Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 14.08.2015


Landeck

Pians: Hürdenlauf eines Baggerfahrers

Im Flussbett der Sanna lagern noch 12.000 Kubikmeter Geschiebe. Die Gemeinde Pians gab Baggerarbeiten in Auftrag, um Stauraum für die nächste Lattenbach-Mure freizulegen.

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© Wenzel



Von Helmut Wenzel

Pians – Das Geschiebe der Lattenbach-Mure vom Sonntagabend hat sich diesmal zum Großteil im Flussbett der Sanna abgelagert. Die Wassermenge von derzeit rund 16 Kubikmetern pro Sekunde ist allerdings zu gering, um das Geröll in Richtung Inn wegzuschwemmen.

„Das hat in der Vergangenheit nur dann funktioniert, wenn viel Wasser vorhanden war“, weiß der Pianner Bürgermeister Peter Rauchegger. Also gab die Gemeinde sofort Baggerarbeiten in Auftrag, um das Geschiebe – rund 12.000 Kubikmeter – zu räumen. „Die nächste Lattenbach-Mure kommt bestimmt, da muss Stauraum vorhanden sein.“

Abends rückte das Kettenfahrzeug am linken Ufer an, um das Lattenbach-Geschiebe zu räumen. Plötzlich ging nichts mehr, der Bagger versank in einer Schlamm-Mulde.
Abends rückte das Kettenfahrzeug am linken Ufer an, um das Lattenbach-Geschiebe zu räumen. Plötzlich ging nichts mehr, der Bagger versank in einer Schlamm-Mulde.
- Wenzel

Doch bevor der Baggerfahrer mit dem eigentlichen Auftrag beginnen konnte, stand er vor knüppeldicken Hindernissen. Ein Grundstücksbesitzer verwehrte ihm die Durchfahrt zum linken Sanna-Ufer. Das müssten seine erwachsenen Kinder entscheiden. Die Kinder sollen zunächst nicht erreichbar gewesen sein.

Dann versuchte der Fahrer sein Glück am rechten Ufer. Der Grundeigner zeigte Verständnis für die Durchfahrt, obwohl er Flurschäden in Kauf nehmen musste. Am Ufer angekommen war Pause für den Fahrer. Er hätte die reißende Sanna queren müssen – ein gefährlicher Job. Also zurück zum Start. Abends durfte der Mann sein Gerät dann doch vom linken Ufer auf den Murenkegel steuern.

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Damit nicht genug: Kurz nachdem der Fahrer mit den Arbeiten begonnen hatte, geriet er mit dem Bagger auf labilen Boden und sank einen Meter tief ein.

„Das Material wird in die Sanna geschoben, damit es weggeschwemmt wird“, erläuterte Rauchegger. Das habe Pians in Absprache mit dem Flussbauamt in der Vergangenheit immer wieder gemacht. „Vermutlich bleibt trotzdem einiges liegen – bis zum nächsten Hochwasser.“

„Das ist sicher nur die zweitbeste Methode“, räumt Thomas Walch vom Fachbereich Wasserwirtschaft (früher Flussbauamt) in Imst ein. „Eigentlich sollte das Material abtransportiert werden, was in Pians aber schwierig ist.“

Im Dorf gebe es derzeit keine entsprechende Deponie, räumt der Bürgermeister ein. „Die Gemeinde wird dazu ein Grundstück ankaufen müssen.“ Die Kosten der Baggerarbeiten schätzt er auf 50.000 Euro. „Früher ist das aus dem Katastrophenfonds bezahlt worden. Jetzt wird die Gemeinde zu einem Drittel zur Kasse gebeten.“

Auch Rafter und Kajaker, die sich nicht an das Verbotsschild westlich von Pians halten, sind Rauchegger ein Dorn im Auge: „Bootfahren ist bei uns derzeit extrem gefährlich und unverantwortlich.“