Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 16.07.2016


Bezirk Landeck

Sturm machte Bannwald zu einer Mondlandschaft

30 Hektar Wald hat ein Sturm im letzten Jahr in Pfunds umgelegt. Der abgelegene Weiler Greit hat dadurch Teile seines Schutzwaldes verloren. Heuer wird mit 49.000 Pflanzen wiederaufgeforstet.




























Ein Sturm legte im Greiter Bannwald letztes Jahr 20 Prozent der Bäume um.

© Wille


























Ein Sturm legte im Greiter Bannwald letztes Jahr 20 Prozent der Bäume um.



Von Matthias Reichle

Pfunds – Bürgermeister Rupert Schuchter beobachtete vom gegenüberliegenden Hang, wie starke Bäume knickten wie Streichhölzer. „In den Tschey-Wiesen sind die Dächer von den Hütten davongeflogen“, erinnert er sich an eine gespenstische Stimmung um die Mittagszeit des 17. September 2015.

Vor knapp einem Jahr hat ein Sturm, der direkt über dem Weiler Greit aufgefahren ist, rund 30 Hektar der Pfundser Wälder niedergemäht. Am schlimmsten betroffen ist der Greiter Bannwald, der den darunter liegenden Ortsteil vor Lawinen und Steinschlag schützt. 20 Prozent der Bäume hielten dem Wind nicht stand. Von einer echten „Katastrophe“ spricht der Pfundser Dorfchef und Waldaufseher.

Bürgermeister Rupert Schuchter beobachtete das Ereignis.
Bürgermeister Rupert Schuchter beobachtete das Ereignis.
- Reichle

Die bis zu 80 Grad steilen Hänge wirken noch heute wie eine Mondlandschaft. „Wir haben sofort am nächsten Tag mit den Aufräumungsarbeiten begonnen“, betont Schuchter – heuer im Frühjahr konnten dann auch die Aufforstungen losgehen. „Wir haben 49.000 Pflanzen bestellt.“ 20.000 davon wurden bereits in den kahlen Gebieten über Greit gesetzt.

„Ich möchte möglichst schnell wieder einen Schutz“, betont Schuchter. Es ist ein sehr sensibles Gebiet, in dem die Wildbach- und Lawinenverbauung seit rund 30 Jahren immer wieder Aufforstungen durchgeführt hat, um den überalterten Wald zu verjüngen. Vor Jahren wurden die Projekte ausgesetzt, weil Wildverbiss zum Problem wurde. Das habe man nun wieder im Griff und es sei kein Problem für die Arbeiten, betont Schuchter.

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Bis jedoch die jungen, frischgesetzten Pflanzen groß genug sind, um Schutz zu bieten, wird es mehrere Jahre dauern. In der Zwischenzeit überlegt man, einen mobilen Steinschlagzaun aufzustellen. Auch Schneeschutzzäune sind im Gespräch. Zusätzlich hat man Stämme stehen gelassen, um einen Lawinenschutz zu gewährleisten.

„Ich bin seit 34 Jahren Waldaufseher, aber so etwas habe ich noch nie erlebt“, zieht Schuchter Bilanz über das Ereignis. Nicht nur Greit war betroffen, auch am Greiter Sattel und im Geißtal oberhalb der Tschey-Wiesen fielen die Bäume.

Obwohl man heuer bereits im Februar wieder mit den Aufräumarbeiten beginnen konnte, ist man immer noch nicht fertig. 12.500 Festmeter Holz wurden inzwischen abtransportiert – großteils mit bis zu 1000 Meter langen Seilbahnen. Es werden noch einige tausend Festmeter dazukommen, ist Schuchter überzeugt. Am Greiter Sattel wurde ein eigener Bringungsweg errichtet. Viel Unterstützung habe man von der Bezirksforstinspektion erhalten. Auch der Landeskatastrophenfonds greift der Gemeinde finanziell unter die Arme. Die Kosten kann der Dorfchef freilich noch nicht abschätzen. Allein die Aufforstung wird an die 150.000 Euro kosten.