Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 21.10.2016


Osttirol

Profiblicke auf den Baumbestand

3152 Bäume wachsen derzeit in Lienz auf städtischem Grund. Die exakte Dokumentation liefert Erkenntnisse, um richtige Maßnahmen für Pflege, Schutz und Verkehrssicherheit zu treffen.

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© Funder



Von Claudia Funder

Lienz – Die Männer schreiten Baum für Baum ab, umrunden sie. Ihre Augen wandern dabei prüfend von der Wurzel über den Stamm bis zur Krone, Notizen landen im Laptop. Hinter den Blicken steckt System und viel Erfahrung.

Auch heuer war ein vierköpfiges Team der Abteilung Forst und Garten unter der Leitung von Martin König wieder zwei Monate für die Baumdokumentation auf den Beinen. Seit 2002 wird im Rahmen des speziell für Lienz konzeptionierten Baumkatasters der Bestand detailliert erfasst. Der Maßnahmenkatalog zum Schutz und zur Pflege sowie – im Fall der Fälle – zur Fällung wird ständig fortgeschrieben. Schritte, die auch mit Bildmaterial dokumentiert werden.

Nun liegen die brandaktuellen Daten auf dem Tisch. „In der Lienz gibt es derzeit 3152 Bäume auf städtischem Grund“, erklärt Martin Walder im Gespräch mit der TT. Erstaunlich ist die hohe Anzahl an unterschiedlichen Sorten: nämlich 113. Die Nase vorn hat der Ahorn mit 712 Bäumen vor der Linde mit 492 und der Kastanie mit 282 Exemplaren. „Rosskastanien werden wegen der Miniermotte kaum noch gesetzt“, betont Walder. Wenn, dann entscheide man sich für die weniger empfind­liche fruchtlose Kastanie. Auch Nadelbäume werden nur noch begrenzt gepflanzt. „Sie werden meist sehr groß und oft hinsichtlich mangelnder Stabilität dann zum Problem“, weiß Martin König.

Seit dem Jahr 2000 wurden auf städtischem Grund 740 Jungbäume gepflanzt. Dabei wagte man auch den Griff zu einigen „Exoten“. So bereichern etwa der Lebkuchenbaum oder der japanische Schnurbaum das Stadtbild. Man probiert, was sich gut entwickeln könnte. Und achtet beim Setzen besonders darauf, dass ein Baum auch zum Standort passt. „Entlang von Straßen und zwischen Häusern entscheiden wir uns für Arten mit kompakten Kronen oder solchen in Säulenform“, so Walder. Auf Plätzen und auf Grünflächen darf es hingegen auch einmal eine ausladende Variante sein. „Seit zehn Jahren führen wir die Jungbaumpflege durch – so kann auch der Wuchs der Krone gelenkt werden“, verrät Walder.

In puncto Sicherheit wurde seit der Etablierung des Baumkatasters ein gehöriger Sprung nach vorn gesetzt. Mit den maßgeschneiderten Aktionen hat sich der Zustand des Baumbestandes massiv verbessert. „Dürre Äste, die auf die Straße fallen, gibt es selbst bei Sturm kaum noch“, berichtet Martin Walder.

Die genaue Übersicht über Anzahl und Zustand der Bäume samt Bild- und GIS-Einträgen ist die optimale Basis für die Pflege und weitere Maßnahmen. Bäume werden alt, können Krankheiten bekommen, Faulstellen bilden, aber auch bei Bauarbeiten Schaden erleiden. Dazu möchte König ein Anliegen kundtun: „Bevor Baustellen begonnen werden, wünschen wir uns mehr Kommunikation.“ Dann könnte manch zusätzlicher Baum gerettet werden.

Die Exemplare auf Stadtgrund tragen kleine Plaketten mit Nummern. Sie werden nach den regelmäßigen Kontrollen bewertet. Die Bestnote ist 0, Bäume mit Bewertung 4 – derzeit trifft sie auf 18 Bäume zu – werden besonders engmaschig überprüft, ob eine Empfehlung zur Fällung nötig ist. „Etwa die Hälfte von ihnen muss man in absehbarer Zeit entfernen“, so König. Seit 2003 gab es 757 Fällungen.

Einen Sonderstatus weisen übrigens so genannte Naturdenkmäler auf. In Lienz gibt es laut den aktuellen Daten derzeit zehn dieser speziell ausgewiesenen Bäume, etwa im Schlosspark oder vor der Michaelskirche, der Angerburg und dem Klösterle. Sollte eine Fällung unausweichlich werden, muss vorher der Naturdenkmalschutz per Bescheid aufgehoben werden.