Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 30.09.2016


Natur

Sanna-Region erwartet Schutz vor Naturgefahren

Die Aufarbeitung der Muren vom 10. September bleibt eine längerfristige Aufgabe. Die Bevölkerung ist zum TT-Forum am 4. Oktober eingeladen.

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© Wenzel



Von Helmut Wenzel

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Landeck, Grins, Pians, Strengen – Die Muren vom 10. September haben materielle Schäden von sieben Mio. Euro in Grins, Pians und Strengen hinterlassen. Weil die Grinner Mühlbach-Mure die Sanna blockierte und für einen 300 Meter langen Rückstau sorgte, musste gegen 20.30 Uhr Zivilschutzalarm ausgelöst werden. Entscheidungsträger sahen Landeck von einer Flutwelle bedroht.

Dank des großartigen Einsatzes von Feuerwehrleuten, Soldaten, Rotkreuz-Teams, Vereinen, Hausfrauen und zahlreichen Freiwilligen schritten die Aufräumarbeiten rasch voran. Die gröbsten Schäden im Grinner Gewerbegebiet waren eine Woche danach beseitigt. Trotzdem sind sich Experten einig: Die Aufarbeitung der Muren und damit die Eindämmung von Naturgefahren bleibt eine längerfristige Aufgabe in der Sanna-Region – darin sind sich Experten einig.

Gestern Donnerstag, knapp drei Wochen nach Abgang der Mühlbach-Mure (Grins), Lattenbach-Mure (Pians) und Dawinbach-Mure (Strengen) zog die Wildbach- und Lawinenverbauung (WLV) mit Gebietsbauleiter Gebhard Walter eine Zwischenbilanz. „Die Sanna muss tiefergelegt werden. Die Bagger werden auch in den kommenden Wochen im Einsatz sein. Im Flussbett liegen noch Unmengen an Geschiebe. Auch der Lattenbach hat vieles beigesteuert.“ Das „Material“ müsse gelagert werden, Behörden und Grundbesitzer hätten konstruktive Arbeit geleistet.

Nach einem Erkundungsflug per Hubschrauber seien an allen drei Bächen teils massive lokale Schäden an Kraftwerken, Wasserfassungen und Sicherheitsbauten dokumentiert worden. „Da muss sehr vieles instand gesetzt werden“, resümiert Walter. Für Pians werde ein neues Sicherheitskonzept überlegt, eine der Lattenbach-Brücken müsse umgebaut werden. Am Dawinbach habe die Mure vor allem im Mittellauf „große energetische Prozesse“ in Gang gesetzt und viel Geschiebe talwärts bewegt.

Mit allzu raschen Lösungen für die Mühlbach-Anrainer und die Betriebe im Gewerbegebiet kann der WLV-Experte nicht dienen. „Es geht darum, das Gebiet nachhaltig zu schützen.“ Die Erwartung, wonach die WLV und die Abteilung Schutzwasserwirtschaft einen massiven Schutzdamm planen und umsetzen sollen, sei zwar verständlich, aber nicht von heute auf morgen machbar. „Wir haben kürzlich eine Variantenstudie in Auftrag gegeben, um alle baulichen Möglichkeiten zu prüfen.“ Voraussetzung für das Damm-Projekt sei ein „sauberes Genehmigungsverfahren“, niemand dürfe benachteiligt werden, hob der WLV-Experte hervor.

Auch die Bezirksfeuerwehr mit Kdt. Hermann Wolf zog Bilanz: In Grins, Strengen und Pians standen 53 Feuerwehren aus Landeck, Imst und Reutte mit 154 Fahrzeugen und 884 Männern im Einsatz, 9873 Stunden wurden geleistet. Rechnet man die Arbeit der Soldaten und Rotkreuz-Teams dazu, kommt man auf rund 15.000 Stunden.

Vor diesem Hintergrund lädt die TT am Dienstag, 4. Oktober, Beginn um 19.30 Uhr, zur Podiumsdiskussion im Stadtsaal. Chefredakteur Alois Vahrner heißt Siegfried Sauermoser (WLV), BH Markus Maaß, Feuerwehrkommandant Hermann Wolf, die Bürgermeister Thomas Lutz (Grins) und Wolfgang Jörg (Landeck) willkommen. Für Sie, liebe Leser, gilt wie immer beim TT-Forum: Kommen Sie, informieren Sie sich und stellen Sie bitte Fragen.