Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 12.04.2016


Natur

Klimasündern kann bald die Rechnung präsentiert werden

Forschern gelang es, den Anteil des Menschen am Meeresspiegelanstieg festzustellen. Nun wollen sie Klimaschäden den Verursachern zuordnen.

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© ANSA



Innsbruck – Der Meeresspiegel steigt, und er steigt immer schneller. „Drei Millimeter sind es bereits pro Jahr und wir gehen davon aus, dass sich der Anstieg weiter beschleunigt“, sagt Kristin Richter vom Institut für Atmosphärenwissenschaften an der Uni Innsbruck. Sie hat an der internationalen Studie mitgearbeitet, die erstmals belegen kann, welchen Anteil der Mensch daran hat.

„Während wir in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Änderungen beim Meeresspiegel noch mit natürlichen Ursachen erklären können, ist das in der zweiten Hälfte nicht mehr möglich“, sagt Richter. Bis 1950 sei der vom Menschen verursachte Anteil am Anstieg des Meeresspiegels mit etwa 15 Prozent noch klein gewesen. Seit zirka 1970 aber seien schon zwei Drittel des Anstiegs durch menschliche Emissionen verursacht.

Um das herauszufinden, haben die Wissenschafter in den Klimamodellen „einzelne Antriebe ausgeschaltet“, sagt Ben Marzeion, der bis September in Innsbruck forschte und dann an die Universität Bremen berufen wurde. Ein Antrieb für die Abschmelzung von Gletschern und Eisflächen und die Ausdehnung des sich erwärmenden Ozeanwassers ist etwa der CO2-Ausstoß des Menschen. Ein anderer Antrieb – in die entgegengesetzte Richtung – kann ein Vulkanausbruch sein, wieder ein anderer der Anteil an Schmutzpartikeln in der Luft. Diese Aerosole wirken kühlend, während das CO2 zur Erwärmung beiträgt. „Indem man jeden dieser Antriebe einmal aus der Simulation herausnimmt, kann man feststellen, wie sich der Meeresspiegel eben ohne beispielsweise den Menschen oder die Luftverschmutzung entwickelt hätte.“ So konnte man festgestellen, dass der Anstieg des Meeresspiegels zu einem nach wie vor wachsenden Anteil auf den Menschen zurückzuführen ist. Der sei zu einem gewissen Teil aber auch dadurch stärker ausgefallen, weil aufgrund der Luftreinhaltemaßnahmen in den vergangenen 20 Jahren der kühlende Effekt des Feinstaubs geringer wurde, sagt Marzeion.

Mit derartigen Studien sei man auch nicht mehr weit davon entfernt, die vom Menschen verursachten Klimaschäden genau zu identifizieren, wagen die beiden Forscher einen Blick in die Zukunft. Da man ja wisse, wer wann wie viel Kohlendioxid ausgestoßen habe, könnte man theoretisch künftig Rechnungen nach dem Verursacherprinzip ausstellen.

Theoretisch übrigens deshalb, weil Marzeion nicht glaubt, dass dies politisch durchsetzbar wäre. „Das Klimaabkommen in Paris ist ja auch nur zustande gekommen, weil solche Haftungsfragen außen vor gelassen wurden“, sagt der Klimaforscher. Und auch seine Ex-Kollegin in Innsbruck, Kristin Richter, meint etwas pessimistisch: „Das berechnen zu können, würde nur in einer idealen Welt etwas bringen.“ (sta)


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