Letztes Update am Sa, 15.06.2019 20:42

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


1930 — 2019

„Wilhelm der Erbauer“: Architekt Holzbauer starb mit 88 Jahren

Er zählte zu den prominentesten, aber auch am meisten beschäftigten heimischen Architekten. Jetzt ist der bekannte österreichische Architekt Wilhelm Holzbauer gestorben. Er wurde 88 Jahre alt.

Wilhelm Holzbauer auf einer Archivaufnahme aus dem Jahr 2010.

© APA/HochmuthWilhelm Holzbauer auf einer Archivaufnahme aus dem Jahr 2010.



Wien/Salzburg – Er trug den Beinamen „Wilhelm der Erbauer“, in die Architekturgeschichte Österreichs ging Wilhelm Holzbauer aber nicht nur mit seinen zahlreichen Bauten ein, sondern auch mit seiner Lehrtätigkeit. Totaler Einsatz bei der Akquisition von Aufträgen waren für ihn selbstverständlich, Kompromisse beim Bauen lehnte er hingegen ab. Am Samstag, verstarb der Doyen der Architekturszene mit 88 Jahren.

„Ich bekenne mich zu einer Architektur, deren Wurzeln in einer pragmatischen Grundhaltung liegen und nicht in einer ideologischen“, schrieb Wilhelm Holzbauer einmal. Nicht nur in der theoretischen Auseinandersetzung mit Architekturaufgaben trieb er die Moderne in Österreich voran, auch in der gebauten Praxis blieb er sich treu. Allein in Wien baute der Vielbeschäftigte, der erst 2018 in den Ruhestand trat, u.a. Bürobauten in der Lasallestraße, den Andromeda Tower auf der Donauplatte, den Kärntnerringhof oder die neue Fassade der Volksoper.

Von Salzburg bis nach Amsterdam

In seiner Geburtsstadt Salzburg, wo er am 3. September 1930 zur Welt kam, gestaltete Holzbauer das Stadtbild nicht unwesentlich mit. Dort stehen seine wichtigsten frühen Bauten, etwa die Kirche in Parsch oder das Bildungshaus St. Virgil, so wie mehrere Bürogebäude, die Naturwissenschaftliche Fakultät und das 2006 eröffnete „Haus für Mozart“ im Festspielbezirk. Prestigeträchtige Holzbauer-Arbeiten finden sich österreichweit und im Ausland, vor allem den Musik- und Theaterbauten galt seine große Liebe. In Bregenz baute er 1981 das Landhaus, in Amsterdam realisierte er 1986 einen Opernneubau, in Baden-Baden dockte er ein mächtiges Festspielhaus an einen alten Bahnhof.

Gemeinsam ist allen Projekten, dass sie – von der Gewaltigkeit der Baumassen wie von der Wucht der Architektursprache – kaum zu übersehen sind. „Er hat die Gabe, komplizierte Funktions- und Raumprogramme in Computerschnelle in räumliche, einfach überschaubare Konzepte zu übersetzen“, urteilte einmal Architekturkritiker Friedrich Achleitner.

Schiffkatastrophe überlebt

Nach dem Besuch der Technischen Gewerbeschule in Salzburg studierte Wilhelm Holzbauer Anfang der 1950er-Jahre, gemeinsam mit Gustav Peichl, bei Clemens Holzmeister an der Wiener Akademie der Bildenden Künste. 1952 gründete er mit Friedrich Kurrent und Johannes Spalt die legendäre „arbeitsgruppe 4“. Ihre Entwürfe und Ideen galten als Meilensteine der österreichischen Architekturgeschichte. Beinahe wäre seine Karriere jedoch bereits 1956 zu Ende gewesen. Seine Reise als Fullbright Stipendiat in die USA mit der „Andrea Doria“ endete in einer Schiffkatastrophe. Holzbauer war unter den Geretteten.

Einige Jahre lehrte Holzbauer als Gastprofessor in den USA und Kanada. Trotz eines lukrativen Jobangebots von Skidmore, Owings & Merrill (SOM), einem der größten Architekturbüros der Welt in Chicago, kehrte er wieder in seine Heimat zurück, als die „arbeitsgruppe 4“ den Auftrag für das Kolleg St. Josef bekam. Von 1977 bis 1998 hatte er eine Professur an der heutigen Universität für angewandte Kunst in Wien inne, von 1987 bis 1991 war er deren Rektor. Über 300 Studierende besuchten seine Meisterklasse, mit zwei seiner Absolventen, Fritz Kaufmann und Wolfgang Vanek, sowie dem Gustav Peichl-Schüler Egon Türmer gründete er 2001 das Büro Holzbauer & Partner Architekten. 2000 wurde er mit dem Großen Österreichischen Staatspreis ausgezeichnet. Seit 2007 war er Mitglied des Kunstsenats.

Mehr als 500 Projekte

Weit mehr als 500 Projekte umfasst sein Werksverzeichnis, Entwürfe für Opernhäuser und Theater in Sidney, Paris und Tokio sind ebenso darunter wie U-Bahn-Bauten für Wien, Ankara, Bilbao und Bonn oder Parlamente für Berlin, Straßburg oder Den Haag. Nach dem mit Differenzen um das Vergabe-Verfahren überschatteten Projekt „Haus für Mozart“ wurde es stiller um den Architektur-Maestro. „Ich bin nicht mehr zu den Aufgaben gekommen, die mich wirklich interessieren“, sagte er einmal in einem Interview. Als sein letztes großes Projekt bezeichnete er das Konzerthaus für Konstanz. Die Pläne fielen allerdings bei der Bevölkerung durch und wurden nie realisiert.

Unter den zahlreichen auf der Homepage angeführten Projekten des Büros „Holzbauer & Partner Architekten“ finden sich der Hoteltower am Wienerberg, die Erweiterungen der St. Martins Therme und Lodge im Seewinkel und der Therme Laa an der Thaya, das Weingut Schullin am Bisamberg, der „Schuler Innovation Tower“ in Göppingen bei Stuttgart sowie ein Wohnbau in Wien-Mariahilf. (APA)


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