Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 12.10.2017


Innsbruck

Tierschutz – ein brisantes Thema macht Schule

Bei neuen „Pet Buddy“-Ausbildungen im Alpenzoo und dem Tierheim Mentlberg lernen Tiroler Volksschüler respektvollen Umgang mit Tieren.

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© Domanig



Von Michael Domanig

Innsbruck – Ob es nun um Massentierhaltung, Tiertransporte quer durch Europa oder aktuell um den Schutz von Nutztieren vor Beutegreifern wie dem Wolf geht: „Tierschutz ist zu einem zentralen gesellschaftlichen Thema geworden – und es ist meist stark emotional besetzt“, meint Michael Martys, Direktor des Innsbrucker Alpenzoos. „Doch bei aller Tierliebe ist das Wissen um die Lebensansprüche und Bedürfnisse von Tieren die wichtigste Voraussetzung für eine gedeihliche Mensch-Tier-Beziehung.“

Dieses Wissen auf unterhaltsame, aber wissenschaftlich fundierte Weise an Schulklassen zu vermitteln, ist das Ziel des Vereins „Tierschutz macht Schule“: 2006 in Wien gegründet, hat der Verein seine Aktivtäten nun nach Tirol ausgeweitet. In Zusammenarbeit mit dem Alpenzoo und dem Tierschutzverein für Tirol finden erstmals „Pet Buddy“- (wörtlich: „Tierkumpel“)-Projekte statt, die sich an Volksschulen – speziell die dritten Klassen – richten. Die Schüler besuchen je einen halben Tag lang das Tierheim Mentlberg – wo sie sich intensiv mit Haustieren wie Katzen, Hunden oder Meerschweinchen beschäftigen – und den Alpenzoo: Dort liegt der Fokus auf Nutztieren wie Rind, Schwein, Huhn, Ziege und Schaf. Mit interaktiven Spielen, Rätselrallyes und Tierbeobachtung sollen die Kinder an den richtigen Umgang mit Tieren herangeführt werden. In Tirol startet das Projekt heuer mit fünf Klassen aus Innsbruck und Innsbruck-Land.

Es gehe immer darum, sich in die Lage der Tiere zu versetzen, erklärt GF Lea Mirwald vom Verein „Tierschutz macht Schule“: „Was braucht eine Katze oder ein Schwein, um sich wohlzufühlen?“ Die im Umgang mit Tieren oft vorherrschende „Vermenschlichung“ solle hintangehalten werden. Tierschutz sei ein Thema, mit dem man täglich konfrontiert sei, ergänzt Mirwald, schon bei der Frage, „welche Eier oder welches Katzenfutter ich kaufe“.

Frühe Wissensvermittlung sei eine „wichtige Grundlage, um später mit Tieren angemessen umgehen zu können“, sagt Christoph Lauscher, Obmann des Tierschutzvereins für Tirol, der in vier Heimen jährlich rund 3500 bis 4000 Tiere betreut. „Viele Tiere, die zu uns kommen, haben ein schweres Schicksal hinter sich – oft auch deren Halter.“

LHStv. Josef Geisler hofft, dass die Kinder in puncto Tierschutz auch als Multiplikatoren wirken. Das Land unterstützt das Bildungsprojekt mit 10.000 Euro, eine Fortsetzung ist angedacht.