Letztes Update am Mo, 02.09.2013 10:10

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Prozess

Zwei 18-Jährige bei Unfall im Flachgau getötet: Lenkerin verurteilt

Die zwei damals 18-jährigen Mädchen waren im Wagen gesessen, den die Angeklagte gelenkt hatte. Das Auto geriet ins Schleudern und stürzte in einen Bach. Die 19-jährige Studentin wurde wegen fahrlässiger Tötung zu drei Monaten auf Bewährung verurteilt.

© thomas boehm(Symbolfoto)



Oberndorf, Nußdorf - Drei Monate bedingte Haft wegen fahrlässiger Tötung: Dieses Urteil hat eine 19-jährige Angeklagte, die am 12. Mai 2012 einen tödlichen Verkehrsunfall in Nußdorf im Flachgau verursacht hat, bei einem Prozess am Bezirksgericht Oberndorf heute, Montag, auch angenommen. Besonders tragisch: Bei den Todesopfern handelte es sich um zwei Freundinnen der geständigen Studentin. Die zwei damals 18-jährigen Mädchen waren im Wagen gesessen, den die Angeklagte gelenkt hatte. Das Auto geriet ins Schleudern und stürzte in einen Bach.

Die Angeklagte wirkte bei der Gerichtsverhandlung gefasst. Sie hatte nach dem Unfall, bei dem sie selbst verletzt wurde, mit schweren psychischen Problemen zu kämpfen. „Meine Mandantin ist geständig. Es tut ihr überaus leid“, sagte ihr Verteidiger, Rechtsanwalt Kurt Jelinek. Weil sich die 19-Jährige voll geständig zeigte, hat Richter Thomas Prammer heute nicht mehr jedes Detail des schrecklichen Unfalls erörtern lassen. Das Urteil ist aber nicht rechtskräftig, weil Bezirksanwalt Björn Schnitzhofer keine Erklärung abgegeben hat.

Erhöhte Geschwindigkeit auf regennasser Fahrbahn

Ausschlaggebend für die Verurteilung war die erhöhte Geschwindigkeit, mit der das Auto auf der regennassen Fahrbahn unterwegs war. Laut Strafantrag fuhr die Lenkerin 90 bis 98 km/h, erlaubt waren aber nur 70 km/h. Die Staatsanwaltschaft hatte der jungen Frau mangelnde Vorsicht und Aufmerksamkeit im Straßenverkehr vorgeworfen.

Der Pkw war gegen Mitternacht auf der Göminger Landesstraße in einer Rechtskurve auf die Gegenfahrbahn geraten. Das Auto durchbrach eine Schutzplanke, hob wie auf einer Schanze ab und landete auf dem Dach liegend im 1,80 Meter tiefen Bachbett. Die Lenkerin, sie war damals ebenfalls noch Schülerin, konnte den Wagen trotz ihrer Verletzungen noch aus eigener Kraft verlassen und die Rettungskräfte alarmieren. Ihre beiden Freundinnen blieben bis zu ihrer Bergung unter Wasser. Sie wurden reanimiert, starben aber wenig später im Krankenhaus. Die Lenkerin hatte auch noch einen schweren Schock erlitten.

Anwalt sprach von Fahrfehler aufgrund mangelnder Erfahrung

Die Beschuldigte hatte am 30. August 2011 einen Probeführerschein erhalten. Ihr Anwalt sprach von einem Fahrfehler aufgrund mangelnder Erfahrung, der einen tragischen, schicksalhaften Verlauf genommen habe. Der Schuldspruch erfolgte im Sinne des Strafantrages mit Ausnahme eines georteten Verstoßes gegen das Kraftfahrgesetz und einer mangelnden Fahrpraxis, die der Beschuldigten von der Anklagebehörde vorgeworfen worden war. Der Richter meinte, diese beiden Faktoren seien „nicht nachweisbar unfallkausal“.

Alle drei Freundinnen waren bei dem Unfall angegurtet. Zwei von ihnen hatten gerade erst die schriftliche Matura an einem Salzburger Gymnasium absolviert. Bei dem Prozess wurde jedem Elternteil der verstorbenen Schülerinnen ein Teiltrauerschmerzensgeld von 5.000 Euro zugesprochen, in Summe 20.000 Euro. Die Probezeit für die Verurteilte beträgt drei Jahre. Eine bedingte Haftstrafe von drei Monaten scheint bei jungen Erwachsenen im Führungszeugnis nicht auf. Der Strafrahmen ist für unter 21-Jährige im Falle einer fahrlässigen Tötung mit bis zu sechs Monaten Haft angesetzt. (APA)




Kommentieren