Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 30.06.2017


Natur

Sieben Steinböcke auf dem Sprung in die Freiheit

Bei der Greizer Hütte im Zillertal wurden gestern vier Steinböcke aus dem Innsbrucker Alpenzoo und drei aus Nürnberg ausgewildert.

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© Dähling



Von Angela Dähling

Ginzling – Ab in die Freiheit, hieß es gestern für sieben Steinböcke im Bundesforstejagdgebiet oberhalb der Greizer Hütte im Zillertaler Floitental. Auf 2230 Meter Seehöhe wurden die drei ein- bis zweieinhalb Jahre alten Böcke Gauder, Pepi und Speedy und die vier Geißen Anna, Luna, Laura und Marie dafür transportiert. Ein langer beschwerlicher Weg, der für vier Tiere (zwei davon stammen aus dem Vinschgau) im Innsbrucker Alpenzoo frühmorgens begann. Die anderen drei waren bereits Dienstagabend aus dem Nürnberger Tiergarten in Ginzling angekommen. „Um die Steinböcke einzufangen und in die Transportkisten zu setzen, wurden sie kurzzeitig betäubt“, erklärt Matthias Seewald, Tierarzt im Alpenzoo, der sich bereits in den Wochen zuvor versichert hat, dass seine Tiere gesund und fit sind für das Leben in der Freiheit und sich auch gut zusammengewöhnt haben. „Wir halten sie sehr naturnah, nur im felsigen Gelände, und auch das Futter ist entsprechend karg“, informiert er. Das sei wichtig, damit sie nahrungstechnisch und trittsicher mit dem Leben in Freiheit zurechtkommen.

Bis es so weit war, vergingen stressige Transportstunden in engen Holzboxen für die Wildtiere. Erst per Automobil ins Floitental, dann weiter mit der Materialseilbahn. Die letzten Höhenmeter wurden sie in ihren Boxen von 28 Helfern hinaufgetragen. Umringt von über 50 Zuschauern, die vor der Greizer Hütte gewartet hatten. Darunter eine zweite Klasse der NMS Mayrhofen und Schüler der Kleinschule Ginzling, die für zwei der Geißen im Vorfeld die Namen aussuchen durften und mit Lehrkräften auf der Hütte übernachtet hatten.

Per Seilbahn wurden die Steinböcke in ihren Transportkisten bis zur Greizer Hütte gebracht.
Per Seilbahn wurden die Steinböcke in ihren Transportkisten bis zur Greizer Hütte gebracht.
- Dähling

Der Rummel um sie war den Steinböcken nicht ganz geheuer. Starr und ängstlich blickten sie durch das Gitter ihrer Transportkisten. Als diese dann zeitgleich gegen 10.30 Uhr geöffnet wurden, kam aber Leben in die Wildtiere. Kraftvoll und trittsicher sprangen sie bergauf in den nebelverhangenen Felshang. Kein gutes Wetter für die vielen Hobbyfotografen, aber laut Tierarzt Seewald ideal für die Tiere. „Gauder, Speedy und Anna sind die stärksten Tiere und wurden mit Sendern bestückt“, erklärt Willi Seifert, Geschäftsführer des Naturparks Zillertaler Alpen. Mit einer Akkulaufzeit von zwei Jahren werden alle paar Stunden die geographischen Daten des Aufenthaltsortes an einen Wildbiologen der Bundesforste übermittelt. Damit hat man im Zillertal schon Erfahrung. Denn wie berichtet, wurden 2016 bereits fünf Steinböcke ausgewildert, von denen zwei besendert waren. „Einer davon, die Geiß Nina, ist vermutlich leider abgestürzt. Man fand sie tot unter einem Felshang“, weiß Christoph Egger von den Bundesforsten. Die anderen seien nach wie vor im Zemmgrund, wo sie ausgewildert wurden, ansässig, sagt Seifert.

Von dort wurden sie von Helfern weiter hinaufgetragen.
Von dort wurden sie von Helfern weiter hinaufgetragen.
- Dähling

Egger beziffert die natürliche Steinwild-Population im hinteren Zillertal mit rund 80 Stück. Durch die ausgewilderten Tiere soll diese Zahl erhöht werden. Auch ein Murmeltier, das von seinen Artgenossen im Zoo immer extrem gebissen wurde, durfte übrigens mit in die Freiheit.

Unter den Augen zahlreicher Schaulustiger wurden die Steinböcke in die Freiheit entlassen.
Unter den Augen zahlreicher Schaulustiger wurden die Steinböcke in die Freiheit entlassen.
- Dähling
Jene drei Tiere, die besendert sind, erkennt man am Halsband.
Jene drei Tiere, die besendert sind, erkennt man am Halsband.
- Dähling