Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 01.07.2016


Exklusiv

Fünf Steinböcke warten auf ihren Weg in die Freiheit

Die Steinbockpopulation im Hochgebirgs-Naturpark Zillertaler Alpen bekommt Zuwachs aus dem Zoo. Zwei der Jungtiere werden besendert.

© DählingVier Geißen (Bild im Artikel) und ein Bock sollen ausgewildert werden.



Von Angela Dähling

Innsbruck, Ginzling – Will­i Seifert, Geschäftsführer des Hochgebirgs-Naturparks Ziller­taler Alpen, träumt seit zehn Jahren davon, Stein­böcke in „seinem“ Naturpark auszuwildern. Nächste Woche wird der Traum des gebürtigen Franken wahr: Drei Geißen aus dem Nürnberger Zoo sowie eine Geiß und ein Bock aus dem Innsbrucker Alpenzoo sollen dann auf über 2000 Meter Seehöhe im Bereich der Berliner Hütte in die Freiheit entlassen werden.

- Dähling

Mittwoch kamen die drei fränkischen Wildtierdamen in Innsbruck an, um sich hier an ihre beiden Tiroler Art­genossen zu gewöhnen und die Rangordnung festzulegen, damit sie in Freiheit ein Rudel bilden. „Wir hoffen, dass sie sich in spätestens zwei Jahren in die natürliche Population eingegliedert haben“, sagt Seifert. Um das später nachweisen zu können, werden Genproben entnommen. Zudem erhalten der Bock und die stärkste Geiß unter den ein- bis zweijährigen Tieren einen Sender. Ein vierjähriges Monitoring ist geplant, um mehr über das Territorialverhalten der Tiere zu erfahren. „Wir sichten mitunter ein Rudel und sehen es dann monatelang nicht mehr“, schildert Christoph Egger von den Österreichischen Bundesforsten, in deren Gebiet die Zoo-Tiere kommen werden. Derzeit leben rund 80 Stück Steinwild in dem 25.000 Hektar großen Gebiet. „Da könnte es noch ein paar mehr ver­tragen“, weiß Seifert.

Der Bock stellte eindrucksvoll seine Sprungkraft unter Beweis.
- Dähling

Es ist das erste Mal, dass Steinwild in den Zillertaler Alpen besendert wird. Nächstes Jahr sollen drei weitere Böcke und zwei Geißen ausgewildert werden, und auch von ihnen sollen zwei mit einem Sender ausgestattet werden. „Es ist beispielsweise noch ungeklärt, ob sich die Tiere aus unserem Gebiet mit jenen aus dem Nationalpark Hohe Tauern mischen“, erklärt Seifert. „Wenn nach drei Jahren die Batterien leer sind und keine Daten mehr übertragen werden, kann das Senderhalsband per Fernauslöser geöffnet werden“, informiert er. Das bis 2020 angelegte Projekt kostet rund 60.000 Euro, 75 % davon werden aus Talvertragsmitteln berappt. Zwei Geißen haben von den Kindern der Naturparkschulen Brandberg und Tux bereits Namen bekommen: Rosi und Nina.

Im Alpenzoo sind Aus­wilderungen nichts Neues. Rund 260 habe es in den letzte­n 30 Jahren gegeben, erklärt Zoodirektor Michael Martys. Jetzt sollen die fünf Jungtiere so wenig Kontakt wie möglich mit Menschen haben. Deshalb werden sie abgeschirmt hinter dem eigentlichen Steinbockgeheg­e gehalten. „Am Tag vor der Auswilderung werden sie narkotisiert, nochmals ärztlich untersucht und dann in die Tranportkisten gelegt“, schildert Martys. Eine aufwändige rund fünfstündige Reise inklusive Materialseilbahnfahrt steht ihnen nächst­e Woche auf dem Weg in die Freiheit bevor.

Alpenzoo-Direktor Michael Martys (2. v. l.) mit der Zillertaler Steinbock-Delegation Christoph Egger (Bundesforste), Naturpark-GF Willi Seifert und Jagd- und Almpächter Hans-Peter Pendl (v. l.).
- Dähling

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