Letztes Update am So, 14.07.2019 07:21

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Genuss

Zammer Wirt Sepp Haueis: 50 Jahre Botschafter des Genusses

Auch nach über 50 Jahren als Koch brennt im Zammer Vollblut-Gastronomen Seppl Haueis das Feuer der Leidenschaft.

Mit 18 Jahren zog es Sepp Haueis in die weite Welt. Längst ist der leidenschaftliche Koch zurück in seiner „Gemse“, die als ältestes Gasthaus Tirols gilt

© Thomas Boehm / TTMit 18 Jahren zog es Sepp Haueis in die weite Welt. Längst ist der leidenschaftliche Koch zurück in seiner „Gemse“, die als ältestes Gasthaus Tirols gilt



Von Denise Neher

Zams – Denkwürdige Momente und Auszeichnungen, etwa das Ehrenzeichen des Landes Tirol, gab es im Leben des 68-jährigen Zammer Wirtes Sepp Haueis viele. Aber der zweite Platz bei der ORF-Sendung „9 Plätze – 9 Schätze: So gut isst Österreich“ war für das Tiroler Original ein absolutes Highlight: „Weil uns die Leute trotz starker Konkurrenz so weit nach vorne gewählt haben.“ Mit einer prominenten Jury kürte das Publikum Ende Mai das Lieblingsgericht Österreichs. Mit seiner live in der Sendung zubereiteten Kaspressknödelsuppe eroberte Kulinarikbotschafter Haueis für Tirol den zweiten Platz. Haueis ist Gründungsmitglied der „Tiroler Wirtshauskultur“ und gilt als Tiroler Original.

Sepp Haueis
: „Ich freue mich jeden Tag darauf, mit meinem Sohn in der Küche zu stehen.“
Sepp Haueis
: „Ich freue mich jeden Tag darauf, mit meinem Sohn in der Küche zu stehen.“
- Thomas Boehm / TT

Sein Gasthaus „Zur Gemse“ gilt als ältestes Gasthaus Tirols. 726 wurde es erstmals erwähnt. 1726 kam es in den Besitz der Familie „Haueis“. „Die Frauen in meiner Familie waren außerordentlich tüchtig, während die Männer im Krieg waren, haben sie die Gastwirtschaft und die Landwirtschaft erfolgreich alleine geschupft“, erklärt Haueis stolz. Haueis ist mit seinen neun Geschwistern im Gasthaus aufgewachsen, „wir hatten eine sehr glückliche Kindheit, durften überall mithelfen.“ Während er stolz eine alte Speisekarte für ein 14-gängiges Hochzeitsmenü zeigt, sitzt er auf der Couch, auf der ihn seine Mutter, Gretl Haueis, auf die Welt gebracht hat. In der Wohnstube gegenüber befindet sich das gemalte Porträt einer Ahnin, das Haueis als Kind oft Angst eingeflößt hat. Dabei steht Sarah Haueis laut familieninternen Erzählungen beispielhaft für eine ganze Reihe von starken Frauen in seiner Familie. „Als ein Dorf nach dem anderen angezündet wurde, ist sie allein mit einer Kutsche rausgefahren, um mit den französischen Besatzern zu verhandeln“, schmunzelt Haueis. Selbstredend war sie erfolgreich.

Mit 18 Jahren zog es Haueis in die weite Welt, ein Topjob in der französischen Haute Cuisine rief. „Ich wollte ich sein, in Tirol wurde alles, was ich tat, immer mit meiner Familie verbunden.“ Viele Jahre in Spitzenrestaurants und Hotels auf der ganzen Welt folgten. Mitte der 90er zog sich Haueis für einige Tage in die Bergwelt rund um Zams zurück, um sich zu überlegen, ob er die Gemse übernehmen sollte. Haueis blieb, zur großen Freude seiner Eltern. „Je mehr ich in den vergangenen Jahren die Geschichte meines Gasthauses kennen lernte, umso mehr lernte ich das Erbe meiner Vorfahren lieben.“

Inzwischen steht Sepp nicht mehr alleine in der Küche. Auf seinen 22-jährigen Sohn Josef Haueis ist Sepp sichtlich stolz. „Ich freue mich jeden Tag darauf, mit ihm gemeinsam in der Küche zu stehen“, erklärt Haueis gerührt. „Das Lernen hört auch mit 68 Jahren nie auf, wir müssen nur mit offenen Augen durch das schönste Land der Welt, Tirol, gehen.“ Aber wichtig sei eines: „Wir müssen auf unser schönes Land aufpassen“, sagt Haueis und geht dorthin, wo er schon mal mehr als 15 Stunden pro Tag verbringt, in seine Küche.

Die Gemse ist eines der ältesten Gasthäuser Tirols.
Die Gemse ist eines der ältesten Gasthäuser Tirols.
- Thomas Boehm / TT