Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 24.02.2017


Südtirol

Zwei Wölfe im Gadertal unterwegs

Auf einer Skipiste in Südtirol bei Corvara tappten zwei Wölfe in die Fotofalle.

null

© Tschaffert



Gadertal, Bozen – Dass in vielen Wintersportorten in den Nächten der Bär steppt, ist eigentlich nichts Ungewöhnliches. Doch was sich derzeit bei Corvara in Südtirol, gerade einmal rund 50 Kilometer Luftlinie von der Grenze zu Osttirol entfernt abspielt, hat mit Après-Ski und Hüttengaudi nichts zu tun: Dort sind nämlich die Wölfe los.

Bereits vor mehreren Wochen hatte Verbandsjagdaufseher Hubertus Tschaffert den Verdacht geäußert. Denn ihm waren Spuren auf der frisch präparierten Skipiste „Pralongià“ bei Corvara – sie liegt nahe der Grenze zu Belluno in der Nähe des Campolongopasses – aufgefallen, die denen eines großen Hundes ähnelten. Wie die Südtiroler Tageszeitung Dolomiten in ihrer Ausgabe am Donnerstag berichtete, fand ein Lift­arbeiter später in nächster Nähe ein gerissenes Reh. Und Tschaffert sah sich die Stell­e samt Kadaver genauer an: Die Beute war so zugerichtet, dass sich der Verdacht auf Wölfe verdichtete – und auch die Spuren im Schnee passten erneut zu großen hundeartigen Tieren. Zwei Wochen später wurde wieder ein gerissenes Reh gefunden, nur wenige Meter vom ersten Fundort entfernt. Tschaffert montierte daraufhin eine Fotofalle – und die Tiere tappten hinein.

„Das Amt hat mittler­weile bestätigt, dass es sich um zwei Wölfe handelt“, sagt Tschaffert und spricht in diesem Zusammenhang von einer kleinen Sensation. Noch sei allerdings nicht klar, ob es sich bei den beiden um ein Pärchen handelt, oder ob die zwei vielleicht Geschwister sind, die (noch) zusammen auf nächtlichen Beutezug gehen. Unklar ist außerdem, welches Geschlecht die Tiere haben. Mittlerweile wurden aber Proben gesammelt und eingeschickt, ein Ergebnis soll bis Ende nächster bzw. Anfang übernächster Woche vorliegen. Dann könne man auch sagen, ob es sich bei den beiden um ein Wolfspaar handelt, erklärt Jagdaufseher Tschaffert.

Dass sich die beiden Wölfe auch tagsüber im Gadertal aufhalten, hält er für unwahrscheinlich. „Das ist ein Skigebiet, da ist tagsüber durchaus Bewegung, und das stört die Tiere. Es wäre untypisch für einen Wolf“, sagt er. Tschaffert geht daher davon aus, dass sich die Tiere untertags ins benachbarte Belluno zurückziehen und nur hin und wieder im Gadertal vorbeischauen. „Im Sommer, wenn in unserem Gebiet noch mehr Bewegung ist, bleiben sie sicher im Belluno“, prophezeit er. Auch eventueller Wolf-Nachwuchs macht den Jagdaufseher nicht nervös. „Gerade mit Welpen suchen sich die Wölfe ein ruhigeres Gebiet und sicher nicht unseres“, beruhigt er.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Bei den beiden handelt es sich übrigens nicht um die ersten Wölfe im Gadertal: Im Winter 2012/2013 war hier „Slavko“ unterwegs, ein in Slowenien mit einem Peilsender ausgestatteter Wolf, der zuvor auch in Kärnten nachgewiesen werden konnte. (TT)