Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 17.09.2019


Zeitzeugen

Herlinde Molling und Südtirol: Freiheitskämpferin als Zeitzeugin

Zeitzeugin aus Innsbruck erzählt über ihr mutiges Engagement im Freiheitskampf.

Herlinde Molling schließt am Montag die siebente Staffel der Zeitzeugen-Gespräche ab.

© NindlerHerlinde Molling schließt am Montag die siebente Staffel der Zeitzeugen-Gespräche ab.



Innsbruck – Am Montag, 23. September, wird im Großen Saal des Hauses der Musik in Innsbruck das letzte Kapitel der siebenten Auflage der Serie „Zeitzeugen im Gespräch“ geschrieben. Gast von Autor Bernhard Aichner ist ab 19 Uhr Herlinde Molling. Veranstaltet wird die Interview-Reihe von Land Tirol, ORF-Landesstudio Tirol und Tiroler Tageszeitung.

Die gebürtige Innsbruckerin ist ausgebildete Restauratorin und Kunsthistorikerin. Einen Namen machte sie sich in den Sechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts, als sie sich gemeinsam mit ihrem Mann, dem akademischen Bildhauer Klaudius Molling, im Südtiroler Freiheitskampf engagierte. Als Mitglied im Befreiungsausschuss Südtirol (BAS) leistete sie Widerstand gegen die fortschreitende Italienisierung Südtirols.

In ihrem Buch „So planten wir die Feuernacht – Protokolle, Skizzen und Strategiepapiere aus dem BAS-Archiv“ (Edition Raetia, Bozen, 2011 – ISBN 978-88-7283-406-0) erzählt Molling aus ihrer Sicht über die Vorgänge von damals. Gemeinsam mit ihrem Mann lieferte sie zehn Jahre lang Waffen und Sprengstoff nach Südtirol, mehrfach brachte sie selbst Sprengladungen an, um Strommasten in die Luft zu jagen. Höhepunkt dieser Anschläge war bekanntlich die berühmte Feuernacht vom 11. auf den 12. Juni 1961, als die BAS-Aktivisten 37 Strommasten sprengten und damit die Stromversorgung der oberitalienischen Industriezentren und der Bozner Industriezone lahmlegten.

Bei den Fahrten über den Brenner ging sie jedes Mal ein hohes Risiko ein. Meistens transportierte sie die heiße Ware in ihrem Karmann-Ghia, einem sportlichen Cabrio von VW. Einmal, schrieb Manuel Fasser in einem Artikel für Die Zeit, sei sie mit ihren Kindern im Auto, das voll beladen mit Sprengstoff und Waffen war, von Carabinieri angehalten worden. Die Staatsschützer hätten, ihre automatischen Waffen im Anschlag, den Wagen umstellt und kontrollierten den Pass, den sich Molling von einer Freundin ausgeliehen hatte. „Ich hab’ mit den Carabinieri geschäkert und einer hat mich gefragt, ob ich am Abend etwas vorhabe. Ich habe auf meine Kinder gewiesen und dann ließ er mich fahren.“ Zum Abschied habe Molling den Carabinieri noch zugewinkt. Dann sei sie einige Kilometer weitergefahren. „Sie parkte in einer Obstplantage, holte den Sprengstoff aus dem Kofferraum, befestigte ihn an einem Strommast, machte den Zünder scharf und begab sich auf den Heimweg. Einfach so.“, schrieb Fasser im Juni 2011.

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Über diese spannende Zeit und ihre Beweggründe, sich derart zu engagieren, wird Herlinde Molling im Gespräch mit Bernhard Aichner erzählen. Auch die unterschiedliche Einschätzung der Konsequenzen der Attentatsserie werden zur Sprache kommen: Für die einen war der Südtiroler Freiheitskampf der erste und wichtigste Schritt auf dem Weg zur Autonomie, für die anderen hat er die Verhandlungen lediglich verzögert und erschwert. Auch unter Historikern ist der politische Wert der Anschläge umstritten.

Der Eintritt zum „Zeit­zeugen“-Gespräch zwischen Herlinde Molling und Bernhard Aichner ist frei. Zählkarten sind ab sofort beim Kassa- & Aboservice im Haus der Musik, Universitätsstraße 1, sowie online unter www.haus-der-musik-innsbruck.at erhältlich. (TT)


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