Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 08.03.2017


Landeck

Den Piezen auf den Grund gegangen

Das Projekt „Wasserwelt Trams II“ geht in die zweite Phase. Heuer wollen die Naturschützer vier Landecker Piezen vor dem Verschlammen bewahren. Der Kulturschatz droht zu verlanden.

Der Zweidockner nach der Revitalisierung im Oktober 2016.

© Wolfgang EggDer Zweidockner nach der Revitalisierung im Oktober 2016.



Von Matthias Reichle

Landeck – „Die Trams ist europaweit einzigartig“, erklärt der Landecker Biologe Wolfgang Egg. „Auf drei Quadratkilometern gibt es dort 40 Piezen.“ Piezen, das sind alte Bewässerungsteiche, die von Menschenhand errichtet wurden, um die Felder im Umkreis mit dem nötigen Nass zu versorgen. Inzwischen von der Landwirtschaft immer weniger genutzt, sind sie vor allem für die Natur ein Schatz, der Lebensraum für viele seltene Arten geworden ist. 100 Stück gibt es im Talkessel.

Eine dicke Schlammschicht liegt unter dem wenigen Wasser, das für die Ausbaggerungen abgelassen worden ist.
Eine dicke Schlammschicht liegt unter dem wenigen Wasser, das für die Ausbaggerungen abgelassen worden ist.
- Wolfgang Egg

Doch das Idyll täuscht. Ohne Pflege verschlammen sie zusehends. Vergangenes Jahr startete Egg mit seinem Mitstreiter Franz Huber das Projekt „Wasserwelt Trams II“, das vom Land finanziert wird. Über zehn Piezen sollen dabei ausgebaggert und revitalisiert werden. Inzwischen wurden in Galpeins drei Weiher saniert, berichtet Egg. Priorität hatten die Erlenpieze und der Zweidockner, auch Franzosenweiher genannt, der für seine Grasfrösche und den seltenen Fieberklee bekannt ist, wie der Biologe schwärmt. Eine Überraschung erlebte sein Team im Weiher Galpeins I. „Wir fanden dort über 300 Edelkrebse.“ Wie auch die Fische wurden die seltenen Tiere eingefangen und in anderen Teichen „zwischengelagert“. Als „Baggerengel“ bezeichnet Egg die beiden Arbeiter Benjamin Köhle und Norbert Jäger, die mit „unglaublichem Feingefühl“ vorgegangen sind. „Wir haben dabei geschaut, möglichst viel Schlamm herauszuholen“, so Egg. An manchen Stellen war die Schicht über einen Meter dick.

Gleichzeitig hat man die Weiher mit einem neuen Abfluss versehen, der mittels Keilschieber geöffnet wird, erklärt Eggs Kompagnon Huber. „Wir können nun alle Piezen ablassen.“ Der Schlamm wird vom Wasser mitgeschwemmt und kann gar nicht mehr so hoch anlanden.

Fürs heurige Frühjahr hat sich die Truppe nun vier Piezen in Grillegsang vorgenommen. Besonders interessant ist dort die Obere Moospieze mit einer Wasserfläche von 250 Quadratmetern. „Wir wollen sie wieder als Bewässerungssystem reaktivieren“, betont Huber. Von dort können etliche Beregnungsanlagen gespeist werden. Es soll ein „Vorzeigeprojekt“ werden, wie beide betonen. Demnächst werden die Grundeigentümer zu einem Lokalaugenschein geladen, geplanter Baustart ist Mitte April.

„Es wird sicher eine Schlammschlacht“, kommentiert Huber mit einem Augenzwinkern. Zusätzlich soll heuer im Auftrag der Stadt der Siglweiher ausgebaggert werden. „Dort ist Gefahr im Verzug“, betont Egg. Vergangenen Oktober gab es dort noch eine Algenblüte, nun droht der Teich komplett zu kippen. „Der stinkt gewaltig.“

Ein Problem sieht Egg vor allem beim Amphibienrückgang auf der Trams. Er regt eine Studie an, um einen Handlungsleitfaden zu erarbeiten. Auch der Fortbestand der Edelkrebse, die beinahe in ganz Europa aufgrund der Krebspest ausgestorben sind, macht ihm Sorgen. Er hofft, das seltene Tier auch in anderen Weihern rund um Land­eck ansiedeln zu können, um das Risiko einer Ansteckung zu minimieren.

 In einer Pieze wurden 300 Stück der seltenen Edelkrebse entdeckt und für die Arbeiten erfolgreich umgesiedelt.
In einer Pieze wurden 300 Stück der seltenen Edelkrebse entdeckt und für die Arbeiten erfolgreich umgesiedelt.
- Wolfgang Egg