Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 26.09.2019


80. Geburtstag

Der coolste Altbürgermeister im Bezirk Schwaz ist aus Zell

Der Zeller Altbürgermeister Walter Amor ist 80 Jahre alt, Urgroßvater, aktiver Pilot und fährt eine lila Harley Davidson.

Letzte Woche flog Pilot Walter Amor nach Frankreich.

© AmorLetzte Woche flog Pilot Walter Amor nach Frankreich.



Von Angela Dähling

Zell a. Z. – 80 Jahre. Das klingt für viele nach Krückstock und Ofenbank. Wer Walter Amor kennt, wird umdenken. Der 80-Jährige ist gerade von einer Flugreise mit Freunden aus Frankreich zurück. Geflogen ist er das Kleinflugzeug wohlgemerkt selbst. Der Zeller Altbürgermeister ist Mitglied des „Flugsportzentrums Tirol“, hat für zehn verschiedene Flugzeugtypen ein Rating gemacht – also eine Flugberechtigung – und über 200 verschiedene Flughäfen in Europa angeflogen. Auch in Nordafrika (Tunesien) ist der gelernte Uhrmacher schon gelandet. „Im Oktober 1969 – vor genau 50 Jahren – habe ich mit dem Fliegen begonnen“, erzählt er.

Früher waren es Cessnas und Piper, mit denen er abhob, jetzt ist es u. a. der österreichische Flugzeugtyp Diamond Star, der ihn mit vergleichsweise wenig Treibstoff gemeinsam mit Freunden die schönsten Plätze Europas erkunden lässt. „Meine Frau Toni fliegt lieber mit den großen Maschinen. Und ich würde nie jemanden überreden mitzufliegen“, sagt er. Da ruckle es schon mal durch die Thermik. In kritische Situationen sei er aber noch nie gekommen, sagt der Sichtflieger, der nie bei Schlechtwetter in die Luft geht und lieber einen Zwischenstopp und eine Nächtigung mehr einkalkuliert, als sich einem zu hohen Wetterrisiko auszusetzen.

Auch mit seiner lila Harley sorgt er für Aufsehen.
Auch mit seiner lila Harley sorgt er für Aufsehen.
- Amor

„Das Fliegen taugt mir, weil man immer gefordert ist. Schon bei den Vorbereitungen. Und kein Flug ist wie der andere“, sagt er. Planen, Organisieren, immer wieder etwas Neues lernen, immer dranbleiben, immer bereit, Verantwortung zu übernehmen und auch beim größten Abenteuer an die Sicherheit denken – das scheint neben einem jungen Freundeskreis Walter Amor fit zu halten und sein Leben zu prägen. Mit 32 Jahren wurde er jüngster Bürgermeister Tirols. Als er 70-jährig 2009 zurücktrat, war er der damals längstdienende Gemeindechef Tirols. „Dabei wollte ich nie in die Politik“, resümiert der Zeller Ehrenbürger, der auch eine Periode lang im Tiroler Landtag saß.

Der Vater von „Zillertaler Haderlump“ Vitus und dessen Schwester Christina gilt als „Sir“ und Gentleman der alten Schule. Nie polternd, von sich aus lieber in der zweiten Reihe. In die erste wurde er meist durch andere gestellt: Das war schon 1971 so, als er als Ersatzgemeinderat zum Bürgermeister gewählt wurde, obwohl es Gemeinderäte gab, die das Amt gerne bekleidet hätten. Seine Frau wollte er nach der Wahl durch den Gemeinderat nachts nicht wecken. „Ich flog tags drauf um 5 Uhr nach Basel. Sie erfuhr von anderen, dass ich Bürgermeister geworden bin, und war ganz von den Socken“, erinnert er sich schmunzelnd. „Und ich hatte keine Ahnung vom Bürgermeisteramt, nahm das aber sehr ernst. Mit zwei weiteren Kollegen ließ ich mich deshalb zweimal wöchentlich vom Juristen der BH in Rechtskunde einweisen.“ Später übernahm er die Leitung in diversen Gemeindeverbänden (Altersheim, Abwasser, Hauptschule). Die Ziller-Regulierung, die Verbauung des einstigen Überschwemmungsgebiets in Zell mit Schulen und Sportstätten, den Bau der Kläranlage in Strass u. v. m. bestimmte er mit. Dennoch blieb er ein Abenteurer. Kein Wunder daher, dass sich Walter Amor mit 60 eine lila Harley kaufte und das E-Bike, das er zum 70. Geburtstag bekam, wieder verkaufte. Amor: „Ich trete lieber selber, aber fahre inzwischen nur im Flachen. Nicht übertrieben Sport zu machen, hält nämlich auch jung.“

Der Zillertaler mit seiner Tochter Christina und Urenkel Johannes.
Der Zillertaler mit seiner Tochter Christina und Urenkel Johannes.
- Amor

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