Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 11.04.2017


Bezirk Kufstein

„Pflegefall“ Filz ist ein tirolweites Vorbild

Das Wörgler Biotop Filz ist ein Naturjuwel und gilt als Vorbild für Pflege und Erhalt von seltenen Tier- und Pflanzengemeinschaften.

Die Filz ist durch viele Pflegemaßnahmen ein Naturjuwel.

© SpielbichlerDie Filz ist durch viele Pflegemaßnahmen ein Naturjuwel.



Wörgl – Die Artenvielfalt in der Filz wäre ohne menschliches Zutun gefährdet. In diesem Bewusstsein kümmern sich freiwillige Helfer rund um Filz-Aktivistin Maria Ringler und Schutzgebietsbetreuer Philipp Larch um die notwendigen Arbeiten. Die menschlichen Eingriffe erfolgen in enger Abstimmung mit Experten und beinhalten die jährliche Mahd im Herbst ebenso wie laufende Pflegemaßnahmen, die das Entfernen von Neophyten wie dem drüsigen Springkraut beinhalten. „Im Herbst wurde mithilfe der Werkbank-Mitarbeiter die Moorfläche händisch entbuscht und in den Randbereichen Weiden und Maulbeerbäume zurückgeschnitten“, teilt Larch mit.

Das vorgesehene Ausbaggern des zuwuchernden Teiches wurde auf Anraten des Amphibien-Experten Florian Glaser auf später verschoben. „Besser ist, die Beschattung und den Pflanzenbestand im Teich zu verringern und einen dritten Teich neu anzulegen“, erklärt Larch Maßnahmen, um die Bedingungen für Amphibien wie den Teichfrosch oder die Gelbbauchunken zu verbessern.

Deren Population hat durch das Zuwuchern der offenen Wasserflächen und das verbotenerweise erfolgte Aussetzen von Goldfischen stark abgenommen. „Mithilfe von Reusen haben wir 2016 bereits 25 Goldfische gefangen. Da der Teich aufgrund der tiefen Wintertemperaturen heuer bis auf den Grund durchgefroren sein dürfte, sind acht weitere Goldfische erfroren“, teilt Larch mit, der im Mai nochmals Reusen aufstellen wird.

„Ein weiteres großes Thema ist heuer die Entfernung der Goldrute. Sie muss vor der Blüte ausgerissen werden“, kündigt Larch die Fortsetzung des „Feldzuges“ gegen einwandernde Neophyten an, die die heimische Flora verdrängen und dadurch seltene Arten gefährden.

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Ein Aufwand, der sich lohnt, wie der Biologe und Botaniker Paul Vergörer anhand seiner 2016 begonnenen Pflanzenzählung bestätigt: „Die Filz hat sich sehr schön entwickelt.“ Vergörer war bereits bei Einrichtung des Schutzgebietes durch die Ökologiegruppe Wörgl in den 1980er-Jahren dabei und freut sich, dass das damalige Moor-Kerngebiet um die angrenzenden Feuchtwiesen erweitert wurde. Vergörer setzt heuer seine Pflanzenzählung fort. Philipp Larch schätzt die Erhebung: „Es gibt nur wenige Schutzgebiete, von denen so viele Daten vorliegen.“ 2018 werden es noch mehr werden – nach ihrem Einsatz im Kramsacher Feuchtgebiet Loar werden Alois Ortner und Kurt Lechner heuer ihre 2005 erstmals durchgeführte Schmetterlings- und Libellenzählung wiederholen.

Anliegen der Filz-Aktivisten ist die Vermittlung von Wissen und Bewusstsein für das wertvolle Biotop. Daher gibt es immer wieder Führungen durch die Filz. „Der Wörgler Filmer Armin Oberhauser hat eine 40-minütige Dokumentation über die Filz mit Filmaufnahmen erstellt, die wir im Herbst öffentlich vorführen wollen“, kündigt Ringler an. Larch arbeitet derzeit an einem Programm zur Umweltbildung, das ab 2018 Schulen angeboten werden soll.

Wer bei der Biotop-Pflege mitmachen will, kann sich an Maria Ringler unter Tel. 0699/81171422 wenden. (vsg)