Letztes Update am Mo, 26.08.2019 06:15

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Interview

Eberhard Forcher verlässt Ö3: „Keine Träne zum Abschied“

Nach 40 Jahren bei Ö3 ist jetzt Schluss: Radiolegende Eberhard Forcher wird mit 65 Jahren in Pension geschickt. Der gebürtige Lienzer geht mit einem Gefühl der Euphorie.

Die Platten waren zuletzt sein Leben, aber bei Eberhard Forcher ging es schon immer rund: In Osttirol geboren, Sonderschullehrer in Wien, dann nach Amerika, dort Gitarre spielen gelernt und zurück nach Wien zum Radio.

© conny-de-beauclair_photoDie Platten waren zuletzt sein Leben, aber bei Eberhard Forcher ging es schon immer rund: In Osttirol geboren, Sonderschullehrer in Wien, dann nach Amerika, dort Gitarre spielen gelernt und zurück nach Wien zum Radio.



Vorigen Sonntag haben Sie nach 19 Jahren zum letzten Mal „Solid Gold“ moderiert. Diese übernimmt künftig Benny Hörtnagl. Wie viel Wehmut war bei der letzten Sendung dabei?

Eberhard Forcher: Wenig. Um ehrlich zu sein, erlebe ich gerade sehr viele Glücksmomente. Die Wertschätzung, die mir von den Hörern entgegengebracht wird, ist unbeschreiblich. Ich mache derzeit kaum etwas anderes als E-Mails und Facebook-Nachrichten von Hörern beantworten. Dass meine Arbeit den Menschen so viel bedeutet hat, wusste ich nicht und macht mich sehr glücklich. Und wenn die Kollegen im Studio minutenlang applaudieren, erfüllt mich das mit Stolz. Es floss bei mir keine einzige Träne zum Abschied.

Kam das Aus überraschend?

Forcher: Sehr überraschend. Beim letzten Mitarbeitergespräch wurde nur noch versichert, mit mir weitermachen zu wollen. Es ist kein Geheimnis, dass ich gern noch ein paar Jährchen bei Ö3 drangehängt hätte. „Solid Gold“ lebte ja auch vom reichen Wissensschatz und der jahrelangen Erfahrung, da ist mein Alter sicher kein Nachteil. Außerdem hatte ich sehr gute Einschaltquoten. Aber ich hadere nicht.

Warum ist für Sie kein Platz mehr?

Forcher: Ö3 will auf Medientrends reagieren und mehr Abwechslung bieten. Besonders im Tagesprogramm wird es Umgestaltungen geben. Dadurch werden Moderatoren wie etwa Benny Hörtnagl oder Elke Rock ins Abend- und Nachtprogramm „verschoben“. Das war der Anlass.

Fühlen Sie sich schon „pensionsreif“?

Forcher: Keineswegs. Ich starte jetzt nochmal richtig durch und werde weiterhin Radio machen. Es tun sich ganz neue Möglichkeiten auf, die sich mir ansonsten wohl nicht erschlossen hätten. Ab Oktober werde ich zwei Sendungen pro Woche für den Privatsender Superfly produzieren und parallel dazu das eine oder andere ORF-Landesstudio mit dem Solid-Gold-Ableger „Forchers Zeitmaschine“ beliefern.

Klingt nach „Unruhestand“.

Forcher: So ist es! Ich bin derzeit schon wieder mit meinem Job als Songcontest-Scout beschäftigt. Außerdem bin ich Medienmusikproduzent und habe einen YouTube-Channel. Langweilig wird mir nicht.

Das Alter schien in Ihrem Leben nie eine große Rolle gespielt zu haben. Erst vor zwei Jahren haben Sie Ihre deutlich jüngere Lebenspartnerin geheiratet. Ist das Alter für Sie nur eine Zahl?

Forcher: Schön wäre es, das würde mein Arzt nicht unbedingt bestätigen. Ich fahre jetzt in den Urlaub und dann zur Kur, denn es gibt das ein oder andere altersbedingte Wehwehchen. Aber vom Kopf her bin ich sicher jung geblieben, ich habe ja auch so viel mit Jüngeren zu tun.

Auffallend bei Ihrer Biographie ist, dass Sie vier Jahre Sonderschullehrer in Wien waren und am Tag Ihrer Pragmatisierung gekündigt haben und nach Amerika gegangen sind. Was waren die Gründe dafür?

Forcher: Ich wusste, dass mich dieses Leben, wenn ich so weitermache, nicht glücklich machen wird. Ich habe alles hinter mir gelassen und bin ohne richtigen Plan nach Amerika gegangen. Nach drei Monaten waren meine Ersparnisse aufgebraucht und ich bin schon auch mal mit Junkies in der Suppenküche angestanden. Dann habe ich mir selber das Gitarre spielen beigebracht und wusste, dass ich bei meiner Rückkehr nach Österreich eine Band gründen würde und, dass Musik das Hauptthema meines Lebens sein wird. Das war dann auch so. Seitdem weiß ich, wenn du für etwas wirklich brennst, wird Gutes passieren und der Erfolg ist unausweichlich.

Sie sind gebürtiger Lienzer und ein bisschen Dialekt hört man bei Ihnen, auch nach über 40 Jahren in Wien, immer noch raus.

Forcher: Das finde ich auch schön so. Ich finde es nicht gut, wenn man sich zu sehr anpasst. Früher habe ich sogar Osttirolerisch gesungen.

Wie oft sind Sie in Osttirol?

Forcher: Mehrmals pro Jahr. Meine Eltern leben ja leider nicht mehr, aber meine Schwestern besuche ich regelmäßig in Osttirol.

Werden Sie sich „Solid Gold“ weiter anhören?

Forcher: Nein, eher nicht. Das würde mich vielleicht doch traurig stimmen. Außerdem freue ich mich darauf, nach 19 Jahren die Sonntagabende so zu gestalten, wie ich es möchte. Mit Freunden treffen oder was auch immer, das war ja nie möglich. Benny Hörtnagl bekommt eine große Chance. Ich drücke ihm die Daumen.

Das Interview führte Denise Neher