Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 11.12.2015


Natur

Ehrenamtliche erhalten Biotop

In Wörgl war ein Info-Abend dem Feuchtgebiet Filz und seinen Bewahrern gewidmet.

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© Spielbacher



Wörgl – Unter dem Motto „Feuchtgebiet Filz – gestern und heute“ stand ein Infoabend im Tagungshaus Wörgl, zu dem die katholische Frauenbewegung geladen hatte. Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer freute sich über das große Publikumsinteresse am Thema Naturschutz und schilderte anhand von Zahlen und Fakten den Verlust von Biodiversität in Tirol. Im Gegensatz zum vielerorts auftretenden Artensterben bildet das Wörgler Feuchtbiotop Filz dank ehrenamtlicher Mitarbeit bei der Landschaftspflege eine artenreiche Oase, die Rückzugsgebiet für eine Fülle bedrohter Pflanzen- und Tierarten ist. Ihren biologischen Reichtum präsentierte Filz-Aktivistin Maria Ringler anhand von über 400 Fotos.

Der Erhalt des Naturjuwels ist der Initiative und dem Engagement der Ökologiegruppe Wörgl, die in den 1980er Jahren den Wert der Filz erkannte, und dem Einsatz ehrenamtlicher Helfer heute zu verdanken.

„Nur was wir kennen, können wir schätzen und schützen“, erklärte Johannes Kostenzer. Die Alpen seien ein Hotspot der Biodiversität, die allerdings zunehmend durch die Wirtschaft bedroht ist. „Jedes Jahr gehen in Tirol 360 Fußballfelder fruchtbaren Bodens durch Versiegelung verloren – das ist alarmierend“, so Kostenzer.

„Ursprünglich hatten wir 7000 kultivierte und gezüchtete Arten – heute liefern 15 Pflanzen- und acht Tierarten 90 Prozent der menschlichen Nahrung weltweit“, erklärt Kostenzer.

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„In Kufstein hat das Springkraut innerhalb weniger Jahre ein Feuchtgebiet flächendeckend zugewuchert“, teilte der Landesumweltanwalt mit. Ein Schicksal, das der Filz nur aufgrund laufenden Entfernens der einwandernden Neophyten bisher erspart blieb.

Als Problemfelder fürs Artensterben in Tirol listete Kostenzer den Kraftwerksbau (es bestehen bereits über 1000 Wasserkraftwerke in Tirol), Skigebietserschließungen, intensive Land- und Forstwirtschaft, Gewässerverbauung, Zerschneidung von Lebensräumen und unzureichenden Schutz von Schutzgebieten auf. „Trotz Schutz ist dort oft viel erlaubt – besser wäre da ein klares Ja oder Nein zum Naturschutz“, so Kostenzer. Naturschutz sei ein langfristiger Prozess, wobei einmal Zerstörtes unwiederbringlich verloren ist: „Man kann Schutzgebiete nicht herumschieben.“

Kostenzer hob überleitend zur Fotoschau von Filz-Aktivistin Maria Ringler die Bedeutung von Magerwiesen für die Artenvielfalt hervor: „Je bunter, desto wertvoller“, betonte er. (vsg)