. Mai feiert der Selfmade-Milliardär und reichste Österreicher seinen 75. Geburtstag.

Der Energydrink war zwar nicht seine Erfindung, aber dass aus dem Aufputschmittel aus Asien ein modern verpacktes Genussmittel wurde, das geschickt vermarktet den globalen Siegeszug antrat, ist ohne Zweifel sein Verdienst. Mateschitz arbeitete vom Start weg massiv am Image seines Getränks, sponserte die alternative Club-Szene und Extremsportarten und reinvestierte konsequent beachtliche Summen ins Marketing. Mit wachsendem Erfolg stieg er sukzessive in den Breitensport ein: Heute betreibt Red Bull Eishockey-Mannschaften, Fußballvereine sowie Formel-1-Rennställe und unterhält Verträge mit mehreren hundert Athleten.

Dabei hatte alles ganz klein begonnen. Auf der Wiener Hochschule für Welthandel, der heutigen Wirtschaftsuniversität, studierte der Sohn zweier Lehrer einst Betriebswirtschaft. „Zwei, drei Jahre länger, als ich vielleicht hätte müssen.“ Mateschitz soll laut Medienberichten rund 20 Semester studiert haben.

Der gebürtige Steirer – er wurde in St. Marein im Mürztal geboren – war nach seinem Uni-Abschluss für Jacobs Kaffee und die damalige Unilever-Tochter Blendax tätig. Beim Zahnpasta-Hersteller stieg er bis zum Marketingdirektor auf. Im Zuge einer seiner Dienstreisen wurde er in Asien auf Aufputschgetränke aufmerksam. Er sah Potenzial im Produkt und beschloss, es in Europa auf den Markt zu bringen. Mateschitz erwarb die Lizenzrechte am thailändischen Energydrink „Krating Daeng“, auf Englisch „Red Bull“, und gründete gemeinsam mit der thailändischen Herstellerfamilie Yoovidhya das Unternehmen.

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Auf Rang 53 im Forbes-Ranking

Heute ist Mateschitz nicht nur der reichste Österreicher, sondern einer der reichsten Menschen der Welt. Das US-Magazin Forbes listete ihn mit einem Vermögen von 18,9 Mrd. US-Dollar (16,9 Mrd. Euro) auf Rang 53 in seinem Milliardärs-Ranking. Der bekennende Jeansträger stellt sich aber so gut wie nie selbst in den Mittelpunkt, sondern höchstens sein Produkt. Der „Didi“, wie ihn Freunde nennen, gilt als öffentlichkeitsscheu. Zeitungsinterviews sind selten, TV-Interviews gibt er grundsätzlich nicht.

Mateschitz gilt als Gönner und ist Mitbegründer der Stiftung „Wings for Life“, die Querschnittslähmung heilbar machen will. Und er stellte der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) in Salzburg für ein Forschungszentrum zu Rückenmarksverletzungen 70 Mio. Euro zur Verfügung – eine der größten Spenden, die in Europa je von einer Privatperson an eine Universität ging.

Auch im Kleinen gibt sich der Red-Bull-Boss oft großzügig. Einem Burschen, der ihm – ohne ihn zu erkennen – einmal in einem Musikgeschäft etwas auf der Harmonika vorspielte, bezahlte er kurzerhand eine neue „Steirische“. Doch der Mäzen und Menschenfreund hat eine zweite Seite. An seinen Launen hängen mitunter Schicksale. Als Mitarbeiter von Servus TV im Jahr 2016 gegen seinen Willen einen Betriebsrat gründen wollten, wollte Mateschitz den Fernsehsender von einem Tag auf den anderen zudrehen. 264 Mitarbeiter standen vor dem Aus – bis sich der Red-Bull-Boss doch noch überzeugen ließ, den Sender weiterzuführen. Nach breiten Beteuerungen, dass es keinen Betriebsrat geben werde, wohlgemerkt.

Red Bull zahlt seine Steuern in Österreich

Mateschitz besitzt zwar eine Insel im Südpazifik, fällt aber mit einer tiefen Verbundenheit zum alpinen Kulturraum auf. Davon zeugt nicht nur die Ausrichtung seines TV-Senders und der Zeitschriften-und Buchverlage. Er besitzt zahlreiche Wirts- und Gutshäuser, erwarb Schlösser, Hotels und eine Brauerei – und ließ sie liebevoll renovieren. Ihm gehören zudem Wälder, Weinberge und Fischteiche. Die Heimatverbundenheit freut auch das Finanzamt: Red Bull zahlt seine Steuern in Österreich und bedient sich laut Mateschitz keiner windigen Konstrukte mit Sitz in Panama oder auf den Cayman Islands.

2014 holte „Mr. Red Bull“ mit dem Grand Prix von Österreich die Formel 1 in die Steiermark zurück und ist dort Partner des Bundesheers bei der Flugshow Airpower. Damit sorgte er für Impulse in einer Region, die unter dem Niedergang der Schwerindustrie besonders gelitten hat. Von seiner Leidenschaft fürs Fliegen zeugen die „Flying Bulls“, eine Flotte historischer Flugzeuge und Hubschrauber, und der „Hangar 7“ am Salzburger Flughafen.

Kritik an Umgang mit der Flüchtlingskrise

Mit seinen politischen Ansichten hielt sich Mateschitz lange zurück – bis er 2017 in der Kleinen Zeitung heftige Kritik am Umgang der Regierung mit der Flüchtlingskrise äußerte. Er kritisierte zudem die Scheinheiligkeit der „Wir schaffen das“-Rufer, teilte gegen die Grünen aus und lobte Sebastian Kurz, damals noch Außenminister. Von einer Wahlempfehlung für ÖVP und FPÖ war nach dem Interview vielerorts die Rede.

Offene Kritik an Mateschitz und seinem Unternehmen ist selten. „Er ist Herrscher über ein geschlossenes System, eine abgeschirmte Welt, aus der nur die Lust der Sportler, die Leidenschaft für das Risiko und die Gier nach Erfolg nach außen dringen sollen“, schrieb die deutsche Tageszeitung FAZ einmal. Und er ist Herr eines Apparats, der den Mitarbeitern viel bietet, ihnen aber auch viel abverlangt.

Mateschitz, der mit Langzeit-Freundin Marion Feichtner in Salzburg lebt, sagte einmal, jeden Tag zehn bis zwölf Dosen Red Bull zu trinken. Wegbegleiter loben ihn als Visionär, der seine Ideen konsequent zu verwirklichen trachtet und dabei nichts dem Zufall überlässt. Die wichtigen Entscheidungen im Konzern trifft der 75-Jährige nach wie vor selbst. Als möglicher Nachfolger für das Firmenreich wird sein einziger Sohn Mark aufgebaut. Der 27-Jährige entstammt einer früheren Beziehung von Mateschitz, hat mittlerweile dessen Nachnamen angenommen und im Haus als Geschäftsführer der Red-Bull-eigenen Brauerei „Thalheim“ Fuß gefasst. (APA)

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